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Ihre Karriere begann auf Isomatten. Inzwischen haben sie für Brad Pitt gebaut, richten Designhotels ein: Drei junge Deutsche zählen zur weltweiten Architektur-Avantgarde.

Das Abenteuer begann auf ein paar Isomatten. Die jungen deutschen Architekten Thomas Willemeit, Lars Krückeberg und Wolfram Putz hatten sich nach Los Angeles aufgemacht, um dort 1998 ihr erstes Büro zu eröffnen. Sie waren frisch von der Universität gekommen, hatten ein paar Praktika absolviert, etwa bei Daniel Libeskind, und sie hielten sich bereit: für die ersten Aufträge, "Schwarzbrot", wie sie es heute nennen, winzige Start-ups in kleinen Vororten.

Und weil sie kaum Geld verdienten

mit diesen Jobs, schliefen sie nachts dort, wo sie tagsüber arbeiteten: im Büro, auf der Isomatte unter dem Schreibtisch. Inzwischen haben sie einen Ruf erlangt, um den die allermeisten ihrer jungen Kollegen sie beneiden. Willemeit, 37, Krückeberg, 38, und Putz, 37, gehören zu den Lieblingsarchitekten der Prominenz von Hollywood. Was einen einfachen Grund hat: Ende der Neunziger übernahm "Graft", so der Name ihres Büros, mal wieder einen Schwarzbrot-Job, Kleinkram auf einer Baustelle des Schauspielers Brad Pitt.

Sie kamen mit dem Bauherrn ins Gespräch, merkten, dass sie ähnliche Detailfragen umtrieben, nämlich: Wie soll sich eine Türklinke anfühlen? Welche Farbe darf der Teppich haben? "Wir mögen es, alle Ideen auf einen Tisch zu werfen", sagt Wolfram Putz, "das ist dann wie schnelles Tennis." Pitt und Graft erwiesen sich als gute Tennispartner, sie schlugen einander die Einfälle wie schnelle Vorhand-Returns um die Ohren.

Der Schauspieler nahm die jungen Architekten so ernst wie sie ihn. Es folgte der Auftrag, der alles änderte: Der Hollywood-Mann bat die Deutschen, ihm ein Studio zu bauen, einen Platz zum Arbeiten, Malen und Töpfern. Alle Möbel, so die Idee, sollen in den Raumteilern verschwinden können. Es sind Einfälle wie diese, welche zum Markenzeichen von Graft werden: "Wir schöpfen aus dem Chaos unserer Gedanken", sagt Thomas Willemeit, "das kostet zwar Geld und Zeit und ist daher reiner Luxus, der in der Architektur nicht üblich ist."

Aber nicht üblich

sind eben auch die Lösungen, die sie auf diesem Wege aufspüren. Das macht sie attraktiv für Auftraggeber, die sich abheben wollen von der Norm. In dem Berliner Designhotel "Q!" haben sie in das schmale Erdgeschoss eine weinrote Welle gebaut, um den Raum senkrecht und horizontal zu teilen und ihn so zum Schwingen zu bringen. In den Gästezimmern steht die Badewanne direkt neben dem Bett, Begründung: So kann man beim Baden fernsehen. Die Schauspielerin Drew Barrymore soll vor Begeisterung über das "Q!" einen Schrei ausgestoßen haben.

Mittlerweile haben die Graft-Männer ihre Zentrale nach Berlin-Mitte verlegt, in eine Etage eines Plattenbaus. Nichts wirkt endgültig in diesen Räumen, alles vorläufig, so als könnte es morgen an einem anderen Ort weitergehen. Etwa in Peking: Dort steht nach Los Angeles die dritte Dependance von Graft. Gerade beaufsichtigen die Architekten den Umbau einer alten Fabrik in Shanghai zu einem Medienzentrum. "China ist wie die deutsche Wiedervereinigung hoch drei", so Lars Krückeberg. "Hier paaren sich Abenteuerlust und Größenwahn."

Graft wird dabei sein: Das Trio hat sich als Erstes Fahrräder und Campingtische gekauft. Mehr braucht es nicht für ein neues Abenteuer.

Oliver Creutz print

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