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Londoner Modewoche: Tierschützer sorgen für Skandal-Auftakt

Turbulenter Start bei der Londoner Modewoche: Tierschützer haben die Schau von Julien MacDonald gestürmt und den Designer als "Pelz-Abschaum" bezeichet. In der Kollektion war jedoch gar kein Pelz zu sehen.

Auf der Suche nach einer Nische in der Welt der Mode scheint sich die London Fashion Week in dieser Saison auf Partys und Skandale zu verlegen. Zumindest zum Auftakt der Modewoche ging es nicht nur um die Frühlings- und Sommerkollektionen für nächstes Jahr, sondern auch um die angesagtesten Partytermine und Proteste von Tierschützern.

Bei der Schau von Glamour-Designer Julien MacDonald gelang es zwei Aktivisten der Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), den Laufsteg zu stürmen und Schilder mit "Pelz tötet" und "Pelz ist tot" in die Kameras zu halten, bevor die Sicherheitskräfte zur Stelle waren. Eine dritte Tierschützerin drängte sich mit einem Schild auf den Laufsteg, das den Designer als "Pelz-Abschaum" bezeichnete, gerade als er sich zum krönenden Abschluss mit seinen Models den Kameras präsentierte.

Dabei war auf dem Laufsteg diesmal nichts von dem umstrittenen Material zu sehen - schließlich ging es um Mode für die warme Jahreszeit. Der gebürtige Waliser präsentierte aus vielen Elementen zusammengesetzte Entwürfe: grafische Prints kamen ebenso vor wie afrikanische Motive, Karomuster bildeten einen starken Kontrast zu den Perserteppichen, die den Laufsteg schmückten. MacDonald hatte Pelz aber bei der Modewoche im Februar für seine aktuelle Herbst - und Winterkollektion verwendet.

Linda Evangelista eröffnete Modewoche

Topmodel Linda Evangelista sorgte für den nötigen Glamour zu Beginn der Fashion Week. Während Kollegin Kate Moss Negativschlagzeilen macht mit Kokainkonsum und verärgerten Werbepartnern, eröffnete Evangelista die Modewoche und gab sich auch auf dem Laufsteg die Ehre - anlässlich der Schau von Shooting-Star Giles, der zwar erst in seiner dritten Saison dabei ist, aber bereits als erklärter Liebling der Stars gilt.

Wenn sich seine Fans modisch von ihm überzeugen lassen, wird im nächsten Sommer schimmernde Seide in metallischen Farben nicht fehlen besonders Bronze, mit wenigen grasgrünen Ausnahmen. Außerdem setzte Giles auf gerade Schnitte ohne Taille, schulterfreie Babydoll-Kleider und Korsagen, auf überdimensionierte Reißverschlüsse oder Schleifen am Rücken.

Newcomer geben den Ton an

Auf den Laufstegen sind für den Rest der Woche viele Newcomer und noch ganz unbekannte Gesichter zu erwarten - London hat den Ruf, Talente zu entdecken, aber nicht halten zu können. In Kontrast dazu steht die Partyszene: Hier tummeln sich in dieser Saison unter anderem namhafte Vertreter renommierter Traditionshäuser wie Dior, Burberry, Schuhdesigner Patrick Cox, der sein 20-jähriges Bestehen feiert, und Alexander McQueen, der am Montag seine neue Schuhlinie präsentierte - das Ergebnis einer Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Puma.

McQueen schließt sich damit dem aktuellen Trend von "Designermode meets Sport" an. Ähnliche Kooperationen bestehen schon zwischen Adidas und Yoji Yamamoto sowie Stella McCartney oder Eley Kishimoto und Ellesse. Die Modewoche dauert noch bis diesen Donnerstag. Erwartet werden unter anderem Schauen von Paul Smith, Jonathan Saunders, Jean Muir sowie dem deutschen Designerduo c.neeon.

Laura Sunder-Plassmann, DPA / DPA