HOME

Netflix-Serie: "Haus des Geldes", Staffel 3: Das ist kein Bankraub, das ist Krieg

Mit der dritten Staffel von "Haus des Geldes" haben sich die Macher der Netflix-Serie wieder selbst übertroffen. Den Zuschauer stellt das allerdings vor ein moralisches Dilemma. 

Netflix: Trailer-Premiere: So geht es in "Haus des Geldes Teil 3" weiter

"Was soll da noch kommen?" – die Frage stellten sich viele Fans der Serie "Haus des Geldes" nach der zweiten Staffel. Die Gang mit den Dalí-Masken hatte in der spanischen Banknotendruckerei einen Überfall, der selbst in der Filmwelt seinesgleichen sucht, abgezogen und damit Millionen Zuschauer fasziniert. Nach 22 Folgen aber war die Geschichte eigentlich auserzählt. Nicht umsonst ist "Haus des Geldes" die erfolgreichste nicht-englischsprachige Serie auf Netflix – und nicht umsonst war das Format eigentlich nur auf zwei Teile ausgelegt.

Entsprechend skeptisch wurde die dritte Staffel erwartet. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, das sich Serienmacher zu sehr am Erfolg des eigenen Werks berauscht und dabei den Zeitpunkt für ein knackiges Ende verpasst hätten. Andererseits: Die vielen Fans wären Netflix wohl aufs digitale Dach gestiegen, hätte der Streamingdienst keine dritte Staffel der Erfolgsserie angeboten. So oder so, es dürfen alle beruhigt sein: Die dritte Staffel von "Haus des Geldes" vereint starke Charaktere, den packenden Wettlauf zwischen Polizei und Gangstern sowie nun auch noch die politische Dimension auf eine wieder mal meisterhafte Art und Weise. 

"Haus des Geldes": Die Bankräuber sind zurück

Nach der Geiselnahme und ihrem Milliardenraub in der Gelddruckerei ziehen sich die Räuber – zumindest jene, die den Überfall überlebt haben – in ihre Verstecke überall auf der Welt zurück. Reich sind sie nun, aber gestohlenes Geld schenkt auch keine wirkliche Freiheit, ständig müssen sie sich vor Polizei und Geheimdienst verstecken. Durch eine Unachtsamkeit gelangt schließlich einer von ihnen in die Fänge der spanischen Behörden, wird eingesperrt und gefoltert. Das bringt die Gang wieder zusammen. 

Mit einem Überfall auf die spanische Zentralbank wollen sie ihren Komplizen freipressen. War das exzessive Gelddrucken des ersten Coups noch zumindest in der Planung das perfekte Verbrechen – nicht ganz uneigennützig zwar, aber ohne wirkliches Opfer –, so geht es den Gangstern in den roten Overalls jetzt vor allem um eines: den spanischen Staat in seinem Innersten zu treffen. Und dabei können sie sogar auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen. Die Bankräuber sind quasi in Abwesenheit zu Helden avanciert, weil sie das System ad absurdum führen.

Das Prinzip des Goldraubs in der spanischen Zentralbank ist das gleiche wie schon beim ersten Milliardencoup: der Polizei immer einen Schritt voraus, die Geiseln mit Zuckerbrot und Peitsche bei Laune haltend, ein perfekt ausgeklügelter Plan eben. Wenn da nur nicht ständig diese Gefühle wären – ähnlich wie bei der Geiselnahme in der Gelddruckerei, als sich der Professor als Mastermind hinter dem Verbrechen in die leitende Ermittlerin verliebte. 

Im Krieg sind alle Mittel erlaubt

Die spanischen Macher von "Haus des Geldes" haben sich damit wieder selbst übertroffen. Und die Räuberbande rund um den Professor sowieso. Den Zuschauer stellt das aber vor ein moralisches Dilemma: Wie weit darf man mit einer Gruppe von Dieben mitfiebern? Bisher waren die Männer und Frauen unter den Dalí-Masken ein paar ziemlich dreiste, aber eigentlich auch ganz sympathische Gestalten. Jetzt greifen sie zu den Waffen gegen den Staat und seine Vertreter. "Das ist kein Bankraub mehr, das ist Krieg", sagt der Professor. Und da halten sich beide Seiten an die Regel, dass alle Mittel erlaubt sind.

Die Antwort darauf, wie dieser Krieg ausgeht, gibt es erst in Staffel vier. An dem nächsten Teil wird bereits gedreht. Und nach den acht neuen Folgen darf man sich darauf wohl vorbehaltlos freuen.

Themen in diesem Artikel