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Avocado-Hype : Sieben Gründe, warum wir endlich weniger Avocados essen sollten

Der Avocado-Boom nimmt kein Ende. Von 2008 bis heute stieg die Anzahl der nach Deutschland importierten Avocados um mehr als 50.000 Tonnen Früchte an. Das schadet nicht nur unserer Umwelt. 

Eine aufgeschnittene Avocado liegt vor zwei weiteren Avocados

Es gibt viele Gründe, keine Avocados mehr zu essen, trotzdem nimmt der Boom kein Ende

AFP

Noch vor einigen Jahren hätte sich wohl kein Mensch erträumt, auf einer Avocado zu übernachten. Mittlerweile sieht das anders aus: Die Frucht ist dermaßen beliebt, dass es sie sogar als Kissen zu kaufen gibt. Millennials sind verrückt nach den Früchten, schmieren sie wie Butter auf ihre Brote. Von 2008 bis heute stieg die Anzahl der nach Deutschland importierten Avocados um mehr als 50.000 Tonnen Früchte an, wie das Statistik-Portal Statista aufzeigt.

Kein Wunder: Avocados gelten als Superfood. Sie sind reich an ungesättigten Fettsäuren sowie Kalium und sollen angeblich sogar vor Herzinfarkt und Krebs schützen. Der Avocado-Hype hält sich seit Jahren. Und das, obwohl die meisten Konsumenten mittlerweile wissen dürften, wie schlecht die Früchte für die Umwelt sind – und nicht nur das. Wer alles unter den Avocados zu leiden hat und warum Ärzte jetzt sogar verlangen, Sicherheitshinweise auf den Früchten anzubringen, zeigt dieser Überblick:  

1. Die Wälder in Mexiko leiden 

Besonders betroffen sind die Wälder in Mexiko. Mexiko ist das größte Anbauland für Avocados. Für Bauern ist es bei den steigenden Preisen sehr attraktiv, die Früchte anzubauen. Um Platz für noch mehr Avocado-Plantagen zu schaffen, holzen Agrarunternehmen deshalb illegal Bäume ab. Medien sprechen von "mafiösen Strukturen". Pro Jahr werden laut der mexikanischen Organisation Gira 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet. Unter den Folgen leiden einerseits Tiere, wie seltene Schmetterlingsarten, die gewöhnlich in den Wäldern überwintern. Andererseits trifft es aber auch Menschen, denn: 

2. Das Trinkwasser leidet 

Die intensive Landwirtschaft verschmutzt das Trinkwasser. Vor allem im größten Anbaugebiet Mexikos, in Michoacán, vermehren sich die Pestizide im Wasser. Hinzu kommt: Ein Kilogramm, das sind gerade einmal zweieinhalb Avocados, verbraucht ganze 1000 Liter Wasser. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Salat verbraucht nur 120 Liter. Dabei ist das Wasser, gerade in Ländern wie Mexiko, häufig knapp.

Der Sternekoch JP McMahon nennt Avocados deshalb sogar "die Blutdiamanten Mexikos". Der Ire hat die Früchte von all seinen Speisekarten gestrichen und verlangt das auch von anderen Restaurants. "Ich nutze sie nicht wegen ihrer Auswirkungen, die sie auf ihre Herkunftsländer haben – legale und illegale Abholzung in Chile, Gewalt und mafiöse Strukturen in Mexiko," sagte McMahon dem "Irish Independent". 

3. Dorfgemeinden leiden 

Die Abholzung der Wälder verändert auch die Dorfgemeinschaften, die in den betroffenen Gebieten bestehen. Etwa 80 Prozent der Wälder in Mexiko gehören sogenannten Ejidos. Die Bewohner verwalten ihr Land gemeinsam. "Wird das Land an mächtige Agrounternehmer verkauft, löst sich das soziale Gefüge auf“, warnt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. 

4. Die Umwelt leidet unter dem Avocado-Hype

Avocados wachsen nur in sehr warmen Ländern wie Brasilien, Chile, Spanien, Südafrika und Peru. LKW und Schiffe transportieren die Früchte nach Deutschland. Ehe sie verkauft und gegessen werden können, müssen sie anschließend auch noch in sogenannte Reifekammern, um nachzureifen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, werden sie dort mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Ethen besprüht. 

 5. Unser Schlaf könnte leiden 

Wenn wir abends Avocados essen, beeinflusst das angeblich unseren Schlaf. Das behauptet der britische Ernährungswissenschaftler Rob Honson zumindest. “Auberginen, Avocados, Nüsse und Sojasauce enthalten alle eine Aminosäure, die sich Tyramin nennt. Diese setzt ein Hormon frei, das das Gehirn stimuliert", sagte er der britischen "The Express". Die gesteigerte Aktivität des Gehirns könne dazu führen, dass wir uns nachts schlaflos im Bett wälzen. 

6. Unsere Gesundheit könnte leiden

Ja, Avocados sind gesund, aber nur, wenn sie vor dem Essen ausgiebig gewaschen werden. Eine zweijährige Studie der US-amerikanischen "Food and Drug Administration" hat herausgefunden, dass die Schale der Avocados von Bakterien befallen sein kann. In der Studie wurden 1614 Avocados untersucht. Bei 17 Prozent entdeckten die Forscher Listerien auf der Schale. Diese können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem schwere Infektionen, wie Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen, auslösen. An weniger als einem Prozent wurden sogar Salmonellen diagnostiziert. 

7. Unsere Hände könnten leiden 

Es mag lächerlich klingen, aber: Avocados zu schneiden ist tatsächlich gefährlich. So gefährlich, dass britische Ärzte jetzt davor warnen. Die Britische Gesellschaft plastischer Chirurgie verlangt, Sicherheitshinweise auf den Früchten zu platzieren.

Beim Hineinstechen lauert die Gefahr, auf den harten Kern der Frucht zu treffen. Die sogenannte Avocado-Hand droht. Betroffene rutschen ab, schneiden sich in die Hand und landen schlimmstenfalls sogar im Krankenhaus, wie die 46-jährige Melissa Norgart aus Florida. Sie schnitt sich beim Avocadoschneiden aus Versehen in den Nerv und in die Arterie ihrer Hand. "Es klang, als würde ein Killer jemanden in einem Horrorfilm abstechen", sagte sie der britischen Tageszeitung "Daily Mail". 

Der behandelnde Arzt Anup Patel sagte der Zeitung, in seine Praxis würden jedes Jahr etwa fünf bis zehn Menschen kommen, die sich beim Avocadoschneiden verletzen. Einige der Avocado-Opfer hätten dabei sogar ihre Finger verloren.

Dies ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Früchte ein bisschen zu Unrecht gehyped werden – auch wenn die Finger mit genügend Vorsicht hoffentlich in Zukunft bei allen unverletzt bleiben. 

"Life Hacks": Avocados entkernen für Angeber

Quellen: "Irish Independent", "Daily Mail", "The Express", Statista, dpa, FDA-Studie

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