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Mailänder Mode: So schön der Winter

Wenn das nicht etwas Wärme in die kalte Jahreszeit bringt: Farbenfroh wird die Mode im nächsten Winter zwar nicht, dafür bescheren uns die Designer tiefe Einblicke und setzen auf kleine Details.

War’s das schon wieder mit der Farbpracht? Auf den Mailänder Damendefilees für die Saison Herbst/Winter 2005/06, die noch bis zum 26. Februar andauern, verabschieden sich einige Designer von der noch gar nicht so lange währenden Lust am Bunten. Bonjour Tristesse also? Keineswegs, denn die Lust an der Dekoration bleibt.

Pradas Befreiungsschlag

Was an den ersten Tagen der Modenschauen auf den Laufstegen zu sehen war, war oft keine Revolution, sondern eine Wiederaufbereitung bereits bestehender Trends. Folklore und Glamour halten sich damit auch noch im kommenden Winter. Allerdings fällt der Aufputz zum Teil etwas weniger plakativ aus.

Und so mussten die aus der ganzen Welt angereisten Einkäufer und Fachjournalisten bis zum Montagabend warten, um ihre Lust auf etwas wirklich Neues befriedigen zu können. Der Befreiungsschlag kam von Miuccia Prada. Sie unterstrich wieder einmal ihre Ausnahmestellung in der Mode. Verblüffend, wie sie mit ihren Ideen vielen Kollegen stets ein paar Schritte voraus ist. In der Branche gilt: Was die Mailänderin andenkt, durchdringt früher oder später den Massenmarkt.

Prada verabschiedet sich von Glanz und Glamour

Miuccia Prada setzt für den kommenden Herbst/Winter kräftige Farben nur ergänzend ein. Es dominieren vor allem Schwarz und Camel. Selbst die blumigen Muster, eigentlich eine Aufforderung zur Fröhlichkeit, geben sich trüb und dunkel. Vom aktuell so angesagten Glanz und Glamour verabschiedet sich Prada weitgehend, nur einige mit Metallringen besetzte Säume bleiben als Reminiszenz übrig. Ihre Dekore sind subtiler. Aufwendige Strick-Stickereien platziert sie auf Mänteln und Kleidern. Zuweilen kommt Prada aber auch ganz ohne Schmuckelemente aus. Dann lenkt sie den Blick auf den Schnitt, etwa wenn Abnäher die Silhouette auf Taille zwirbeln oder sich Balloneffekte einstellen. Die Mode lebt von einer elektrisierenden Spannung aus Sinnlichkeit und Intellekt.

Die bunte Zeit ist vorbei

Auch Maurizio Pecoraro will von kräftigen Farben nichts wissen. Vor allem Schwarz und Grau beherrschen die Kleidung des sizilianischen Designers. Eines seiner Schlüsselelemente ist die kurze, kastige Jacke á la Jackie Kennedy, die oft nur ellbogenlange Ärmel aufweist. Zuweilen übertreibt es Pecoraro mit seiner Lust am Detail ein wenig. Das Auge sucht vergebens Halt, wenn über die Plissees zusätzlich Fransen gelegt werden und auch noch Ketten und Stoffblüten mitmischen.

Wenn der Name Bottega Veneta fällt, denkt man zunächst an Accessoires. Sie sind Ursprung und Schwerpunkt des zum Gucci-Konzern gehörenden Labels aus Vicenza. Dass Tomas Maier, der deutsche Designer hinter dem Namen, den Blick nun stärker auf die Bekleidung lenken will, beweist die Tatsache, dass er seine Kollektion erstmals in einem größeren Defilee vorführte. Maier hat ein Händchen für eine zeitgemäße Mode. Kleine Metallkugeln dekorieren und halten zugleich die Form von Kleidern aus Seidenjersey in Balance. Einen seidenen Anzug im Jogging-Stil arrangiert er mit einem glitzernden Top und einem Pelzschal.

Armani ziegt Bein

Giorgio Armani hingegen lässt vor allem Bein zeigen. In seiner für eine junge Klientel gedachten Linie Emporio drehte sich alles um den Rock. Der ist kurz, aber nie frivol. Die Röcke sowie die dazu kombinierten Jacken erleben verschiedenste Variationen und Detaillösungen.

Ein bisschen "Aviator" war auch dabei

Zum 80. Geburtstag des Unternehmens gönnte sich auch Belstaff eine Modenschau. Legendär ist die Marke für ihre Jacken aus gewachster Baumwolle, die sich vor allem bei Motorradfahrern großer Beliebtheit erfreuen, mittlerweile aber den Weg in den breiteren Markt suchen. Große Aufmerksamkeit erzielte Belstaff kürzlich mit der Ausstattung des Films "Aviator". Ein Hauch von Howard Hughes lag dann auch über dem Defilee, wo viele Models weiße Schals im Kragen ihrer Blousons trugen. Sehr gekonnt sah die Übersetzung des Stils ins Englische aus, mit Tweed und braunen Karos. Etwas gequält hingegen war der Versuch, die Jacken über den Faktor Sex anzupreisen. Mit Netzstrümpfen, Hot- Pants und über das Knie ragenden Lederstiefeln ist der Grad zum Billigen ein sehr schmaler.

Axel Botur/DPA / DPA
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