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Freizeit: Schwenke probiert: Escape-Game

Die Tür geht zu und die Zeit läuft: Sechzig Minuten hat unser Kolumnist, um ein Rätsel zu lösen und sich zu befreien. Erst ist es ihm zu doof, dann gerät er in einen Rausch und findet: das Glück.

Kolumnist Philipp Schwenke testet das Escape-Game

Philipp Schwenke beim Escape-Game-Betreiber "The Room" in Berlin

Die Tür knallt zu, wir sind eingesperrt, und ich muss kurz noch etwas loswerden: Ich war nie ein großer Rätselrater. Zum Beispiel diese Adventure-Games, » « und so weiter – episch große Denksportaufgaben als Computerspiel, deren Lösung immer ungefähr so ging: Man muss im Wirtshaus dem schlafenden Säufer den Stock klauen, um damit die Tür zum Stall aufzustemmen, wo man ein Huhn findet, das ein Ei legt, aus dem man ein Omelett brät, das man dem hungrigen Piraten serviert, der einem dafür eine Augenklappe schenkt, die man beim Wirt gegen einen Eimer tauscht, in dem man wiederum das Huhn – mir war das ja zu doof.

Escape-Game: Wie ein Computerspiel in echt

Jetzt aber ist die Tür zu und wir sind in einem Escape-Game gefangen. Quasi ein Adventure-Game im wahren Leben.

Wir haben sechzig Minuten, um uns durch Rätsellösen aus diesem Raum zu befreien, sonst sterben wir. Naja, nicht ganz. Also: Wir haben sechzig Minuten Zeit, sonst haben wir das Spiel verloren. Auch nicht schön.

Live-Escape-Games sind ein ziemlicher Trend, gibt es mittlerweile in jeder Großstadt, wir stehen hier in »The Room« in Berlin. Weil es langweilig wäre, nur durch Sudoku-Lösen aus einem kahlen Keller zu entkommen, gibt es eine Geschichte, durch die man sich hindurchtüfteln muss. Mal gilt es, eine Bombe zu entschärfen, dann, aus einem Gefängnis auszubrechen. Wir stehen im Büro eines 20er-Jahre-Kriminalkommissars, dessen Assistentin ermordet wurde. Man weiß, wer der Täter war; was wir herausfinden sollen: Wie kam er ins Büro und wieder hinaus?

Nach fünf Minuten im Rätselrausch

Man löst diese in Gruppen, Mitspieler muss man selbst mitbringen. Ich habe zwei eingepackt, einer findet schnell einen Schlüssel. Der passt zu einer Schublade.

Da finden wir eine Visitenkarte mit einer Telefonnummer, die in Wirklichkeit die Zahlenkombination zum Safe ist, in dem eine Schnur liegt, aus der wir mit dem Spazierstock an der Garderobe eine Angel bauen, mit deren Hilfe wir aus einem Schacht einen Schlüssel fischen, der eine Kassette öffnet, in der – das stimmt zwar alles nicht genau, aber es wäre ja höchst unsportlich, hier die Lösung zu verraten.

Jedenfalls: Es dauert keine fünf Minuten, bis wir in einen Rätselrausch geraten. In der Psychologie spricht man da vom »Flow«: dem weltvergessenen Aufgehen in einer Tätigkeit, in dem man nicht mehr an Job, Steuererklärung oder das Smartphone denkt, sondern nur an das Jetzt. Das ungefähr ist . Und das ungefähr ist das Geheimnis des Erfolgs dieser Räume. Eskapismus im doppelten Sinn, und es bockt ungeheuerlich.

Nach 25 Minuten haben wir die geheime Tür entdeckt und geöffnet. Wir sind Genies! Ach nee, doch nicht. Denn es folgt ein weiterer Raum. Und noch einer. Und noch einer. Nach 47 Minuten haben wir es dann wirklich geschafft. Aber von mir aus hätten wir auch noch zwei Stunden länger bleiben können.


Preis: ab 15 Euro pro Person

z.B. AdventureRooms in Dresden, Köln, Leipzig und München; The Room in Berlin; TeamBreakout in Hamburg oder Escape Events in Frankfurt/Main.

Dieser Text ist in der Ausgabe 10/15 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für Apple & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen. Eine Übersicht der »Kaufen«-Kolumne findet ihr hier.