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Interview

Benjamin von Stuckrad-Barre und Jasna Fritzi Bauer: "Bier hat eine Aufgabe in der Gesellschaft: den Mittelstand leicht wegzudämmern"

Er ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands, sie eine der aufstrebenden Schauspielerinnen: Benjamin von Stuckrad-Barre und Jasna Fritzi Bauer. Gemeinsam haben sie nun einen Podcast. Mit NEON sprachen die beiden über ihr neues Projekt, alkoholfreies Bier – und darüber, wie alt sie sich wirklich fühlen.

Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer ("Jerks" und "Abgeschnitten") und Autor Benjamin von Stuckrad-Barre ("Soloalbum" und "Panikherz") 

Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer ("Jerks" und "Abgeschnitten") und Autor Benjamin von Stuckrad-Barre ("Soloalbum" und "Panikherz") 

"Ja oder nein" beziehungsweise "Ja ja" oder "Nee nee" – dazwischen gibt es nichts. Denn in ihrem neuen Spotify Original Podcast "Ja Ja, Nee Nee" müssen sich Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer und Popliterat Benjamin von Stuckrad-Barre am Ende einer Diskussion für eine Seite entscheiden. Worüber sie sprechen, dem sind keine Grenzen gesetzt. "Kein Thema ist zu groß, kein Thema ist zu klein", so steht es im Pressetext. Im Gespräch mit NEON reden die beiden über ihr neues gemeinsames Projekt – und zeigen, dass sie überhaupt keine Probleme damit haben, bei komplexen Themen mit "Ja ja" oder "nee nee" zu antworten.

NEON: In eurem Spotify Original Podcast "Ja Ja, Nee Nee" müsst ihr am Ende eines Themas mit "ja ja" oder "nee nee" antworten: Entsteht dadurch nicht eine gewisse Oberflächlichkeit – also teils komplexe Fragen mit Ja ja oder nee nee zu beantworten?

Stuckrad-Barre: Das könnte man denken. Aber andererseits ist es doch das Schöne an unserer Staatsform, der Demokratie, dass man alles sagen darf – und dass man in diesem Raum zwischen ja und nein ausloten muss, um überhaupt eine Meinung haben zu können. Da braucht es Argumente von allen Seiten. Das ist ein demokratischer Prozess. Das macht doch Spaß. So ist der Mensch. Nur selten ist da auch ein Jein dabei.

Wann habt ihr denn das letzte Mal "Jein" gesagt?

Bauer: Das ist gar nicht so lange her. Ich hatte einen Dreh, wo ich viel essen musste – und deshalb keinen Hunger mehr hatte. Benjamin bot mir aber etwas an. Ich sagte erst "Nein" und probierte dann doch ein bisschen.

Stuckrad-Barre: Das war sozusagen ein kulinarisches Jein.

Stimmt es, dass ihr euch über Instagram kennengelernt habt?

Bauer: Das klingt total komisch, ist aber tatsächlich so passiert.

Wie kam es dazu?

Stuckrad-Barre: Ich habe Jasnas Beiträge gesehen und fand die alle wahnsinnig lustig und schön. Irgendwann haben wir miteinander geschrieben. Wir waren uns gleich sympathisch. Erstmals getroffen haben wir uns dann bei einer Lesung von mir. Sie hatte einen kleinen Gastauftritt – hat etwas vorgelesen. Anschließend sind wir bis weit in die Nacht hinein ausgegangen. Wir haben direkt gemerkt, dass es schön ist, wenn wir miteinander sprechen.

Dabei ist dann auch die Idee entstanden, gemeinsam einen Podcast zu machen?

Stuckrad-Barre: Im Grunde schon. Wir haben gleich am ersten Abend gemerkt: Wir fangen zwar gerade erst an, uns kennenzulernen – wissen also gar nichts über den anderen, dachten aber schon da, das wäre doch wunderbar, sofort zu verwerten und aufzunehmen – statt sich so langwierig anders kennenzulernen.

Also, eine öffentliche Freundschaft?

Bauer: Kann man so sagen, ja.

Im Pressetext zu eurem Podcast steht etwas von "zwei Stimmen, zwei Generationen": Warum hat Spotify eigentlich nicht den Wendler und seine Freundin gefragt, sondern euch?

Bauer: Zwischen dem Wendler und seiner Freundin liegen vier Generationen. Deshalb.

Stuckrad-Barre: Ehrlich gesagt habe ich zum Wendler überhaupt keine Meinung.

Bauer: Das musst du auch nicht. Der existiert einfach – und der Rest ist egal.

Wenn ihr sagt, dass es eine "öffentliche Freundschaft" zwischen euch ist. Wie privat werdet ihr denn?

