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Männersache: Warum gibt es so wenige Designerinnen?

Möbel kommen meist aus Männerhand - deswegen ist die Entwerferin Kirsten Antje Hoppert eine Exotin in der Branche. Hier erklärt sie, wie sie sich durchgesetzt hat.

Möbelmachen ist Männersache. In der deutschen Designgeschichte tauchen kaum Frauen auf. Auch in der Gegenwart spielen sie in der Branche eine Nebenrolle - anders als im Ausland, wo es etwa die Spanierin Patricia Urquiola und die Holländerin Hella Jongerius zu Ruhm und vollen Auftragsbüchern gebracht haben.

In Halle an der Saale hat Kirsten Antje Hoppert, 32, Innenarchitektur studiert. Dabei lernte sie den Produktdesigner Steffen Kroll, heute 38, kennen. Erst wurden sie ein Paar und später ein erfolgreiches Team: das Studio Vertijet, benannt nach einem amerikanischen Senkrechtstart-Flugzeug. Hoppert tritt anders auf als die meisten Möbelentwerfer, zurückhaltender, verspielter. Trotzdem - oder vielleicht auch gerade deswegen - haben sie und ihr Partner sich in der Welt des Produktdesigns mit Entwürfen für die Firmen Cor, Authentics und den Taschenfabrikanten Bree durchsetzen können.

Warum, fragte der stern Kirsten Antje Hoppert, gibt es so wenige Frauen im Design? "Schwierige Frage - vielleicht, weil die Spielregeln in der Wirtschaft und somit in der Welt der Produktentwicklung hauptsächlich von Männern gemacht werden. Frauen fühlen sich davon nicht gerade angezogen. Neue Produkte sind oft dazu da, die Gewinne des Auftraggebers zu steigern. Man will größer, stärker, besser sein als die Konkurrenz - ein Kampf, den lieber Männer austragen als Frauen.

Schon an der Uni studieren deutlich weniger Frauen Produktdesign als Männer. In der Innenarchitektur, wo ich studiert habe, war das Verhältnis etwas günstiger. Hat eine Studentin im Industriedesign beispielsweise Taschen entworfen, war das sehr exotisch, weil es vorrangig um Investitionsgüter und technische Geräte ging - so etwas wie Bohrmaschinen. Und diese Welt liegt den rationalen Männern mehr als den gefühlsbetonten Frauen.

Wir denken bei Vertijet eher in weiblichen Sphären. Denn auch Bohrmaschinen sollten aus unserer Sicht sinnlicher gestaltet sein, schließlich umgeben sich viele arbeitende Menschen gut ein Drittel ihres Tages mit solchen Werkzeugen.

Natürlich müssen auch wir ökonomisch denken, doch nicht um jeden Preis. In einer Welt, die überwiegend Funktion und Komfort anbietet, wollen wir gelegentlich von etablierten Vorstellungen abweichen - da handeln wir dem weiblichen Wesen entsprechend: eben sehr nach Gefühl.

Folglich geht es bei uns im Atelier auch eher unkonventionell zu. Wir arbeiten selten stringent an einer Sache. Wenn wir von einem Projekt etwas Abstand brauchen, hören wir auf, selbst unter Termindruck. Das macht uns kein schlechtes Gewissen, denn wir haben uns schon früh aus dem Korsett des Dienstleisters gelöst. Das erscheint im Hinblick auf das klassische Procedere in der Designwelt zwar nicht unbedingt klug, doch vielleicht ist gerade das weiblich-intuitive Verständnis vom Umgang miteinander ein Mehrwert, der eine Zukunft haben kann.

Übrigens gibt es gar nicht so wenige Frauen im Design, man hört bloß weniger von ihnen. Sie sind halt nicht so laut."

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