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Medienkritik: Fakten statt Fake-News

Populistische Websites nutzen Falschmeldungen gezielt zur Meinungsmache. Auch Donald Trump legte im US-Wahlkampf falsche Fährten. Jetzt schließen sich Medienmacher, Tekkies und Kreative zusammen, um Fakten zu schaffen und Hass zu zerstreuen.

Neben zahlreichen Prominenten starb 2016 auch das Vertrauen in unsere Nachrichten. Ein gewisser Donald Trump benutzte News-Meldungen die nachweislich falsch waren für seinen Wahlkampf. Und wir alle wissen, wie der ausging.

In engem Zusammenhang damit fällt immer wieder der Name Breitbart News. Breitbart ist ein US-amerikanisches Newsportal, das mittlerweile ein wichtiger Multiplikator rechtskonservativer Meinung geworden ist. Donald Trumps Chefstratege im Wahlkampf war übrigens Breitbarts ehemaliger Vordenker Stephen Bannon. Nach Trumps Vereidigung wird Bannon dem amerikanischen Präsident als ranghöchster Berater zur Hand gehen.

In Sachen Meinungsmacher ist Breitbart ein Big Player

Laut eigenen Angaben hat das Portal 45 Millionen Leser im Monat. Bei Facebook sind es über 3 Millionen Likes. Wer überzeugter Breitbart-Fan und stolzer Amerikaner ist, der kann seine Liebe zum Rechtspopulismus auch in mit der hauseigenen Mode- und Accessoire-Kollektion ausdrücken. Besonders hervorzuheben ist der "Schützt unsere Grenzen"-Dosenkühler.


Breitbart News filetiert reale Ereignisse und würzt sie mit einer Mischung aus Hass und Angstmache. Heraus kommen News, gefüllt mit rechter Fiktion. Dabei schauen die Macher auch über den US-amerikanischen Tellerrand hinaus.

Breitbart über Dortmund

Bei einem Polizei-Einsatz in der Silvesternacht in Dortmund berichtete das Newsportal, dass ein 1000-Mann-Starker Mob die Polizei attackierte, Dortmunds älteste Kirche in Brand steckte und Feuerwerkskörper auf Frauen und Kinder warfen. Dabei beruft sich Breitbart auf die Berichterstattung der Lokalzeitung „Ruhr Nachrichten“. 

Tatsächlich schrieben die „Ruhr Nachrichten“: „Ruhr Nachrichten“: „Zwischen etwa 18.45 und 23.30 Uhr zogen überwiegend junge ausländische Männer in großen und kleinen Gruppen durch die Innenstadt. Am Platz von Leeds bildeten sie eine große Gruppe, bestehend aus mindestens 1000 Menschen. Pyrotechnik wurde in die Menschenmenge und auf Polizisten geworfen. Am Hauptbahnhof feuerte ein Unbekannter eine Silvesterrakete auf einen Obdachlosen ab und verletzte ihn schwer. Von der Kleppingstraße aus musste die Feuerwehr ein brennendes Bauzaun-Fangnetz an der Reinoldikirche löschen. Sexuelle Übergriffe wie vor einem Jahr in Köln gab es nicht.“

Breitbart News hat bereits Zweigstellen in London und Jerusalem gegründet. Ein deutscher und ein französischer Ableger sollen nach eigenen Angaben folgen. In diesem Fall wäre es nett, wenn es sich um eine Falschmeldung handeln würde.

Postfaktische Neuigkeiten

Spätestens seit „Postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gewählt wurde, hat die Diskussion über gezielte Falschmeldungen auch Deutschland erreicht, vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr die Bundestagswahl ansteht. 

Der Publizist und Onlineberater Christoph Kappes möchte dem entgegenwirken. Das Projekt trägt den Arbeitstitel „Schmalbart“ und soll die Verbreitung von Fake-News verhindern. Dem Deutschlandfunk gegenüber sagte Kappes, dass er „Schmalbart“ eine Art Faktendatenbank aufbauen will. Kurze, sorgfältig recherchierte Tatsachen, die jeder versteht, sollen Volksverhetzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit jeder Art bekämpfen.

Für die Initiative wird es besonders wichtig, dass „Schmalbart“-Content auch zu den Leuten vordringt, deren Filterbubbles schon von Breitbart und seinen geistigen Brüdern besetzt wurden. Genau in diese Filterbubbles muss „Schmalbart“ Glaubwürdigkeit bringen, damit der Begriff „Schmalbart“ nicht bald in einem Atemzug mit „Gutmensch“ und „Lügenpresse“ genannte wird.

Am 14.1 traf sich die Initiative zum ersten Mal im Betahaus-Berlin. Wer Interesse an Kampf gegen Fakenews hat, sollte gelegentlich auf der „Schmalbart“-Webseite vorbeischauen, dem Twitter-Account des Projekts folgen und (ganz wichtig) Newsmeldungen hinterfragen