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Mailänder Wintermode: Die 70er sind wieder da

Glamour, Romantik und Folklore. Die Damenmode im Herbst/Winter 2004/05 hat viele Gesichter. Die weiblichen Ikonen der 70er wie Bianca Jagger oder Janis Joplin, aber auch ihr wichtigster Designer Yves Saint Laurent hinterlassen Spuren in den Kollektionen.

Glamour, Romantik und Folklore. Die Damenmode im Herbst/Winter 2004/05 hat viele Gesichter. Ihr gemeinsamer Nenner sind die 70er Jahre, aus denen viele Designer der noch bis zum 1. März laufenden Mailänder Defilees ihre Inspirationen holten. Die weiblichen Ikonen dieser Dekade wie Bianca Jagger oder Janis Joplin, aber auch ihr wichtigster Designer Yves Saint Laurent hinterlassen Spuren in den Kollektionen.

Überlange Schals, viel, oft gefärbter Pelz, Schmuck auf Kleidern und als Accessoires sowie fließende Stoffe wie Chiffon und Seide prägen die Mailänder Laufstege. Die Silhouette umschmeichelt den Körper, zeigt Taillierung und ausgestellte Rockformen, aber auch Bleistift-Enge am Bein.

Punkig in Versace

Versace touchiert die Punk-Ära. Silberne Reißverschlüsse, fransige Kragen und Säume an Mänteln und Kostümblazern sowie mit Nieten verzierte Manschetten sind aus dem Subversiven jener Bewegung in eine Luxuskollektion des 21. Jahrhunderts übersetzte Elemente. Versace und Punk, das hat Tradition. In den 90er Jahren schuf Gianni Versace die noch heute legendären Kleider, an denen goldene Sicherheitsnadeln die offenen Nähte schlossen. Seine Schwester Donatella baut für den Herbst/Winter 2004/05 auf Tweed- und Wollstoffe, schottische Kiltmuster und Stilettos aus Aluminium unterm Stiefel.

Jil Sander is back

Mit beeindruckender Geschwindigkeit hat sich Jil Sander ihren Platz in der Mode zurückerobert. Die zweite Kollektion nach dem Comeback der Hamburgerin im vergangenen Jahr, vorgeführt am Donnerstagabend, setzte einen wohltuenden Bruch in die Überladenheit vieler Mailänder Schauen. Zwar hat auch sie ihrem strengen Purismus aus den neunziger Jahren abgeschworen, doch setzt Sander Details punktuell. Geometrisch und klar auf der einen, weiblich und anschmiegsam auf der anderen Seite ist ihre neue Mode. Die Röcke wirken wie Skulpturen. Schwarze Kragen und Patten werden weiß unterlegt, weiße Schlitze schwarz aufgefüllt. Eine Tüllschicht bremst den Schimmer des darunter liegenden Satin. Silberglanz läuft vom Lurexpulli direkt weiter auf den Faltenrock. Ein Kleid in Pink ist eine kurze Flucht aus der neutralen Farbpalette.

Keine Exsesse bei Brioni

Auch bei Brioni sind Exzesse tabu. Das exklusive italienische Label für die oberen Tausend bringt in Falten ausgestellte Rocklängen, die unter dem Knie enden. Trenchcoats gibt es aus Seide oder Wildleder, Pelz als Stola, lange Weste oder Blouson.

Ein Hauch von 30er und 40er

Blumarine mischt zu den Einflüssen aus den 70er Jahren Elemente der 30er und 40er. Die Eleganz der Bianca Jagger inspirierte Anna Molinari, Gründerin und Designerin der italienischen Marke. Hüte mit breiten Krempen sind wichtigstes Accessoire. Die Mäntel mit ihrer Pelzverbrämung, den dekorativen Borten und Applikationen hingegen wirken der Garderobe russischer Zarinnen entnommen. Es glitzert und funkelnd bei Blumarine bereits am Tag und erst recht am Abend.

Sinnlichkeit bei La Perla

Bernardo Bertoluccis Filmklassiker «Der letzte Tango von Paris» stand Pate für Alessandro dell„Acqua, dem Designer der Kollektion von La Perla. Sinnlichkeit gehört zum Grundwortschatz einer Marke, die ihren Ursprung in den Dessous hat. Chiffon wird plissiert oder in Rüschen-Stufen gelegt und zu goldenen Stiefeln getragen.

Fendi schwelgt in Pelz

Bei Fendi fallen die Mäntel aus Zobel, Nerz oder Chinchilla so geräumig aus, dass man sich in ihnen verlieren könnte. Karl Lagerfeld und Silvia Venturini-Fendi, das Designteam des Labels, ließen Leder per Laser schlitzen und anschließend silber laminieren. Das Hauslogo erscheint auf Hosen in Zigaretten-Form oder Jerseykleidern.

Während Trend Les Copains großflächige Blütendrucke favorisiert, dominieren in der Kollektion von Trussardi grafische Muster-Elemente. Die Röcke haben eine Vorderfalte und zwei schräg angebrachte Patten- Taschen, Strickpullover liegen oft in zwei Schichten übereinander. Und das Farbspiel ist sehr intensiv.

Axel Botur/DPA