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Team Pacey oder Team Dawson?: 20 Jahre "Dawson's Creek": Schon mal fürs Erwachsenwerden all diese Gefühle üben

Kitsch, Herzschmerz und ganz große Gefühle: Vor 20 Jahren kam die US-Jugendserie "Dawson's Creek" ins Fernsehen. Mit James van der Beek, Katie Holmes & Co. mitgelitten hat damals Wiebke Tomescheit. Eine Würdigung.

Die Hauptdarsteller der Serie "Dawson's Creek" auf einem Promo-Bild

In trauter Viersamkeit: Jen (Michelle Williams), Pacey (Joshua Jackson), Dawson (James van der Beek) und Joey (Katie Holmes)

Die Serie war eigentlich schon Nostalgie, als sie frisch ins Fernsehen kam: "Dawson's Creek" startete vor 20 Jahren in den USA, und viele von uns dürfen sich jetzt wieder mal so richtig schön alt fühlen. Ungefähr so alt wie Schauspieler James van der Beek damals: Der Mann mit der blonden Surfer-Matte war bereits 21, als er die Rolle des 16-jährigen Träumers aus der kleinen US-Ostküstenstadt Capeside antrat. Er spielte Dawson Leery, einen Filmfan, der besonders die alten Schinken von Steven Spielberg abfeierte.

Das Liebes-Wirrwarr zwischen Dawson, Jen (Michelle Williams), Pacey (Joshua Jackson) und Joey (Katie Holmes), das sich über sechs Staffeln bis 2003 erstrecken sollte, lockte auch hierzulande jede Woche zahllose Pubertierende vor den Fernseher und ließ sie sehnsüchtig seufzen. So kuschelig und gefühlsduselig wie das Leben in Capeside war der eigene Alltag irgendwie nicht, dachte man sich, während man in Adidas-Knopfhosen und Buffalos vor dem TV-Gerät lümmelte.

Team Pacey oder Team Dawson?

Was in den insgesamt sechs Staffeln passiert? Eigentlich nichts. Die Handlung entspinnt sich fast die gesamte Zeit ausschließlich zwischen den vier Freunden und ihrem engen Familien- und Bekanntenkreis. Am Ende hatte deshalb ungefähr jeder mal was mit jedem und die Fans bildeten schon in Pre-Hashtag-Zeiten #teamdawson und #teampacey, um ihr favorisiertes Traumpaar anzufeuern. Worum es also geht? Um Gefühle. Ums Erwachsenwerden.

Und so eine Freundschaft wie die zwischen Joey und Dawson, die hätten wir doch alle gern gehabt. Jederzeit über die Leiter durchs Zimmerfenster des anderen klettern können, über alles reden, stumpfe Horrorfilme auf VHS gucken. Nur, dass natürlich kaum jemand den fast schon anstrengenden Anstand des idealistischen Dawson Leery gehabt hätte, der seine verzehrende Liebe für die brünette Nachbarstochter so lange für sich behält.

Alles wirkte so sauber und überschaubar

In dieser herrlich überschaubaren Welt aus Licht und Wasser, die irgendwie immer nach frischgewaschener Wäsche duftet, ist Pacey mit seinen putzigen Schülerstreichen direkt der Bad Boy, und die blonde Sexbombe Jen wurde von ihren Eltern gar aus New York zu ihrer Oma nach Capeside verbannt, weil sie – was eigentlich? – im zarten Alter von 16 schon ein Bier getrunken und einen Jungen geküsst hatte? Verkauft wird sie jedenfalls wie eine abgestürzte Heroin-Prostituierte.

So idyllisch sowohl die Moral als auch die Landschaft in "Dawson's Creek" wirken – man muss anerkennen, dass sich relativ furchtlos mit gesellschaftlichen Problemen auseinandergesetzt wurde. Die vier Freunde stammen alle aus kaputten Familien, jede hat auf eine andere Art einen Knacks. Joeys Vater sitzt im Knast, Dawsons Mutter betrügt den Vater. Die Jugendlichen müssen damit klarkommen, sind zu großen Teilen auf sich alleine gestellt.

Die Freunde Dawson und Pacey in einer Szene der Serie "Dawson's Creek"

Unterschiedliche Charaktere, beste Freunde: Dawson und Pacey

Und dann stoßen die Geschwister Andie (Meredith Monroe) und Jack (Kerr Smith) zur Clicque. Jack erkennt, dass er schwul ist, und Andie muss sich ihren psychischen Problemen stellen. Probleme, liebe Facebook-Hater, die also nicht erst 2017 erfunden wurden, sondern vor 20 Jahren schon eine Rolle im Jugendfernsehen spielten.

Eine entscheidende Rolle spielte auch der Soundtrack

Zum Feeling der Serie trug neben den schönen Bildern auch der wirklich gute Soundtrack bei, den mir damals eine Freundin auf Kassette (ja Kinder, damals hatten wir alle noch einen Walkman) überspielt hatte und der mich durch ein paar gefühlsmäßig harte Zeiten begleitete. Wer den Herzschmerz-Kitsch-Overload will, dem sei beispielsweise der Track "Ready For A Fall" von PJ Olsson ans Herz gelegt.

Auch die deutsche Band Hyperchild hatte es seinerzeit mit ihrem Cover-Hit "Wonderful Life" auf den OST-Sampler geschafft. Für alle, denen das rein gar nichts sagt: Das war die Band des damals 17-jährigen Axel Bosse ("Schönste Zeit"), der heute solo die großen Hallen füllt. Er hat mir mal im Interview verraten, dass er damals dafür tatsächlich ein Poster mit den Original-Unterschriften der Hauptdarsteller geschickt bekam.

Schade eigentlich, dass das Genre der "Jugendserie" zumindest im linearen TV so völlig abhanden gekommen ist. "Dawson's Creek" wird für mich immer für diese Zeit stehen, in der man wirklich begreift, dass man erwachsen wird. Dass die Welt da draußen mehr beinhaltet als Schule und Familie. Und sie ließ einen schon mal testweise all die großen Gefühle für später üben. Schon, wenn ich heute noch mal den Titelsong höre, wird mir warm ums Herz.

PS: Es gibt viele Fun Facts rund um die Serie – nicht zuletzt, was aus den Hauptdarstellern wurde und dass der Serienerfinder Kevin Williamson eigentlich für Horrorfilme wie "Scream" bekannt ist. Aber die charmanteste Randinfo ist für mich, dass die Synchronsprecher von Pacey und Joey, Dennis Schmidt-Foß und Dascha Lehmann, sich während der Arbeiten an der Serie kennenlernten und 2001 heirateten. #teampacey

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wt