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"Gloomy Sunday": "Tatort" und spazieren gehen? Zehn Survival-Strategien für einen erträglichen Sonntag

Pom-Bären mit Ibuprofen schlucken? Komplimente für den Chef ausdenken? Irgendwie muss man den Sonntag ja rumkriegen: zehn Ratschläge für die ätzenden 24 Stunden zwischen Samstag und Montag.

Von Lars Weisbrod und Leo Fischer

Frau liegt auf Bett

Lange schlafen, Kater und 'Tatort' gucken? Mit diesen Tipps holt ihr mehr aus eurem Sonntag (Symbolbild)

Unsplash

Der schlimmste Tag der Woche: der Sonntag. Spitznamen: "gloomy sunday" , "bloody sunday", "Der Tag, an dem wieder nur 'Tatort' kommt". Als Kind musste man am Sonntag mit müffelnden Verwandten in der Heide spazieren und hat sich dabei vor Langeweile von innen selbst aufgegessen. Heute ist man selber ein Müffelverwandter und tut sich das Grauen freiwillig an. Muss das so sein? Nein! Zehn Ratschläge für die ätzenden 24 Stunden zwischen Samstag und Montag.

1. Der Sonntag, ein Spiegelbild des Lebens

Am Anfang ist es noch ganz nett, man schiebt die Knack-und-Back-Brötchen in den Ofen und liest große bunte Zeitungen. Dann muss man irgendwann mit Mutter telefonieren, und am Ende guckt man „Titel Thesen Temperamente“ und fürchtet sich vor Max Moors toten Augen. Deswegen heißt die erste Survival-Regel am Sonntag: Früh aufstehen, den noch erträglichen Vormittag genießen. Abends dann Rotwein, Schlaftabletten.

2. Vogel-Strauss-Taktik 

Den Sonntag ignorieren und ganz normal weiterwurschteln. Besonders empfehlenswert für Alleinstehende, Homeoffice-Opfer und all die anderen armen Seelen, von deren Tagesplanung nichts und niemand abhängt. Für sie gilt: Aus allen Kalendern die Sonntage (rot!) herausstreichen und samstags kurz vor Mitternacht dem Smartphone einen Flug über die Datumsgrenze vortäuschen.

3. Nicht vergessen: der Sonntag ist hart erkämpft 

Tausende sind im Kampf für den arbeitsfreien Sonntag draufgegangen. Hätten sie gewusst, wie öde das in der postindustriellen Gesellschaft wird, hätten sie sich das bestimmt noch mal überlegt. Gegenmittel: Sich am Sonntag Komplimente für den Chef überlegen, Teile des Lohns zurücküberweisen.

4. Omas Überlebenstrick

Daunenkissen auf die Fensterbank und dann stundenlang missgelaunt rausgucken. Was für Generationen funktioniert hat, kann uns heute nur guttun. Falschparker aufschreiben, Ausländer ausspähen. Zum Abschluss auf den Enkeltrick reinfallen. Schon ist der Tag rum!

5. Lose-lose-Situation

Der Sonntag ist sowieso verloren. Wieso ihn nicht gleich verkatert verbringen, zwischen Ibuprofen und Pom-Bären? Man muss seine bohrende Lebensangst ja nicht gleich abschaffen, man kann sie auch erst mal effizienter organisieren: Warum am Samstag wegen Kater verzweifeln und am nächsten Tag noch einmal wegen Sonntag? Einfach beides gleichzeitig wegleiden.

6. Der Sonntagsmaler

Sonntagsfahrer und Sonntagsbrötchen: Am siebten Wochentag probieren Leute Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Zum Beispiel machen sie Sport. Jogger, Radler und Spaziergänger blockieren die schönsten Landschaften, prallen dort aufeinander. Wir raten davon dringend ab. Ausdrücklich erlaubt hingegen: sonntags reisen. Gerne mit dem Auto zum Flughafen, wo die Geschäfte offen haben.

7. Profi-Tipps 

Gläubiger Christ werden! Für den ist der Sonntag laut Wikipedia-Eintrag „Christentum“ sogar positiv besetzt. Und wem die Eucharistie nicht reicht, dem verspricht der Handzettel der Pfarrgemeinde noch andere Sonntagsaktivitäten („Topfschlagen für Obervolta“); außerdem besteht die Hoffnung auf spannende Marienerscheinungen. Und darauf, dass man in den Himmel kommt, wo für immer Samstag ist.

8. Muss der Sonntag Horror sein?

Nicht jeder Sonntag ist horror, es gibt Ausnahmen: Wahlsonntag, Oscar-Sonntag, Totensonntag. Im Event-Ausnahmezustand lässt sich die Lethargie bezwingen. Statistiken zur Wählerwanderung, Red-Carpet-Vorberichte und wenn es sein muss, auch ein WM-Endspiel.

9. Kalenderreform

Am Ende bleibt uns nur, die Sache anzugehen wie Cäsar mit einer saftigen Kalenderreform. Idealkonstruktion: Der Samstag ist arbeits- und einkaufsfrei, am Sonntag wird nicht gearbeitet, dafür kann man schon wieder in die Geschäfte. Sanft in die Woche hineingleiten, statt mit voller Wucht in den Montag knallen.

10. Du bist nicht allein!

Wenn alles scheitert, nicht vergessen: Gott höchstpersönlich wusste an Sonntagen auch nichts mit sich anzufangen und ist schon kurz vor den "Tagesthemen" eingenickt.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 04/2017 erschienen.

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