Bauer: Wir werden schon oft sehr privat, was aber auch schlicht und ergreifend daran liegt, dass wir über alles Mögliche sprechen. Da kommt man gar nicht drum herum, private Dinge zu erzählen. Wenn es beispielsweise wie in der ersten Folge um das Thema "Büro" geht, ist es nur logisch, dass ich dabei eine persönliche Geschichte von mir preisgebe.

Stuckrad-Barre: Ich glaube, hier muss man unterscheiden zwischen Privatem und Intimen. Was genau soll mit "privat" gemeint sein? Als Autor ist man immer auf die eigene Biografie angewiesen. Das eigene Leben ist dabei wie ein Schlachtfeld, das ausgeweidet wird.

Jasna, nervt es dich eigentlich nicht so langsam, immer die Jüngeren zu spielen? Das machst du zu einem Großteil in deinen Filmen – jetzt auch noch im Podcast …

Bauer: Ich spiele sie ja dieses Mal nicht. Ich bin sie ja. Benjamin ist 14 Jahre älter. Ich meine, ich bin 30 Jahre alt – und so verhalte ich mich auch.

Stuckrad-Barre: Das stimmt, das ist mir an deinem 30. Geburtstag klar geworden, dass du 30 Jahre alt bist. Im Übrigen war das ein wunderbarer Abend, Jasnas 30. Geburtstag. Da haben Freunde von ihr eine Rumpelbude in Berlin-Kreuzberg gemietet. Jasna kam dann mit verbundenen Augen in diesen Raum, während "Wrecking Ball" von Miley Cyrus lief – was für sie ihre interne Nationalhymne ist. Auf jeden Fall war das ihr Geburtstag – und nun ist sie 30. Das stimmt.

Ist das Alter nur eine Zahl – oder gibt es zwischen euren Generationen tatsächlich einen Unterschied?

Stuckrad-Barre: Ich finde, das Alter ist nicht der einzige Faktor. Ich habe viele ältere und auch jüngere Freunde. Das Alter spielt dabei überhaupt keine Rolle. Letzten Endes geht es darum, wie sich eine Person verhält. Das Alter ist vielmehr eine Disziplin unter vielen. Ich empfinde mich ja nicht die ganze Zeit als 44-Jähriger – genauso wenig habe ich mit 20 gedacht: Mensch, ich bin so doll zwanzig. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch von Geburt an immer schon ein Alter hat.

Welches Alter habt ihr beide denn?

Stuckrad-Barre: Ich glaube, Jasna ist für immer 15.

Bauer: Nicht 70?

Stuckrad-Barre: Nee, du bist schon mehr 15. Und ich würde mal sagen, dass ich 13 Jahre alt bin.

Bauer: Oh ja, definitiv.

Stuckrad-Barre: Aber manchmal bin ich auch 79.

Da ihr in eurem Podcast am Ende eines Themas "ja ja" oder "nee nee" sagt, wollen wir das abschließend auch hier mit euch machen. Wir geben euch ein Stichwort vor und ihr sagt daraufhin mit Begründung "ja ja" oder "nee nee".

Das erste Stichwort lautet: "Donald Trump".

Bauer: Ein ganz klares "Nee nee".

Stuckrad-Barre: Bei mir ist es ein doppeltes "Nee nee". Zum einen wegen der Person und allem, für das sie steht. Und zum anderen auch wegen des Themas Donald Trump. Er ist ein gefährliches Schwein. Das stellt er immer wieder unter Beweis. Deshalb finde ich es auch völlig sinnlos, über ihn zu reden. Bis auf sein hoffentlich baldiges Impeachment-Verfahren interessiert mich an Trump nichts.

Flugscham?

Bauer: Auch hier sage ich ganz klar: Nee nee. Warum sollte ich denn auf einmal ein Schamgefühl für etwas entwickeln, dass ich liebe und auf das ich in meinem Beruf als Schauspielerin angewiesen bin? Ich fliege extrem gerne – vor allem in den Urlaub. Dafür werde ich mich auch in Zukunft nicht schämen.

Stuckrad-Barre: Dem schließe ich mich an: Nee nee.

Alkoholfreies Bier?

Stuckrad-Barre: Auf keinen Fall. Das ist völlig sinnlos, weil es alkoholfrei ist. Bier hat eine ganz klare Aufgabe und Funktion in der Gesellschaft: den Mittelstand leicht wegzudämmern.

Bauer: Richtig, es sorgt dafür, dass man auf der Baustelle oder auf dem Heimweg leicht einen sitzen hat. Außerdem schmeckt alkoholfreies Bier scheiße.

Stuckrad-Barre: Es ist vergleichbar mit einem glutenfreien Wochenende. Deshalb verstehe ich das nicht. Bier schmeckt ja nicht gut. Es interessiert der Alkohol darin. Deshalb bräuchte man eher bierfreien Alkohol. Von daher verstehe ich die These des alkoholfreien Bieres nicht. Deshalb habe ich auch noch nie eins getrunken.

Bauer: Deshalb sagen wir beide "nee nee".