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Lagerfeld: Der Herr der Ringe

Wenn schon, denn schon - der Designer Karl Lagerfeld ist ein Mann der Obsessionen, egal ob in der Mode, der Redekunst oder beim Tragen von Schmuck. Hier spricht er über seine neue Leidenschaft.

Hände sind seit viel zu langem schon ein leider vernachlässigter Teil des männlichen Körpers. Männer tragen Ohrringe, Halsketten und Armbänder, aber kaum einer trägt Ringe, vom Ehering mal abgesehen. Auf Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert sieht man, dass das einmal anders war: Damals trugen Männer jede Menge von Ringen, häufig sogar mehr als die Frauen. Da mir wegen meiner Manschetten, auf die ich bestehe, am Handgelenk nur wenig Raum zum Schmücken bleibt, habe ich mehr und mehr Ringe auf meine Finger gesteckt.

Meine tägliche Auswahl ist spontan, ich kann nicht sagen, warum ich den einen Ring heute mag und den anderen nicht. Ich lasse mich am Morgen einfach von meinem ersten Gefühl leiten. Manchmal schaffe ich es sogar, 26 Ringe aufzustecken. Dann jedoch müssen auch meine beiden Daumen dran glauben. Das geht aber nur, wenn ich gerade nicht zeichnen oder schreiben muss. Es sollte jetzt übrigens niemand Angst vor einem rechten Haken von mir zu haben oder fürchten, einen Streit mit mir anzuzetteln. Ich bin überhaupt nicht aggressiv, und ich weiß, dass man sich besser nicht mit körperlicher Gewalt verteidigt. Sondern mit Worten.

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