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Modelinie: Justin ganz nah

Viele, zu viele Popstars achten mittlerweile auf ihre eigene Linie: Jetzt hat auch Justin Timberlake eine Jeans-Kollektion auf den Markt bringen lassen - Hosen für satte 300 Euro.

Von Cathrin Dobelmann

Sein Auftritt gleicht dem eines Boxers vor dem großen Kampf. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze betritt Justin Timberlake den Laden, hinter ihm ein Tross aus Managern und Bodyguards. Zum Beat eines HipHop-Songs lässt er die Schultern kreisen. Sein Blick ist nach vorn gerichtet, die Leute, die für ihn zur Seite treten, beachtet er kaum. Wäre die Düsseldorfer Edelboutique "Jades" eine Sportarena, man würde ihm glatt abnehmen, dass er gleich in den Ring steigen wird. Doch hier, zwischen Jeanshosen und Seidenblüschen, wirkt Timberlakes Einzug zu hochgestochen. Soll doch sein einziger Kampf an diesem Morgen darin bestehen, die 120 geladenen Gäste von seiner Modelinie "William Rast" zu überzeugen.

"Und der soll eine Stil-Ikone sein?"

Die Düsseldorfer verfolgen Timberlakes Auftritt mit sinkenden Mundwinkeln. Statt den Pop-Dandy zu mimen, präsentiert sich der US-Star wie ein schlaksig wirkender Teenager mit lässig herunter hängenden Hosen. Unter der Trainingsjacke trägt er ein einfaches Baumwoll-Shirt, an den Füßen Sneaker mit aufgedruckten Comic-Walen. "Und der soll eine Stil-Ikone sein?", tuscheln zwei blonde Frauen, beide bekleidet mit einer strassbesetzten Totenkopf-Jacke und großen Louis Vuitton-Taschen in den Händen.

"William Rast"

So als hätte Justin Timberlake ihre sezierenden Blicke wahrgenommen, zieht er die Kapuze vom Kopf. Er schaut sich um und lächelt schüchtern in die Runde. Doch bevor einer der Gäste auf die Idee kommen könnte, Timberlake anzusprechen, treten zwei untersetzte Männer auf ihn zu. Der dunkelhaarige mit der Tätowierung am Hals ist Trace Ayala, Timberlakes Freund und Co-Designer der nach ihren Großvätern benannten Linie "William Rast". Der andere heißt Reinhard Haase, Mitinhaber bei "Jades" und für den Vertrieb der Modelinie in Europa zuständig.

Sie umarmen sich wie alte Kumpels. "Hi, wie gäit's", fragt Timberlake auf Deutsch. Er legt den Arm um den einen Kopf kleineren Haase, der ihn und Ayala durch den Laden führt. Vor einem fünf Meter breiten und ebenso hohem Regal bleiben sie stehen. Hier liegt die William Rast-Kollektion gefaltet und gestapelt, in allen erdenklichen Waschungen und Schnitten. Die beiden Amerikaner, die ihre Kollektion bislang noch in keiner der immerhin schon 25 Verkaufsstellen gesehen haben, nicken Haase anerkennend zu.

Ein Erinnerungsfoto mit dem Popstar

Und dann beginnt für Justin Timberlake der unangenehme Teil des Events. Die Gäste, die nicht nur zum Gucken eingeladen wurden, dürfen sich an den Popstar ranschmeißen und sich mit ihm fotografieren lassen. Vor einer Wand, die mit dem "William Rast"-Schriftzug dekoriert ist, posiert er nun mit der "Jades"-Kundschaft.

Auch Verona Pooth gehört dazu. Die Moderatorin schmiegt sich für ihr Erinnerungsfoto ganz nah an den Popstar.

Irgendwann hat Timberlake keine Lust mehr. Nervös hält er nach seinem Management Ausschau. Sofort schieben sich die schrankförmigen Bodyguards vor ihren Schützling. Dass noch ein Interview auf ihn wartet, macht Timberlakes Laune nicht besser.