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Schuhdesigner der neuen Generation: Das sind die angesagten Schuhe

Total verspielt, sehr hoch und trotzdem bequem oder skulpturales Design - die neue Generation Schuhdesigner bricht mit Regeln und hat so Erfolg. Wir stellen sie und ihre Werke vor.

Von Anna Sophie Eblinger

Jeder hat einmal klein angefangen. Bevor Carrie Bradshaw in der Serie "Sex and the City" lieber ihr Portemonnaie als ihre Manolos einem Dieb geben wollte, war auch Manuel Blahnik Rodríguez unbekannt. Und auch Christian Louboutin musste erst mal entdeckt werden. Doch sie gehören bereits zur alten Garde - längst hat sich eine neue Generation gebildet, neue Designer, die mit Regeln brechen, etwas schaffen wollen, das es noch nie gab. Und damit Erfolg haben. Wir stellen vier neue Schuhdesigner und ihre Kreationen vor.

Er erschafft Schuhe, in denen man tagelang ohne Schmerzen laufen kann: Edgardo Osorio

Er erschafft Schuhe, in denen man tagelang ohne Schmerzen laufen kann: Edgardo Osorio

Aquazzura - sehr hoch und sehr bequem

Wie lange es wohl dauert mit einem Start-Up richtig erfolgreich zu werden? Fünf Jahre? Vielleicht auch zehn? Tja, bei Edgardo Osorio, dem Designer von Aquazzura, waren es nur 90 Sekunden. So lange hat es gedauert, bis die Stylistin Giovanna Battaglia seinen Showroom während der Fashion Week verließ und das erste Mal in seinen Schuhen fotografiert wurde. Sie erzählt, dass sie in flachen Schuhen zu seinem Showroom gekommen sei und wegen ihrer ramponierten Füße gejammert habe. Dort probierte sie dann den Sexy Thing Bootie und behielt ihn für den Rest der Schauen an. "Sie wurde so oft darin fotografiert, dass wir innerhalb von 90 Sekunden ein internationales Unternehmen wurden", sagt Osorio.

Der Ruhm kommt nicht unverdient: Seine Schuhe tragen sich wirklich so angenehm, dass man während der ganzen Fashion-Week darin laufen kann. "Ich will Schuhe machen, die bequem und schön sind. Die man anziehen kann, ohne sich den Kopf zu zerbrechen", sagt er. Und das funktioniert durch einen Schicht-Memory-Schaum, der zur Druckentlassung des Fußes beiträgt und Wildleder, das zur Herstellung verwendet wird – so werden die Schuhe weich und leicht. Mal sehen wie lange sich dieser Hype bei Aquazzura hält, aber zum Glück hat Osorio schon die nächste schöne Frau auf seiner Seite – mit It-Girl und Modebloggerin Olivia Palermo bringt er gerade eine Kollektion auf den Markt.

Ein Aquazzura-Schuh: hübsch, hoch - und bequem.

Ein Aquazzura-Schuh: hübsch, hoch - und bequem.

Der Brite, der die Schuhwelt veränderte: Nicholas Kirkwood

Der Brite, der die Schuhwelt veränderte: Nicholas Kirkwood

Nicholas Kirkwood - erfolgreich mit gewagten Designs

Gute Schuhe kommen aus Italien und Großbritannien versteht sich nur auf Regenmäntel? Weit gefehlt, wie Nicholas Kirkwood zeigt. Seit zehn Jahren im Geschäft und schon längst kein unbekannter Name mehr. Sogar so erfolgreich, dass LVMH, einer der größten Modekonzerne, Anteile an seinem Unternehmen erwarb.

Großbritannien gilt zurzeit als eine der kreativsten Szenen weltweit - natürlich nicht nur durch Kirkwood, sondern auch durch Vivienne Westwood, Burberry, Victoria Beckham und noch vielen mehr. Und wie wird man ein Aushängeschild der britischen Mode? Wie so viele andere studierte auch Nicholas Kirkwood am Central Saint Martins und lernte die Schusterkunst im Cordwainers College. Seine Marke gründete er 2004 und bekam sofort viel Aufmerksamkeit wegen seiner skulpturalen Designs - er kreierte Schuhe, wie man sie bisher noch nicht gesehen hatte.

