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Blamage: Wie du dich nach einem Party-Absturz verhalten solltest

Hast du auf der letzten Betriebsfeier ein bisschen arg tief ins Glas geschaut? Wer sich auf einer Feier zum Affen macht, hat am nächsten Tag ein Problem. Geschickte Post-Party-PR kann helfen.

Der Tag danach kann unangenehm sein. Nicht nur wegen der Kopfschmerzen.

Der Tag danach kann unangenehm sein. Nicht nur wegen der Kopfschmerzen.

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Dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 06/2011 und ist Teil unserer #BESTOFNEON-Reihe.

Vor etwa drei Jahren war ich auf einer Party in Hamburg eingeladen, und wenn ich an diesen Abend zurückdenke, dann vor allem an eines: Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sich die Mehrzahl aller Anwesenden auch heute noch an mich erinnern kann. Nicht etwa, weil ich besonders interessante Geschichten erzählt habe oder umwerfend aussah, vielleicht muss ich es anders ausdrücken: Ich hatte mich auf jener Party zum Affen gemacht. Irgendwann zwischen halb zwei Uhr in der Nacht und fünf Uhr früh, zwischen dem fünften und achten Gin Tonic, hatte ich mich in ein Feierbiest ohne Stoppknopf verwandelt. Leider kann ich mich nur noch an knapp zwei Drittel meiner Verwandlung erinnern. Den Rest versuchte ich die Tage danach zu rekonstruieren – was mir dank der höhnischen Telefonanrufe und Kantinengespräche gelang, die immer mit den gleichen Worten begannen: "Boah, warst du besoffen!" Als ob ich das nicht gewusst hätte!

Am Morgen nach der Party überkamen mich düstere Visionen wie in einem Horrorfilm

Was ich tatsächlich nicht mehr wusste, war, wie ich an besagtem Abend anscheinend jeden im Umkreis von drei Metern zuerst anrempelte und dann in den Arm nehmen wollte (inklusive Barkeeper), wie ich mich bei einem Phil-Collins-Lied auf einen Stuhl stellte und tanzte (allein, peinlich) und wie ich einem ziemlich prominenten Kollegen, den ich eigentlich überhaupt nicht leiden kann, spontan das "Du, jetzt komm schon" anbot – woraufhin sich dieser kopfschüttelnd von mir entfernte.

Das Schlimmste war: Die meisten Leute auf dieser Party kannte ich kaum, es waren Bekannte und Kollegen, mit denen ich bis dahin höchstens mal einen Halbsatz im Aufzug gewechselt hatte. Also Leute, die auch mich bis dahin eigentlich nur nüchtern kennengelernt hatten (wenn überhaupt) und die mich heute noch für einen Freak halten. Mit höllischen Kopfschmerzen, die auch nach der dritten Aspirin nicht besser wurden, fragte ich mich: Wie kann ich mich jemals wieder vor Menschen sehen lassen, vor denen ich getanzt habe wie Lady Gaga nach der dritten Zugabe?

Wer auf einer Betriebsfeier witzig wird, sollte am nächsten Tag besser schweigen

Es ist das Problem fast aller Betriebsfeiern und eigentlich auch aller Partys, auf denen mehr Fremde als Freunde anwesend sind. Sofern man gern feiert und nicht nur den ganzen Abend am Wasserglas nippt, muss man sich am nächsten Tag manchmal fragen: War ich peinlich, und wenn ja, wer hat es alles miterlebt? Und vor allem: Wie soll ich damit umgehen, wenn ich meinen Ruf ruiniert habe?

Einer, der das wissen muss, ist der PR-Fachmann Klaus Kocks. Der ehemalige Konzernsprecher von VW kennt sich mit miesen Images aus.

Früher war er sogar mal Sprecher der Betreiber der Kernkraftwerke in Deutschland, heute berät er hauptberuflich Prominente, die nach einem PR-Desaster (Seitensprung, Umfragetief, öffentlicher Nazivergleich) professionelle Hilfe suchen. Wen genau er berät, darüber spricht er nicht, Ratschläge für den Morgen nach der Party hat er trotzdem: "Für alle Situationen gilt: Nicht sofort entschuldigen! Ein souveränes Lächeln ist immer besser als die peinlichen Entschuldigungen, mit denen man sich automatisch verpflichtet, sich nächstes Mal anders zu verhalten", sagt Kocks.

Das Blödeste, was man machen kann: sich entschuldigen

Am besten spielt man sein Fehlverhalten also herunter, indem man stumm bleibt. So outet sich automatisch jeder, der nach einer Erklärung bohrt, als Spaßbremse. Das Blödeste, was man machen kann, ist, am Tag nach der Betriebsfeier die Türklinken der Kollegenbüros zu putzen und den reuigen Sünder zu geben. Noch peinlicher, als sich betrunken auf die Tanzfläche zu übergeben, ist nämlich nur eines: am nächsten Tag auch noch eine Begründung für den Vollrausch zu liefern. "Meine Großmutter ist krank/Mir geht es zurzeit nicht so gut/Normalerweise mache ich so was ja nicht" – in den meisten Fällen sind diese Ausflüchte nicht nur gelogen, sondern sie bewirken das Gegenteil: Die Gerüchteküche brodelt, und die anderen setzen die Mutation zum Party-Hulk in einen psychologischen Kontext. Also: Augen zu, Klappe halten und durch! Den Rest regelt das Vergessen.

