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Marc Jacobs: Mode für die Nase

Nach den Promi-Parfüms kehren nun die Designerdüfte zurück. Davon profitiert auch Marc Jacobs - ihm stinkt nur, dass er gerade Schmiergeld-Ärger hat.

Von Dirk van Versendaal

Es war einmal, im Sommer 1994, da brachte Calvin Klein ein Parfüm namens "cK One" heraus. Innerhalb eines Jahres bescherte es dem amerikanischen Modedesigner 250 Millionen Dollar Umsatz. In Spitzenzeiten verkauften sich 20 Flaschen des Duftes pro Minute - ganz im Sinne von Karl Lagerfeld, der mal gesagt hat: "Wir Modedesigner können unseren Namen auf Parfümflaschen drucken lassen, ohne irgendetwas von Parfüms zu verstehen, und wir werden auch noch reich damit." Das war einmal, wie gesagt. Länger schon ächzt die Branche: Nur jedes 20. neu eingeführte Duftwasser bringt innerhalb von zwei Jahren seine Entwicklungs- und Herstellungskosten herein, 97 Prozent aller Neuheiten erleben das dritte Jahr am Markt nicht. Junge Kunden sind wenig markentreu und stecken ihr Geld lieber in Unterhaltungselektronik. Auch das wichtige Geschäft in den Dutyfree- Shops der Flughäfen lahmt.

Nachfrage nach Designerparfüms steigt

Nichts jedoch störte die Träume der Modemacher so wie die Flut von Promi-Kompositionen: Jahrelang gaben Britney Spears, Madonna, Steffi Graf und Hans oder Franz ihre Namen gegen Bares her, um uns mit ihren Wässerchen zu malträtieren. Doch die, so scheint es, haben ausgestunken: Die Umsatzzahlen gehen spürbar zurück. Erholt hat sich dagegen die Nachfrage nach Designerparfüms. Ein Drittel der Frauen in Deutschland gibt an, dass sie gern nach Modehaus duften. Und so brachten in den vergangenen Monaten Giorgio Armani, Jil Sander, Dolce & Gabbana, Prada, Dior, Versace sowie Gucci neue Parfüms auf den Markt. Grosse Erwartungen setzt die Branche in den neuen Duft des Modemachers Marc Jacobs. Sein "Daisy" soll im ersten Jahr 55 Millionen Dollar einbringen. Gemischt wurde "Daisy" vom Duftkomponisten Alberto Morillas, dessen Nase schon welch legendäres Parfüms erschnüffelt hat? Richtig, das "cK One".

Alles super also, auch Marc Jacobs freut sich: "Erst wenn dein Name auf einer Parfümflasche steht, hast du es geschafft." Wäre da nicht der Ärger mit der Armoury, dem denkmalgeschützten Zeughaus Manhattans, das die Veranstaltungsagentur des Stardesigners seit Jahren für seine Modeschauen anmietet. Womöglich gegen Schmiergeld in Höhe von 40.000 Dollar, gezahlt an einen städtischen Angestellten. Der soll die Hand aufgehalten haben für Sonderleistungen: Wollte etwa die Agentur von Jacobs einen Tag früher mit dem Aufbau beginnen, musste sie für den Einlass eine vierstellige Summe an Schwarzgeld zahlen. Seit 2000 soll es zu 24 solcher Fälle gekommen sein. In den Modemetropolen Paris oder Mailand dürfte man über solche Meldungen nur müde gähnen, dort sind derlei Gepflogenheiten nämlich gang und gäbe. Und somit ein noch älterer Hut als der Welterfolg von "cK One".

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