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Backstage-Beichten: Hinter den Kulissen von "Friends": "Jennifer Aniston weinte in meinen Schoß"

Vor 25 Jahren mussten sechs junge Schauspieler bangen, ob der Sender die erste Staffel ihrer Sitcom wirklich kauft. Heute sind sie steinreiche Superstars. Wie "Friends" zur beliebtesten TV-Serie aller Zeiten wurde – erzählt in den Anekdoten der Nebendarsteller.

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"Friends"-Darsteller Matthew Perry, Courteney Cox, Matt LeBlanc, Lisa Kudrow, David Schwimmer, Jennifer Aniston (v. l. n. r.)

Picture Alliance

Sagt euch der Name Mitchell Whitfield etwas? Oder Jane Sibbett? Nein, stattdessen kennt ihr David Schwimmer. Und Jennifer Aniston. Aber es hätte nicht viel gefehlt – und die Fernsehgeschichte wäre anders verlaufen. Whitfield war ursprünglich für den Part des Ross in "Friends" vorgesehen. Und Sibbett sollte ebenfalls eine der Hauptrollen übernehmen.

Aber Whitfield wurde in letzter Minute ausgestochen, als es hieß: "Wir bringen noch einen weiteren Typen zum Vorsprechen." Der Typ war Schwimmer. Und Sibbett war schwanger, und weil sie das entgegen des Ratschlags ihres Agenten vor den Produzenten nicht geheim halten wollte, bekam sie die Hauptrolle nicht. Stattdessen spielte sie in der Erfolgsserie später die Ex-Frau von Ross, Carol. Und Whitfield gab statt Ross bloß den Barry, Rachels früheren Verlobten.

Diese und viele weitere Geschichten erzählen die Nebendarsteller anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Show jetzt im britischen "Guardian". Sie berichten von den Castings und den Anfängen der Show. Während die ersten Folgen bereits abgedreht wurden, stand noch nicht einmal fest, ob es die Show überhaupt ins Programm schaffen würde.

Wie die "Friends" zu Superstars wurden

Als der Sender NBC die Show schließlich gekauft hatte, weinte Jennifer Aniston vor Glück in den Schoß von Cosimo Fusco, der in der ersten Staffel kurzzeitig Rachels italienischen Lover Paolo spielte. Bei den Kritikern war die Show damals nicht besonders beliebt, aber solide Quoten bescherten den Machern die Möglichkeit einer zweiten Staffel – mit der die "Friends" schließlich durch die Decke gingen.

"Es war wie ein Zirkus", erinnert sich Vincent Ventresca alias "Fun Bobby": "Das Studio war völlig überfüllt (bei den Aufzeichnungen – Anm. d. Red.)." Es war die Zeit, als der "Rolling Stone" alle sechs Hauptdarsteller auf sein Cover hob. Matthew Perry, Courteney Cox, Matt LeBlanc, Lisa Kudrow, David Schwimmer und Jennifer Aniston wurden nun immer reicher, wie Fusco berichtet: "Man erkannte es an den Autos, die sie fuhren, oder daran, wie sie darüber sprachen, dieses und jenes zu kaufen."

Gegenüber anderen Gastschauspielern schotteten sich die Stars der Serie in dieser Zeit zunehmend ab, die Chemie innerhalb des Sextetts war dafür umso besser. "Die Liebe, die diese Gruppe füreinander hatte, war außergewöhnlich", sagt Sibbett. So außergewöhnlich, dass Aniston, Cox & Co. ab Staffel 3 ihre Verträge nur noch als Gruppe verhandelten.

Auch am Set hielten die Stars zusammen wie ein Football-Team, steckten zwischen den Takes die Köpfe zusammen und berieten, wie sie diese oder jene Szene noch lustiger gestalten könnten. Matthew Perry wollte bei diesen Brainstormings immer das letzte Wort – sprich: den letzten Lacher – haben, erinnert sich Paget Brewster, die damals Chandlers Crush Kathy spielte.

Wie sich die Zeiten seit den Aufzeichnungen in den 90ern geändert haben, macht die Anekdote von Alexandra Holden deutlich, die in Staffel 6 die Rolle von Ross' viel zu junger Freundin Elizabeth Stevens übernahm. Für eine Probe mit David Schwimmer rieten ihr die Produzenten, "so heiß wie möglich" auszusehen. Daraufhin sei sie die ganze Nacht aufgeblieben und habe überlegt, was sie anziehen solle. "Jetzt, da ich älter bin, wäre ich über so eine Ansage nicht erfreut", so Holden.

"Heute müsste einer der Sechs schwarz sein"

Auch der Mangel an ethnischer Vielfalt im Cast, der für das damalige Manhattan völlig untypisch gewesen sei und der Serie immer wieder vorgeworfen wurde, wird von den Nebendarstellern im "Guardian" diskutiert. "Heute müsste einer der Sechs selbstverständlich schwarz sein", sagt Fusco. Die schwarze Schauspielerin Aisha Tyler, die in einer späteren Staffel Dr. Charlie Wheeler spielte, hofft zwar, dass sie nicht wegen ihrer Hautfarbe für die Rolle ausgewählt wurde – ist sich aber bewusst, dass die Kritik ein Thema für die Macher war. Für Brewster ist es dagegen einfach nur "bizarr", die Show mit den heutigen Maßstäben der Social-Media-Diskussionen zu vergleichen: "Heute kann niemals jemand etwas richtig machen."

Alles richtig gemacht haben die Macher und die Stars der Show auf jeden Fall finanziell. "Friends" ist gefühlt die beliebteste Serie aller Zeiten und immer noch ein Streaming-Megahit auf Netflix. Ventresca bekomme immer noch ungefähr 2000 Dollar pro Jahr an Tantiemen, obwohl er in nur zwei Episoden als "Fun Bobby" auftauchte: "Jedes Mal, wenn ich einen Scheck bekomme, denke ich: 'Wow, die Hauptdarsteller müssen ganz schön reich sein.'"

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tim