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Kleider: Glanzstücke für die ganz großen Auftritte

Luxusmaterialien, aufwendige Verarbeitung, opulente Muster: Kleider für den ganz großen Auftritt sind die Hauptdarsteller in den neuen kollektionen der Designer. Jedes Modell ein kleines Juwel - genau wie die Edel-Steine aus der italienischen Mosaik-Manufaktur Bisazza

Wolfgang Joop hat sie zu Hause. Der Botschafter der Arabischen Emirate schmückt seine Berliner Residenz damit: Mosaike von Bisazza sind das Nonplusultra im Interior Design - und der ideale Hintergrund für eine stern-Fotoproduktion mit den auffällig gemusterten Kleidern aus den neuen Winterkollektionen der Modeschöpfer. Seit alle im Siebziger-Jahre-Fieber schwelgen, ist auch die italienische Firma Bisazza mit ihren bunten Glassteinchen wieder richtig im Geschäft. Manche leuchten matt, als hätte eine Muschel ihr Perlmutt über sie ergossen. Andere sehen aus, als seien sie sorgfältig von Meisterhand gepinselt, mit feinen Schlieren in Grün oder Gelb. Und einige ganz besondere sind aus purem Blattgold, 24 Karat, geschützt nur von einem feinen Glasüberzug. Quadratmeterpreis: ab 2750 Euro. Wer so was zu Hause auf dem Fußboden hat, der fühlt sich wie ein Geschöpf aus Tausendundeiner Nacht, das durch seinen Palast schreitet.

Ein bisschen üben für die Prinzessinnenrolle kann man in der Berliner Kantstraße 150, nur ein paar Häuser von der legendären Paris Bar entfernt. Dort, im Bisazza-Showroom, wird man erst mal von meterhohen Mosaik-Augen empfangen, eins braun, eins blau. Wer sich an ihnen vorbei wagt, taucht ein in Orgien aus Glas und Farbe. Schwarzweiße Op-Art-Muster im Flur, gold-braun-ägyptisierende Streifen in der Toilette. Und ein ganzer Dialog aus Samuel Becketts "Warten auf Godot" auf der Treppe.

Plötzlich scheint das ganze Leben ein einziges Glitzern und Glimmern zu sein. Da wird eine Hose zum raffinierten Puzzle, das schwarzweiße Muster einer Jacke scheint sich im Bodenmuster aufzulösen, und ein bunter Zigeunerrock sieht plötzlich aus, als sei er von italienischen Mosaik-Spezialisten entworfen.

Im kleinen italienischen Ort Spilimbergo ist sowieso alles Bisazza. Dort werden die Glassteinchen in Handarbeit hergestellt, die dann auf der ganzen Welt ihren großen Auftritt haben. Dort, im Friaul, hat man auch eine Methode aus dem 16. Jahrhundert wieder belebt, die wie ein Rezept aus der Alchimistenküche klingt. Nach geheimen Vorschriften wird da gemischt, gerührt und gebacken - um am Ende einen wahrhaften Halbedelstein in der Hand halten zu können. "Avventurina" nennen sie ihn bei Bisazza, "kleines Abenteuer". Und ein Abenteuer ist seine Herstellung tatsächlich. Nie kann man sicher sein, dass der schwierige Prozess auch gelingt. Zwei Wochen lang muss der Stein nach altem, venezianischen Geheimrezept im Ofen gebacken werden. Wenn irgendwas schief läuft, wenn die Temperatur zu hoch oder das Mischungsverhältnis nicht ausgewogen ist, dann war alles vergebens. Und statt des Steins kommt ein unförmiger, fehlfarbener Klumpen heraus. Im Glücksfall allerdings geht das Abenteuer gut aus. Dann schimmert und glitzert der "Avventurina" - und gibt der BisazzaSerie "Le Gemme" ihren ganz besonderen Zauber (der Quadratmeter kostet 178,50 Euro).

Eigentlich gibt es nichts, was man nicht mit Bisazza-Mosaiksteinchen schmücken könnte. Bäder natürlich. Swimmingpools und Saunen. Aber auch die Kuppel einer Moschee glänzt von Bisazza-Mosaiken, eine Bank in Stuttgart und eine Bar in Mailand. Wände, die aussehen wie die Arbeit von Spitzenklöpplerinnen oder wie mit Krokodilshaut bespannt. Eine 3,20 Meter hohe Welle, unter der man durchlaufen kann, und sogar Möbel. "Das Material ist grenzenlos" sagt Dorothee Ruwe von Bisazza Deutschland. "Mal wirkt es minimalistisch, mal barock, mal ägyptisch."

Auf der Expo in Hannover experimentierte der Künstler Albert Oehlen mit den gläsernen Teilen. Er entwarf am Computer ein 2500 Quadratmeter großes Mosaik aus mehr als sechs Millionen Steinchen. Fünf Handwerker aus Italien klebten wochenlang Steinchen auf Zement, bis das Bild vollendet war - eine der Attraktionen der Weltausstellung und nach wie vor zu sehen. Und wer in die Mailänder Disco Divina kommt, der sieht sich einem besonders aufreizenden Werk gegenüber. Dort prangt hinter der Bar ein meterhohes Mosaik von Gustave Courbets berühmtem Schockerbild "Der Ursprung der Welt": ein nackter, weiblicher Unterleib mit gespreizten Beinen, die den Blick auf einen schwarzen Haarbusch lenken. Alles Bisazza natürlich.

Anja Lösel
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