Modeausblick 2005 Ganz schön bunt hier


Es glitzert der Strass, und die Schmucksteine funkeln: Die Mode des kommenden Jahres plustert sich mächtig auf und schwelgt in einer lange nicht gesehenen Lust am Dekor.

Die Damenmode hatte sich schon zum Sommer 2004 von plakativer Sportlichkeit abgewandt und wieder einen feminineren Stil mit spielerischer Leichtigkeit gewählt. Und auch den Herren der Schöpfung wurde empfohlen, vom Schlabber-Look zu lassen und sich etwas feiner anzuziehen.

Mode macht wieder was her

Beherzt griffen die Designer zu Kristallen, Perlen, Federn und anderem Zierrat und beendeten ihre Abstinenz vom Ornament mit kreativen Paukenschlägen. Vor allem ausländische Publikationen wie etwa die Modebeilage der englischen Tageszeitung "The Times" erkoren den Luxus zum heißesten Trend der Herbst/Winter-Saison. Und auch in Deutschland fielen Begriffe wie Glamour und Diva.

Nur: wie passt diese prunkvolle Mode zu Hartz IV und Bombenterror? Es geht um Fluchten aus dem Alltag, erklärt Winfried Rollmann vom Pariser Trendbüro Seasons den scheinbaren Widerspruch. Praktisch alle aktuellen Tendenzen seien von Wünschen und Hoffnungen geprägt. Im so genannten Retro, der Wiederaufbereitung vergangener Dekaden, drücke sich die Sehnsucht aus nach der "guten alten Zeit". Die für das kommende Frühjahr erwartete Safari-, Ethno- und Folklore-Welle hole ein Stückchen der Welt nach Hause, die selbst zu bereisen derzeit mit vielen Ängsten verbunden sei.

Es wird noch bunter

Doch vor allem wolle Kleidung Optimismus ausstrahlen und greife dafür auf bewährte Mittel zurück. Farbe ist und bleibt der Motor der Mode, meint Rollmann. "Farbe ist wie eine Vitaminpille", schließt sich Elke Giese an. Aber, so schränkt die in Berlin lebende Ressortleiterin Mode beim Deutschen Modeinstitut ein, sie zeigt sich im nächsten Jahr nicht mehr ganz so exzessiv. Sehr viele Weißtöne, Aquafarben wie Türkis und Blau, aber auch grasige, frische Nuancen hat sie für das Frühjahr 2005 ausgemacht. Und auch der Mann soll sich dann deutlich bunter anziehen.

Bei den Mustern gibt es neue szenische, abstrakte oder digital veränderte Motive sowie orientalische und afrikanische Ornamente. Die Stickereien sollen nicht mehr ganz so opulent ausfallen. Zwei Kleidungsstücke gehören nach Meinung der Experten in jeden Kleidungsschank: Jeans und eine kurze Jacke.

Giese sieht eine Weiterinterpretation der schon 2004 sehr beliebten Tweedjacke im Chanel-Stil. Sie wird dann nicht mehr rosa sein und auch keine Fransen mehr haben, sondern Details wie Zick- Zack-Stiche oder Bordüren. Und auf keinen Fall darf sie zu konventionell kombiniert werden. Optimal seien Flatterröcke - oder eben Jeans.

Individualität ist gefragt

Lange Zeit warf man den Modemachern vor, noch keine prägende Botschaft für die erste Dekade des 21. Jahrhunderts gefunden zu haben. Doch fast immer definiere sich ein Jahrzehnt erst in seiner zweiten Hälfte, meinte Guccis Ex-Designer Tom Ford kürzlich in einem Interview. Der Abschied des Texaners aus dem italienischen Modehaus zählte neben dem neuerlichen Rückzug Jil Sanders wohl zu den schmerzvollsten Modepersonalien des Jahres 2004.

Gleichwohl scheint sich Fords These zu bewahrheiten. Es ist fast Halbzeit im Jahrzehnt, und alles deutet auf Individualität als das große Leitmotiv hin. Die Designer wünschen sich offenbar Frauen, die ihre Garderobe quer durch die Stile, Epochen und Kulturen mixen. Kurz: Die Frau von heute soll sich ein Beispiel an Carrie Bradshaw nehmen. Die Sex-Kolumnistin aus der kürzlich zu Ende gegangenen TV- Serie "Sex and the City" inspirierte mit ihrer frech zusammen gewürfelten Garderobe Designer und Fans gleichermaßen und ist die derzeit unumstrittene Stilikone.

Axel Botur / DPA DPA

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