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Modetrends: Barbarella-Look aus einer fremden Galaxie

In der Modewelt geht es hoch her, so hoch, dass die Designer nach den Sternen greifen. Die kommende Saison wird von einem futuristischen Space-Look bestimmt, der glatt mit der Enterprise geliefert werden könnte.

Die Mode beruhigt sich nicht. Und damit ist die Prognose vieler Trend-Experten der vergangenen Saison schon wieder null und nichtig. Von "neuem Purismus", und "Understatement" war die Rede gewesen. Natürlich entsprechen auch einige der derzeit noch aktuellen Winter-Kollektionen der Damenmode dieser Ansage: die Entwürfe von Miuccia Prada, die Mittelalter und Moderne in großer Klarheit vereinen, etwa. Oder die viel umjubelte "neue Strenge", die Raf Simons seinen Entwürfen für Jil Sander verordnet hatte: graues Wollkleid, Damensmoking, weiße Bluse. "Niemand möchte wie ein Weihnachtsbaum aussehen", hatte die avantgardistische und hoch talentierte Belgierin Véronique Branquinho diese Saison kommentiert. Der Glamour-Look, für den Namen wie Paris Hilton standen, schien am Ende. Doch nun erglänzt alles wieder. Zwar nicht üppig-dekorativ wie bei Christbaumkugeln, sondern eher metallisch-futuristisch, ja, "spacig".

Provokante Weltraummode

Als "extrem effektorientiert" oder "provokant" bezeichneten führende deutsche Modejournalistinnen bei einer Umfrage des Branchenblatts "Textilwirtschaft" kürzlich die neue Richtung. Kaum eine glaubt noch an eine Beruhigung. "Goldene Roboterleggings", "Barbarella-Korsagen" und "Micro-Mini" lauteten die Stichworte der Expertinnen. All dies findet sich im neuen Weltraum-Look wieder. Cyberspace war eines der wichtigsten Themen bei den Modenschauen für Frühjahr/Sommer 2007.

Als zukunftsweisend in Sachen Futurismus dürften vor allem die Kollektionen von Balenciaga, Hussein Chalayan oder Lanvin gelten. Metallisch glänzende superschmale Hosen, kastenförmige Jacken und riesige Brillen ließen die Mädchen bei Nicolas Ghesquières Schau für Balenciaga in Paris wie Roboter aussehen. Auch bei Chalayan erschienen die Models in ihren kurzen Kleidern mit Metall-Effekten oder geometrisch aufgebrachten Stoffbahnen als Mischung aus Mensch und Maschine und dennoch ungemein attraktiv. Alber Elbaz' kurze Kleider in schillernder Nassoptik für Lanvin hätten auch der stets im Mini auftretenden Lieutenant Uhura aus "Raumschiff Enterprise" gut zu Gesicht gestanden.

Back to the roots

Viele der "galaktischen" Entwürfe erinnern an den Astronauten- Look, den der Designer André Courrèges in den 60er Jahren lancierte. Damit ist man bei einem weiteren wichtigen Trend des kommenden Frühjahrs: Die Sixties sind wieder da. Ob Chloé, Versace, Burberry oder Malo: Zahlreiche Designer beschwören das Jahrzehnt des "Swinging London" mit Trapezkleidern, grafischen Mustern sowie Schwarz-Weiß- Kontrasten. Und natürlich dem Minirock: Am kürzesten brachte ihn wahrscheinlich Karl Lagerfeld für Chanel in Paris. Auch seine Paillettenshorts bedecken nur knapp den Po. Dafür sind die passenden Tweedjacken so sauber und präzise gearbeitet, dass es trotzdem "stadtfein" wirkt.

Farblich geht es in der kommenden Saison hell und freundlich zu mit Weiß, Beige und Naturtönen. Daneben gibt es Knallfarben wie Grasgrün, Zitronengelb oder Orange. Diesen Trend können viele Frauen - zumindest dosiert - aufgreifen. Wer dagegen die Mini-Welle mitmachen will, sollte vielleicht jetzt schon mal mit dem Joggen anfangen. Gut, dass Modebewusste eh im Training sind. Top-Beine brauchten sie ja schon für diesen Winter, für die angesagten Leggings, die auch bei den Schauen zumindest im Publikum das Bild bestimmten.

DPA / DPA