Sophia Webster war früher die Assistentin von Nicholas Kirkwood - jetzt ist sie selbst erfolgreich

Sophia Webster war früher die Assistentin von Nicholas Kirkwood - jetzt ist sie selbst erfolgreich

Sophia Webster - verspielt und bunt

Sophia Webster ist ein wandelndes Mädchen-Klischee - sie steht auf Trash-TV, liebt die Farbe Pink und ihre Inspiration ist Paris Hilton. Kann man so eine Frau ernst nehmen? Anscheinend schon, wenn es um Schuhe geht - ansonsten wäre ihr Urteilsvermögen doch etwas in Frage zu stellen. "Es geschieht ja alles mit Augenzwinkern. Ich habe einfach Spaß an dem, was ich mache. Über das, was die Leute dazu sagen, mach ich mir keine Gedanken", sagt die Londonerin. Und mit dieser Schiene fährt sie seit ihrer ersten Kollektion, die im Frühjahr 2013 auf den Markt kam, sehr gut. Denn seitdem räumt sie Preise wie den British Fashion Award ab und gewinnt Stars wie Rita Ora und Anna della Russo für sich. Und warum? Weil sie keine Schuhe, sondern Spielzeug für Frauen und Süßigkeiten verkauft. Ihre Pumps verziert sie mit Schmetterlingen, Wolken, Federn und Perlen, in allen möglichen Farben.

Die ehemalige Assistentin von Nicholas Kirkwood weiß, wie man das kleine Mädchen in der erwachsenen Frau anspricht und das mit großen Erfolg: Seit 2013 haben sie die größten Einzelhändlern im Business unter Vertrag genommen, net-a-porter.com, Dover Street Market und Harvey Nichols. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie den Stil ihrer Schuhe auch selber lebt. "Wir haben schon ziemlich viel pinkfarbenes Zeugs bei uns zu Hause rumstehen", sagt ihr Ehemann Bobby Stockley, der sich um den Businesspart des Unternehmens kümmert.

"Rousseau Jungle" heißt dieser Schuh von Sophia Webster

"Rousseau Jungle" heißt dieser Schuh von Sophia Webster

Von der reichen Tochter zur erfolgreichen Schuhdesignerin: Charlotte Olympia-Dellal

Von der reichen Tochter zur erfolgreichen Schuhdesignerin: Charlotte Olympia-Dellal

Charlotte Olympia - die mit dem Spinnennetz

Charlotte Olympia-Dellal hat den Glamour schlichtweg in die Wiege gelegt bekommen. Was anderes war auch gar nicht zu erwarten von der Tochter des Immobilienmagnaten Guy und seiner Frau Andrea, ein brasilianisches Ex-Model. Das Vermögen der Familie kommt von ihrem Großvater Jack, auch Black Jack genannt. Die Immobilien-Firma, die er aufgebaut hat, hatte 2009 einen Marktwert von 480 Millionen Pfund. Tja, und was macht man nun als reiche, gelangweilte Tochter einer solchen Familie? Ihr Bruder Alexander ging in die Kunstbranche, wurde Kurator und ihre Schwester Alice, hat ihr den Job als Model schon mal vorweg genommen. Da wäre danach wohl das Naheliegenste: Designerin. Und das wurde sie schließlich auch. Und gründete 2008 ihr Label Charlotte Olympia. 2010 eröffnete sie erste Läden - mittlerweile hat sie welche in London, New York, Miami, Hongkong und Dubai.

Es läuft anscheinend ganz gut bei der Frau, die von ihrer Mutter schon seit Kindesalter auf alle möglichen Fashion-Shows mitgenommen wurde. Zu den guten Kontakten kommt das Entscheidende: Sie hat Talent. Ihr Markenzeichen sind die Dolly-Plattform-Heels: Pumps mit 15 Zentimenter hohen Absätzen und leicht abgeschrägtem Plateau außerdem das Spinnennetz auf deren Sohlen - als Hommage an ihr liebstes Kinderbuch "Wilbur und Charlotte" von E. B. White.

Ganz typisch für Charlotte Olympia: das leicht abgeschrägte Plateau

Ganz typisch für Charlotte Olympia: das leicht abgeschrägte Plateau

Mehr über die Schuhmode im Herbst finden Sie im aktuellen stern ab Seite 136