Eine weitere erhebliche Gefahr des Post-Party-Verhaltens ist auch die Dementifalle: zu meinen, je kräftiger das Dementi, desto besser. Das heißt, wer sein Verhalten wortreich leugnet, macht sich erst recht verdächtig und gibt den anderen bloß noch mehr Stoff, der im schlechtesten Fall gegen einen verwendet wird. ("Ich kann gar nicht um Mitternacht auf dem Lautsprecher getanzt haben, ich war zu der Zeit mit Alex im Getränkekeller!")

Allerdings gibt es eine Ausnahme: Der Chef ist auf der Party dabei, und was ihm nach dem dritten Jägermeister an den Kopf geworfen wird, beginnt mit Worten, die grundsätzlich niemals auf einer Party fallen sollten: "Was ich Ihnen/dir schon immer mal sagen wollte ..." Im besten Fall folgt darauf ein (noch nicht mal ernst gemeintes) Kompliment, und man gilt als Schleimer und Taschenträger. Im schlimmsten Fall folgt eine (ernst gemeinte) Beleidigung, die man sich nur mit angetrunkenem Mut auszusprechen traut und nach dem Ausnüchtern bitter bereut. "Da würde ich dann tatsächlich eine Entschuldigung mit kleinstem Aufwand erwägen. Knapp und kurz", sagt Kocks. "Sagen Sie am nächsten Tag zu Ihrem Vorgesetzten: 'Ich entschuldige mich für mein Benehmen!'" Kein Wort mehr. Punkt. Wer sich betrinkt, betrinkt sich. Und wer saufen und am nächsten Tag trotzdem arbeiten kann, der muss sich auch nicht gleich Sorgen machen, dass ihm gekündigt wird.

Leider werden die Missgeschicke, die uns betrunken auf Partys passieren (Drinks umschütten, sich ausziehen, den Chef um eine Gehaltserhöhung bitten und dabei einen feinen Sprühnebel auf seinem Gesicht hinterlassen) heute oft dokumentiert, und montagmorgens findet man dann sein Foto auf Facebook hochgeladen – mit verschmiertem Lippenstift und Wasseraugen, neben einem Mann, der aussieht wie der Postbote (und es vielleicht auch ist).

Ich hasse Menschen, die eine Digitalkamera auf Partys mitnehmen. Was soll das bringen, wenn man nicht hinterher mit den Fotos als Erpresser Karriere machen möchte? "Versuchen Sie mit allen Mitteln, die Bilder aus dem Netz zu nehmen", rät PR-Mann Kocks. Zur Not mit Hilfe eines technikaffinen Hackerfreundes oder einer Computervirenattacke. Geht das nicht, tritt wieder das Entschuldigungsverbot in Kraft. "Keine Reaktion! Erwähnen Sie es nicht mal. Allgemein gilt: Es werden nur diejenigen mit einer jungen Geliebten oder beim Anpinkeln eines Gebäudes erwischt, die sich zuvor mit der Familie beim Kirchgang haben fotografieren lassen." Das bedeutet: Grundsätzlich sollte man Fotos verweigern und abtauchen, wenn irgendwo ein Blitzlicht flackert.

Niemals, wirklich niemals, sollte man seine peinlichen Partyfotos auf Facebook kommentieren.

Vielleicht ist das wie Löcherbohren in Gipswände: Je mehr man daran rumfummelt, desto größer wird das Loch – in diesem Fall die Peinlichkeit. Souverän ist nicht, sich mit witzigen Kommentaren über sich selbst lustig zu machen, sondern schweigend über die anderen, die nur halb so viel Spaß auf der Party hatten.

Und was passiert, wenn ich im Vollrausch fremdgeknutscht habe, etwa auf der Firmenfeier mit einem Kollegen? "Ich halte es für den größten Schwachsinn, nach Hause zu kommen und zum Partner zu sagen: 'Schatz, ich liebe dich, aber ich habe dich neulich betrogen'", sagt der PR-Mann Klaus Kocks. "Wer den Mut hat fremdzuknutschen, sollte auch den Mut haben, den Stress seiner Gewissensbisse auszuhalten." Aber egal, wie man die Sache zu Hause regelt, das nächste Zusammentreffen mit dem Menschen, der am Abend mit jedem Drink hübscher und heißer aussah, ist unangenehm. Was im Vollrausch noch kreativ, sexy und halb so schlimm scheint, wirkt in der Alltagstristesse nur noch notgeil oder unglücklich verliebt. Bereut man die Knutscherei und empfindet weiter nichts für den Partyflirt, empfiehlt Kocks "die klassische Morning-after-Rhetorik, man sagt: 'Vom jetzigen Standpunkt aus war das gestern wohl ein Fehler mit uns.' Das reicht, schließlich haben Sie die Person nicht beleidigt, sondern ihr mit der offensichtlichen Zuneigung ein Kompliment gemacht." Ist man tatsächlich verliebt, sollte man darüber schweigen – zumindest bis man ausgenüchtert und sich seiner Gefühle sicher ist.

Bei allem Peinlichkeitspotenzial, das Partys hergeben, und worüber auch immer man sich am Tag danach Gedanken macht: Jeder hat das Recht, hin und wieder richtig auszurasten – auch oder vielleicht besonders auf einer Betriebsfeier.

Eine ruhige Party ist nämlich keine Party.

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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.