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Fotos am Mahnmal: "Yolocaust": Wenn Selfies problematisch werden

Ein Comedian photoshopt Mahnmal-Selfies mitten ins KZ - und regt zum Nachdenken an.

Ganz ehrlich: Wenn man sehr tief auf all euren Festplatten, Laptops und alten Handys graben würde - wie viele Selfies vor dem Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas würde man finden?

Wart ihr jung? Wusstet ihr es nicht besser? Oder fandet ihr die grauen Quader einfach ästhetisch schmeichelnd? Egal aus welchem Grund ihr den Auslöser betätigt habt: Ihr seid damit nicht allein.

Schon 2013 schrieb Vice über den seltsamen Trend der Mahnmal-Selfies, ein Jahr später auch darüber, diese als Tinder-Profilbild zu benutzen. Dabei bekommt ihr aus unerklärlichen Gründen irgendwie ein komisches Gefühl in der Magengegend? Auch damit seid ihr nicht alleine. 

Shahak Shapira, Berliner Comedian mit israelischen Wurzeln, beobachtet den Selfie-Trend seit einiger Zeit aus nächster Nähe - und schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite folgendes:

"Ich habe in den letzten Jahren ein interessantes Phänomen am Holocaust-Mahnmal beobachtet: viele Menschen verwenden das Denkmal als eine Kulisse für ihre Profilfotos auf Facebook, Instagram, Tinder oder Grindr.

Ich habe diese Selfies genommen und sie mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern kombiniert. Das Ergebnis könnt ihr euch auf www.yolocaust.de anschauen. Dieses Projekt widme ich meinem Lieblings-Neonazi, Bernd Höcke."

Nein, die URL ist kein Scherz. Auf yolocaust.de findet sich wohl der bisher beißendste, treffendste Kommentar zu lachenden Selfies vor Gedenkstätten für Tote - und Shapira muss dafür kaum etwas schreiben. Die Bilder und ihre gephotoshopten Gegenparts sagen in diesem Fall alles. 

Wer sich auf einem davon entdeckt und es nicht auf der Webseite haben möchte, kann übrigens an die Email undouche.me@yolocaust.de schreiben. Wer auf keinem der Fotos ist, aber es sein könnte, denkt nach Aufrufen der Seite hoffentlich ein bisschen darüber nach, wie cool oder nötig das Holocaust-Selfie wirklich ist.