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Meinung

Trash-TV ohne Spaßfaktor: Die beste Bachelorette, aber die langweiligste Staffel aller Zeiten – und das ist kein Widerspruch

An der unbekümmerten Performance von Bachelorette Gerda Lewis hatten wir im gesamten Staffelverlauf nur wenig auszusetzen. Umso langweiliger geriet aber der Rest. Ein Rückblick auf wenige Highlights und viele Tiefpunkte.

Das Finale der "Bachelorette" enttäuscht die Zuschauer: keine Spannung, kein Drama.

Wer sich gestern das traditionelle "große Wiedersehen" der Protagonisten aus der soeben abgelaufenen "Bachelorette"-Staffel angetan hat, der musste gleich bei der Begrüßung von Moderatorin Frauke Ludowig skeptisch werden: "Ganz besonders" sei diese Staffel gewesen, ja, "ganz außergewöhnlich" gar.

Wer so dick aufträgt, macht sich verdächtig – und tatsächlich: Nachdem wir an dieser Stelle in der vergangenen Woche bereits erörtert hatten, warum Gerda Lewis mit ihrer unbekümmerten Performance eine ziemlich ideale Rosenkavalierin abgegeben hat, kommt nun das große ABER.

Die Bachelorette: Highlights und Tiefpunkte

Denn diese Staffel war wirklich, wir können es nicht freundlicher formulieren, die langweiligste der Format-Geschichte. Warum? Darum:

Schlechte Kandidaten-Fluktuation

Theoretisch hatten einige der "Jungs", die in diesem Jahr in der Villa Einzug hielten, nicht zuletzt aufgrund ihrer offensichtlichen Schlichtheit jede Menge Potenzial. Aber immer wieder waren jene Kandidaten, von denen wir uns spontan etwas versprachen, schneller weg, als wir gucken konnten.

Zum Beispiel: Der eine Typ (sein Name ist uns leider entfallen, sorry!), der früher mal was mit Gerdas bester Freundin hatte und trotzdem nicht fassen konnte, dass diese Vorgeschichte ein Ausschlusskriterium für die Bachelorette sein könnte.

Oder der andere Typ (sein Name ist uns leider auch entfallen, sorry!), der zwei der schönsten Sätze der Staffel sprach, nämlich: "Mein USP bin ich selber." Und, als er Gerdas Rose ablehnte: "Ich werde dich leider verlassen." Schade eigentlich. Da wäre in jeder Hinsicht mehr drin gewesen.

Der Flop mit Alex

Die Stimmung in der Villa kam, gelinde gesagt, nur gemächlich in Gang, es wurde ja nicht einmal ordentlich gebechert. Also zog RTL den Joker, aber nicht den aus dem Kino, wobei Joaquin Phoenix sicher mehr Stimmung in die Bude gebracht hätte als Vorjahressieger Alex. Der wurde zwar so übertrieben freundlich von der Konkurrenz begrüßt, dass es dem offenherzigen Oggy zu Recht ein bisschen komisch vorkam – blieb aber in der Folgezeit so blass, dass wir beinahe sogar seinen freiwilligen Abgang nicht mitbekommen hätten (weil wir kurz eingenickt waren).

Die Bachelorette

Gerda Lewis hat uns als Bachelorette überzeugt – der Rest der Staffel nicht so wirklich

Gerdas Auswahl

Hut ab vor Gerda: Sie hat sich sukzessive nur die Männer rausgepickt, mit denen sie sich ernsthaft etwas vorstellen konnte. Was mittelfristig aber dazu führte, dass nur noch sympathische, wohlerzogene und todlangweilige Typen übrig blieben (und gegen unsere seit Jahren gehegte Theorie, dass in dieser Show am Ende des Tages doch ALLES gesscriptet ist).

Weg waren all jene Junggesellen, die wir heimlich ins Herz geschlossen hatten: der penetrante, aber irgendwie auf die schrägeste aller möglichen Arten auch erfrischend gerade Daniel; das derbe Duo Oggy & Andi; und natürlich der schluffige Harald, vielleicht unser All-Time-Favourite in der Geschichte dieser Show. Allein seine Aggro-Ansage ("Du bist 'n kleiner Schwanz, ey, ganz ehrlich!") gegen den nervigen Luca im gemeinsamen Einzelinterview gehört schleunigst für den Grimme-Preis nominiert.

Das Finale

Das alles konnte natürlich nur auf das fadeste Finale der Formatgeschichte hinauslaufen. Dass in einer Staffel, in der so viele Männer wie nie zuvor aus freien Stücken die Segel strichen, auch der vorletzte Rosenkandidat, der von Daniel in einer frühen Folge als "Scheißbulle" titulierte Polizist Tim, freiwillig die Biege machte, war nur folgerichtig, führte aber auch zu einer grotesken letzten Folge, in der selbst die ausgebufftesten Trash-Redakteure von RTL an ihrem Auftrag scheiterten, noch ein wenig künstliche Restspannung zu erzeugen.

Aber dazu hat unsere geschätzte Kollegin Wiebke Tomescheit in ihrer TV-Kritik bereits alles gesagt. Wiebke fordert übrigens am Ende ihres Textes, dass Harald doch bitte der nächste Bachelor werden möge. Ein petitionswürdiges Anliegen, dem wir uns nur vollumfänglich anschließen können! Es wäre die mit Abstand beste Pointe dieser Staffel.

tim