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Massaker in Kenia 200.000 Euro Kopfgeld auf Shabaab-Kommandeur ausgesetzt


Nach dem Massaker mit 148 Toten in einer Universität in Kenia droht die Al-Shabaab-Miliz mit weiterer Gewalt. Der Drahtzieher des Massakers wird nun gejagt.

Er gilt als höflich, ruhig und gebildet, ist aber zugleich einer der meist gefürchteten Kommandeure der somalischen Shebaab-Miliz. Nun wurde der frühere Lehrer Mohammed Mohamud von der kenianischen Polizei als mutmaßlicher Drahtzieher des Massakers an der Universität von Garissa identifiziert, bei dem am Donnerstag 148 Menschen ermordet wurden. Für die Ergreifung des flüchtigen Islamisten, der auch als Mohammed Kuno, Duljadin oder Gamadhere bekannt ist - was soviel wie "der Beidhändige" bedeutet - wurden umgerechnet 200.000 Euro ausgesetzt.

Mohamud wurde angeblich in Äthiopien geboren, ist aber ein ethnischer Somali mit kenianischer Nationalität - wie mehr als zwei Millionen Kenianer oder rund sechs Prozent der Bevölkerung des ostafrikanischen Staates. Die Minderheit lebt überwiegend im verarmten und lange Zeit vernachlässigten Nordosten. Garissa ist eine der größten Städte der Region. Nach Ansicht der somalischen Shebaab-Miliz gehört das Gebiet zum benachbarten Somalia.

An dem Angriff auf die Hochschule am Donnerstag nahm Mohamud nach derzeitigen Erkenntnissen selbst nicht teil. Nach Schilderungen von Überlebenden hatten die mindestens vier Extremisten, die sich durch das Zünden von Sprengstoffwesten dem Zugriff durch die Soldaten entzogen, aber den gleichen Hintergrund wie der einstige Lehrer Mohamud: Sie sprachen kenianisches Swahili und stammten wohl ebenfalls aus Kenia.

Besonnen, gebildet, radikal

Auf Fotos von Mohamud ist ein schlanker Mann mit kurzem Bart zu sehen. Er soll Ende 50 sein und dem mächtigen Stamm der Ogaden angehören, der die Region kontrolliert, wo Somalia, Kenia und Äthiopien zusammentreffen. Nach Polizeiangaben unterrichtete er früher in einer muslimischen Schule in Garissa, übernahm dann die Leitung der Madrassa, bevor er sich radikalisierte und dem Shabaab-Vorläufer Union der islamischen Gerichte in Somalia anschloss.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP, der ihn 2008 und 2009 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu interviewte, beschrieb ihn als besonnen und gebildet. Mohamud kommandierte damals eine der gefürchtetsten Shabaab-Einheiten in Somalias Hauptstadt. Er tauchte auch in Propaganda-Filmen auf und gehörte einer Miliz im Süden Somalias an.

Als die Shabaab-Miliz durch die Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Somalia immer weiter zurückgedrängt wurde, weitete die mit Al-Kaida verbündete Miliz ihre Kampfzone auf Kenia aus. Die kenianische Polizei sucht Mohamud wegen mehrerer Morde und Massaker im Grenzgebiet. So bekannte sich die Shabaab-Miliz zu einem Anschlag im November auf einen Bus, bei dem 28 Reisende getötet wurden. Muslimische Passagiere wurden von den Extremisten verschont - wie am Donnerstag beim Angriff auf die Universität in Garissa.

Leichen der Attentäter zur Schau gestellt

Derweil hat die Polizei die nackten Leichen der vier Attentäter öffentlich vorgeführt. Hunderte Einwohner sahen zu, wie die Polizei die auf dem Gesicht liegenden Leichen auf einem Pickup durch die Straßen fuhr. Einige warfen Steine auf die Leichen, andere schrien und fluchten, während das Fahrzeug vorüberfuhr.

Der örtliche Polizeichef Benjamin Ongombe rechtfertigte die öffentliche Vorführung der Leichen. Sie habe der Identifizierung der Täter dienen sollen, sagte Ongombe. Etliche Zuschauer äußerten aber ihre Abscheu über die Zurschaustellung der Leichen. "Die Körper von Verstorbenen zu bringen, ob es Terroristen sind oder nicht, und sie nackt durch die Straßen zu fahren, wird Terroristen nur anstacheln, beim nächsten Angriff mit mehr Hass zu handeln", sagte Abdi Hussein. "Es ist gegen die Menschlichkeit, nackte Leichen zur Schau zu stellen."

jen/AFP AFP

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