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Mailand: Romantik mit Nadelstreifen-Akzent

Romantisch und verspielt heißt die Linie der Mailänder Damenmode. Darunter mischen sich - mit einem ironischem Unterton - Elemente, die der Männerbekleidung entliehen sind.

Die Mailänder Damenmode für die Saison Frühjahr/Sommer 2004 ist romantisch und verspielt. Darunter mischen sich dann - zuweilen mit einem ironischem Unterton - Elemente, die aus der Männerbekleidung entliehen sind. Aus der Kombination dieser beiden Gegensätze entsteht das Bild, das viele der Defilees der Milano Moda Donna an den ersten Tagen vermittelt haben.

Strenesse mit Lust auf Sinnlichkeit

Strenesse-Designerin Gabriele Strehle sprühte vor Lust an Romantik und Sinnlichkeit. Die Deutsche, die eigentlich als Puristin gilt, zeigte in ihrer Show am Mittwoch eine Parade an langen Kleidern mit Streublüten-Dekor, Muster-Patchwork, hervorblitzenden weißen Unterröcken, Rückenschnürungen, Volants und Stufen. Dazu werden derbe Ledersandalen auf hohem Plateau getragen. Den klassischen, englischen Herrenanzug "verweiblicht" die Designerin, in dem sie Hosen zur Bermuda kappt oder den Blazer zum Bolero kürzt. Die dadurch gewonnene Rückenfreiheit füllt das Volant-Schößchen des darunter getragenen Tops wieder aus.

Die Grundstimmung der Prorsum-Kollektion der englischen Traditionsmarke Burberry ist optimistisch und luftig. Pastellfarben gruppieren sich um die Basis Weiß, weit geschnittene Tops setzen einen Kontrast zur Hose im Nadelstreifen-Patchwork. Schleifen, Rüschen und bauschige Röcke geben der Mode ihre Süße. Der Trenchcoat, von Burberry ursprünglich für das Militär erfunden, wurde im Laufe der Show am Dienstagabend immer kürzer, am Ende blieb nur ein kecker Bolero übrig.

Das Spiel mit der Ironie

Dieses Spiel mit der Ironie beherrscht auch Giorgio Armani, dessen Damenmode ebenso wie die schon im Juni vorgeführte Männerlinie in der kommenden Saison ganz unter maritimen Einfluss steht. Seine Stolen erinnern an Fischernetze, Träger nehmen Krawatten-Form an, der Meister selbst erscheint als überdimensionaler Porträt-Aufdruck. "Die einzige Möglichkeit Blau zu verkaufen ist für mich, die Art zu verändern, wie man diese Farbe trägt", sagte der Mailänder Designer mit einem Augenzwinkern. Blau gehört neben Beige zum Image und letztlich auch Klischee Armanis. Passend zum Thema seiner neuen Kollektion kombiniert er es nun mit Weiß zu Streifen- und Blockmustern, wobei rote Akzente einfließen. Wie ein sanfter Wellengang umschmeicheln Seiden-Lamé, Organza und Pailletten- Stickereien den Körper.

Heiße Kost von D Squared

Eine ganz andere Stimmung fanden die Besucher bei D Squared vor. Knatternde Harleys fuhren über den Asphalt der Fabrikhalle, in der das Defilee am späten Dienstagabend stattfand, und parkten vor einem am Laufsteg aufgebauten amerikanischen Diner im Stile der 50er Jahre. Dann servierte das kanadische Zwillingspaar Dan und Dean Caten, die Macher von D Squared, heiße "Kost": Ultrakurze Minis, Hotpants und Babydolls, lange Beine, knapp sitzende Jacken - in ihrem Pressetext dankten die beiden Designer Playboy-Gründer Hugh Hefner für 50 Jahre Inspiration. Doch auch in dieser Kollektion fand das Wechselspiel aus maskulin und feminin seinen Platz. Ein Trägerkleid aus abgewetztem, braunen Motorradleder erhält unter der Brust eine Schleifen- Schnürung. Der Marlon-Brando-Look aus Lederjacke, Jeans und Schirmmütze wird für die Frau mit einer hautengen, unter dem Knie endenden Hose und einer bauchfreien Jacke umgeschrieben.

Alexsandro Palombo gehört hingegen eher zu den Mode- Intellektuellen. Der geknotete Strick ist sein Markenzeichen. Der Italiener spielt mit Gegensätzen wie haarig und glänzend. Flechtwerk und Fransen in einer dramatisch-opulenten Umsetzung lassen die Kleidung fast schon zum Kunstwerk werden. Mit Brokat-Arbeiten und beschichteter, mit bunten Steinen bestickter Spitze bringen Glanz in die Kollektion. Die Mailänder Modeschauen laufen noch bis zum 5. Oktober.