Männermode Mailand Der perfekte David


Derzeit wird in Mailand der kommende Winterlook für den Mann von Welt gesucht. Dafür bemühen Dolce-Gabbana, Armani und Co. nicht nur so manchen David, sondern auch Michelangelo.
Von Jina Khayyer, Mailand

Begonnen hat alles in Florenz: Mit Adam Kimmel. Kimmel, 28, Designer aus New York, ist Gastkünstler der diesjährigen "Pitti Immagine Uomo" in Florenz gewesen. Mit dieser Messe, die vergangene Woche statt fand, beginnt so zu sagen jedes Jahr die Männer-Modenschauen-Saison. Wobei der Begriff Messe viel zu banal klingt, für das, was in Florenz geboten wird.

Kimmel beispielsweise brachte seine gesamte Entourage aus New York mit und veranstaltete im Museum "Istituto d'Arte di Porta Romana" ein Spektakel. Entourage bedeutet in Kimmels Fall Künstler, Musiker und Fotografen wie David Armstrong, Banks Violette oder Rita Ackermann, die alle auch für seine Kollektion Modell stehen. Kimmels Inspiration: die männliche Attitüde amerikanischer Künstler der 40er- und 50er Jahre. Denn laut Kimmel soll der perfekte Mann kommenden Herbst und Winter aussehen wie einst Clark Gable. Zwischen den Modellen, pardon, Künstlern, Musikern und Fotografen tauchte aber auch immer wieder Michelangelos David auf. Wahlweise auf den Boden und and die Wände des Museums projiziert.

Posieren statt flanieren

In Mailand wird die Eleganz auf melancholisch, schöne Weise gefeiert. Bei Jil Sander beispielsweise zogen zu Beethovens 7. Sinfonie Anzüge und Regencapes mit Marmormuster am Auge vorbei, die Hosen wie eine Zigarre geschnitten. Lars Nilson, 41, Nachfolger des letztes Jahr verstorbenen Gianfranco Ferré, verzichtete zwar auf eine Show, zeigte dafür aber eine starke Präsentation. Sein Art Direktor Fabien Baron, in derselben Position bei der französischen "Vogue", ließ sich dafür vom Pariser "Maison de Verre" (dt. Glashaus) inspirieren: Er baute im Hause Ferré ein Set auf, indem die Models fast ausnahmslos in grauen Anzügen aus Kaschmir, Flanell und Alpaca posierten.

Weniger subtil zelebrierten Dolce & Gabbana den Mann. Ihrer heißt David und wurde von Mariano Vivanco - mal mit, mal ohne Unterhose - fotografiert. Für einen Kalender. Aus diesem Anlass luden Domenico Dolce und Stefano Gabbana am vergangenen Samstag einen erlesenen Kreis von Journalisten und Prominenten zum Dinner in ihr Restaurant "Gold" ein. Domenico Dolces Tischherr war kein geringerer als Silvio Berlusconi.

Und in der Via Manzoni zeigt sich ein weiterer David in Unterhose: Mr. Beckham - lebensgroß. Er ist das neue Unterwäsche-Model für Emporio Armani. Trotz strömenden Regens debattierten am Samstag, dem ersten Tag der Mailänder Schauen, Heerscharen vor dem Schaufenster darüber, ob "er" nun wirklich so groß ist oder nicht. Bei der Emporio Armani Show am Sonntag war Beckham leider nicht präsent, die Antwort aber gefunden: ein Wunder der Technik.


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