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Missverstandene Hits, Teil 2: Diese zehn Songs bedeuten etwas anderes als viele Zuhörer glauben

Nach dem ersten Teil stellen wir noch einmal zehn Hits vor, die eine andere Bedeutung haben als viele glauben. In "Vamos a la playa" zum Beispiel geht es nicht um einen schönen Strandurlaub. 

Kurt Cobain von Nirvana

Auf den Titel seines größten Hits kam Nirvana-Sänger Kurt Cobain eher zufällig

DPA

Viele Songs hat man schon dutzende Mal gehört, sie laufen im Radio rauf und runter und bei Partys wird wild dazu getanzt und der Refrain mitgegrölt. Einige dieser Lieder haben aber eigentlich eine ganz andere Bedeutung als weithin angenommen – und der wirkliche Inhalt kann ziemlich überraschend sein, wenn man mal genau hinhört oder die Geschichte hinter den Texten kennt. Im ersten Teil haben wir bereits zehn Songs vorgestellt, die viele falsch verstehen. Hier sind weitere zehn Hits, deren Bedeutung den meisten Zuhörern wohl nicht klar ist.

1. 1ste Liebe (Max Herre)

Im Refrain klingt der Song von Max Herre wie ein herkömmliches Liebeslied. Wer in den Strophen genau hinhört, merkt: Es geht um eine Stadt – Stuttgart: "Erste Liebe, jetzt bleib' ich Stuggi Resident!" Herre schrieb die Liebeserklärung an seine Heimatstadt, kurz nachdem er mit seiner Frau Joy Denalane nach Berlin gezogen war. Denalane singt auch den Refrain.

2. Vamos a la playa (Righeira)

Der Hit darf bei keiner Mallorca-Fete fehlen – und die meisten, die wild die einzigen vier Worte, die sie in dem Text verstehen, mitsingen, haben wohl keine Ahnung, was sie da gerade feiern. Es geht es um Umweltverschmutzung im Mittelmeer, eine Atombombe explodiert und "der radioaktive Wind zerzaust die Haare". Strandurlaub stellt man sich irgendwie anders vor.

3. Ayo Technology (50 Cent / Milow)

Eigentlich eine Co-Produktion von 50 Cent und Justin Timberlake, aber als Popsänger Milow 2008 ein Cover herausbrachte, wurde der Song bei tanzenden Teenagern und Gitarrenschülern beliebt. Der Text ist allerdings wenig jugendfrei: Der Song versorge Stripclubs mit dem oberflächlichsten Soundtrack, der nur möglich sei, schrieb "AV Music". Denn genau das wird in dem Stück erzählt: Ein Besuch in einem Stripclub aus der Sicht eines Gastes, der keine Lust mehr auf Pornos hat. "Ayo, I'm tired of using technology / Why don't you sit down on top of me / Ayo, I'm tired of using technology / I need you right in front of me."

4. Summer of 69 (Bryan Adams)

Den Text kann man einfach, auch wenn man im Sommer 1969 noch nicht mal geplant war. Bryan Adams war in jenem Sommer übrigens auch erst neun Jahre alt, und hat damals wohl tendenziell eher nicht seine erste Band gegründet. Eigentlich geht es auch gar nicht um das Jahr, sondern auch hier um Sex: "Es ist ein sehr einfacher Song über die Erinnerung an einen Sommer und Sex. Für mich war 69 eine Metapher für Sex und nicht für das Jahr", sagte Adams im Interview mit dem Portal "Songfacts".

5. Between The Bars (Elliott Smith)

Kaum mehr als zwei Minuten lang – diesen Song kann man in dunklen Nächten zehn Mal hintereinander hören: "Drink up, baby, look at the stars / I'll kiss you again, between the bars / Where I'm seeing you there, with your hands in the air / Waiting to finally be caught." Hier unterhalten sich allerdings nicht zwei Freunde oder Liebhaber bei einer Kneipentour, an die sie sich noch lange erinnern werden. Aufgrund der Depressionen und Alkoholkrankheit von Elliott Smith gehen viele davon aus, dass es der Alkohol ist, der zu einem einsamen Trinker spricht: "Drink up with me now and forget all about / The pressure of days, do what I say / And I'll make you okay and drive them away / The images stuck in your head."

6. Wonderful Life (Black)

Wer bei diesem Lied nur auf den Refrain achtet, dem entgeht, wie sarkastisch der Text angelegt ist. Im Chorus "No need to run and hide / It's wonderful wonderful life / No need to laugh and cry / It's a wonderful wonderful life" wird die Schönheit des Lebens besungen, in den Strophen klingt das ganz anders. Eigentlich stellt der Song die ironische Sicht eines sehr einsamen Menschen aufs Leben dar: "I need a friend / oh I need a friend / To make me happy / Not so alone".

7. Seasons In The Sun (Terry Jacks)

Das Original ist ein Chanson des belgischen Sängers Jacques Brel, zum Hit wurde das Lied 1974 durch die leicht angepasste Version von Terry Jacks, später verschaffte ein Nirvana-Cover dem Song neue Popularität. "We had joy, we had fun / We had seasons in the sun" – das klingt erst einmal nach schönen Sommererinnerungen, und so ist es auch. Nur werden diese von einem lyrischen Ich erzählt, das sich gerade vom Leben verabschiedet: "Goodbye my friend it's hard to die / When all the birds are singing in the sky."

8. Last Christmas (Wham!)

Mit Besinnlichkeit hat der Weihnachtshit schlechthin eigentlich gar nichts zu tun. Den ganzen Advent lang dudelt Herzschmerz in Reinform über die Weihnachtsmärkte und durch die Radiosender. "Last Christmas" ist nämlich ein Lied über enttäuschte Liebe, Angst und Betrug. Einfach mal genau drauf achten, auch wenn man es nicht mehr hören mag.

9. Smells Like Teen Spirit (Nirvana)

Das Riff kennt jeder, den Song kennt jeder, bis auf die ikonische Zeile "Here we are now / entertain us" (mit der der damals noch nicht berühmte Kurt Cobain gern auf Partys auftauchte) und das obligatorische "Hello" kennt aber kaum jemand den Text. Der Titel kommt in den eigentlich Lyrics gar nicht vor, wird aber oft als Ausdruck jugendlicher Rebellion verstanden. In Wirklichkeit bekam einer der größten Rockhits der Welt seinen Namen durch Zufall: "Teen Spirit" heißt ein Parfüm, "Smells like teen spirit" hatte eine Freundin aus Spaß an die Wand von Cobains Wohnung gesprüht. Cobain fand den Slogan gut, ohne zu wissen, was dahinter steckt – dass er seinen größten Hit nach einem Parfüm benannt hat, soll ihm später ziemlich peinlich gewesen sein.

10. Gimme hope Joanna (Eddy Grant)

Bei Joanna handelt es sich keineswegs um eine Frau, die der Sänger anfleht. Der Name bezieht sich auf die südafrikanische Hauptstadt Johannesburg und die dort sitzende Regierung – "Gimme hope Joanna" war eine Abrechnung mit dem Apartheidsregime. Eddy Grant beklagt die Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung in dem Land: "She makes a few of her people happy, oh / She don't care about the rest at all". Deshalb wurde der Song 1988 nach seiner Veröffentlichung 1988 in Südafrika auch zunächst verboten.

Musik-Rätsel: Diese Songs kennt jeder - aber auch den Text?