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MAILÄNDER MODEWOCHE: Im Rausch der Kontraste

Gegensatz ist alles - in Mailand wurde für die kommende Herbst-/Wintermode Kleidsames jenseits des Schlankheitswahns präsentiert: Voluminöse Mäntel zu kurzen Röcken, Transparenz zu Pelz und Schwarz zu Weiß.

Für die Mode muss niemand mehr fasten, das Diktat der Superschlanken fällt. Was sich bereits für diesen Frühling angekündigt hat, zeigt sich auch bei den Kollektionen für den kommenden Herbst und Winter: Die Silhouette wird weiter, auch wenn sich hier und da noch kurvige Schnitte trotzig halten. Mit dieser für viele vielleicht besten Nachricht endeten die Mailänder Damendefilees.

Glamour und Schlabberlook

Die Weite fängt beim Rock an, der ausgestellt knieabwärts fällt. Sie setzt sich fort beim Mantel mit oft beachtlichen Volumina, beim Blouson, der Fülle hat, und auch Blusen und Tops trägt man eher körperfern. Dass gerade sie in einer Winterkollektion dem Pullover den Rang ablaufen, überrascht. Es unterstreicht aber den Hang zum Glamour, den viele Designer in Mailand propagierten.

Comeback der Supermodels

Seide, Chiffon, Pelz, Leder und spitze Absätze mit beachtlichen Höhen wirken angesichts der Rezession und des Traumas der September- Attentate wie ein »jetzt erst recht!«. Sexy - das war eines der Schlüsselwörter in den Designer-Interviews in Mailand. Kein Wunder, dass auch die glamourösen Models wieder auftauchten: Naomi Campbell, Amber Valletta, Eva Herzegova und selbst Cindy Crawford feierte ein Comeback.

Versaces krönender Abschluss

Die letzte Show gehörte Donatella Versace. Die Mailänderin bändigt ihre kräftigen Farben, reduziert sie oft auf Rollkragen- oder Kapuzenpullis, die sie dann zu Mänteln, Trenchcoats oder Anzügen in neutralem Weiß oder Schwarz kombiniert. Ausgestattet mit neuem Selbstbewusstsein - ihre DV-Initialen erscheinen nun als Logo - kann sie aber auch ganz auf das Grelle verzichten und wirkt in Ansätzen sogar klassisch.Drucke gehören zum Muss bei Versace. In der nächsten Saison sind es poppige, explodierende Formenspiele aus Blumen, Sternen und Tropfen. Sie werden üppig auf der Kleidung gezeigt, kommen versteckt auf Schuhabsätzen, als Intarsie beim Pelzmantel oder als Glitzer-Applikation daher.

Kontrastreicher Materialmix

Gegensätze ziehen sich im nächsten Winter an wie lange nicht. Alle Materialien scheinen miteinander verknüpfbar. Prada etwa brachte Nylonbomber mit Pelzärmeln, Roberto Cavalli sportliche Anoraks aus Satin und bei Dolce & Gabbana trägt man grobgestrickte Wollschals zum Lingeriekleid.

Luxus extrem

Voyage trat am Abschlusstag zum ersten Mal auf der Milano Moda Donna an. Das in London ansässige Label erlangte einen elitären Ruf, weil es nicht an jedermann verkauft, sondern nur an Inhaberinnen einer Kundenkarte. Provozierende Formen ergänzen sich in der neuen Kollektion mit einer gesunden Portion Respektlosigkeit. Perlenbestickte Pelzmäntel sind Luxus in Extremausführung. Leder und Spitze vermischen sich ohne Skrupel im Patchwork. Schmale Jeanshosen werden zuweilen auf Western-Stil getrimmt, schottische Karos in Fragmente zerlegt. Bei kurzen Minis reicht der Stiefel dann bis weit übers Knie.

Wilder Westen, Russland und 1001 Nacht

Den Kontrast zum Glamour bildeten Folklore und Nostalgie. Dolce & Gabbana legten viel Rustikalität in ihre Kollektion. Giorgio Armani erinnerte an den Fliegerpionier Charles Lindbergh, aber auch an Märchen aus 1001 Nacht und Anna Molinari an die russischen Zarinnen. Auch Iceberg hatte am Dienstag noch einmal Folk-Elemente in der Kollektion und zeigte geschorene Wolloptiken im streifigen Ethno-Look für Mäntel, Hosen, Poncho-Kleider oder Röcke.