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Tabubruch in Oktober-Ausgabe: "Playboy" zeigt zum ersten Mal Frau mit Kopftuch

Frauen werden im "Playboy" so wenig bekleidet wie möglich abgebildet. In der aktuellen Ausgabe aber ist die amerikanische Muslima Noor Tagouri sogar verhüllt zu sehen. Die junge Journalistin erhält für ihren Auftritt allerdings nicht nur Lob.

Noor Tagouri posiert vor der US-Flagge

Die US-Journalistin Noor Tagouri posierte für die Oktober-Ausgabe des amerikanischen "Playboy" – komplett bekleidet und mit Hidschab

Wer den "Playboy" aufschlägt, tut das in der Regel, um gut geschriebene Reportagen zu lesen. Es soll aber auch Menschen geben, die Lust haben, sich die Fotos anzusehen: von leicht bis kaum bekleideten Frauen, den Bunnies. Wer die Oktober-Ausgabe des US-"Playboy" aufschlägt, der seit geraume Zeit keine nackten Frauen mehr zeigt, kann eine weitere Premiere erleben. Das Magazin zeigt zum ersten Mal, seit es 1953 von Hugh Hefner gegründet worden ist, eine amerikanische Muslima, die einen Hidschab trägt: die Journalistin Noor Tagouri. 

In der Serie "Renegades", "Überläufer", nennt die "Playboy"-Autorin Anna del Gaizo die 22-Jährige ein "Media Wunderkind". "Verwirrend" findet sie den Ansatz der jungen Frau, die erste Nachrichten-Moderatorin mit Hidschab werden zu wollen. Derzeit arbeitet Tagouri als "Geschichtenerzählerin", wie sie selbst sich nennt, für die Videoplattform "Newsy". "Tagouri zwingt uns zu hinterfragen, warum es uns so schwerfällt, uns mit einer jungen Frau zu beschäftigen, die bewusst ihren Kopf verhüllt und ein 'Nein' als Antwort einfach nicht akzeptiert", begründet del Gaizo die Wahl des "Playboy" für diese "Renegade". 

Mehr Sichtbarkeit für den Hidschab – aber auch Kritik

Noor Tagouri hat durchaus Talent zur Selbstvermarktung, wie ihr Tumblr-Profil "Let Noor shine" sowie ihr gut besuchter Youtube-Kanal belegen. Doch ihr Porträt im "Playboy" fand auch Kritiker. Im Editorial der "Muslim Vibe" etwa nennt Salim Kassam die Entscheidung Tagouris, sich für den "Playboy" ablichten zu lassen, "schlecht beraten". Der "Playboy" sei ein Synonym für Pornografie. Außerdem, behauptet er, sei es dem Magazin gar nicht unbedingt um Tagouri selbst gegangen, sondern darum, eine Protagonistin mit Kopftuch zu finden. Zwei Kolleginnen von der "MuslimGirl" seien ebenfalls angesprochen worden. Kassam räumt aber gleichzeitig ein, großen Respekt davor zu haben, was Tagouri in so kurzer Zeit bereits erreicht habe – auch wenn er ihre letzte Entscheidung aus ideologischen Gründen für falsch halte.

Selbst wenn der Zweck nicht alle Mittel heiligt, hat Tagouri doch ein wichtiges Ziel erreicht: Der Hidschab und der Wunsch danach, ihn selbstverständlich auch in der westlichen Welt tragen zu dürfen, sind durch sie ein großes Thema geworden. Als Vorreiterin für mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit dürfte sie damit muslimischen Frauen einen großen Dienst erwiesen haben.

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