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"No Man's Land": Feministisches Album: Rockstar Frank Turner setzt vergessenen Frauen ein Denkmal

Viele Frauen, die in ihrem Leben Herausragendes geleistet oder Besonderes erlebt haben, sind in Vergessenheit geraten. Musiker Frank Turner erzählt auf seinem neuen Album ihre Geschichten.

Frank Turner

Frank Turner beim Hurricane Festival

Picture Alliance

Wem der Name Dora Hand nichts sagt, der muss sich nicht schämen. Dora Hand hat schließlich nicht einmal einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag. Ihre Geschichte ist dennoch spannend: Die Amerikanerin lebte von etwa 1844 bis 1878 und kam damals in der Stadt Dodge City als Sängerin und Schauspielerin zu Bekanntheit. Dort begann sie eine Affäre mit dem Bürgermeister, sehr zum Leidwesen ihres Verehrers James Kelley – eines jungen Cowboys, der daraufhin den Bürgermeister ermorden wollte. Schließlich schoss Kelley durch die Tür einer Hütte, in der er Hands Liebhaber vermutete. Statt des Bürgermeisters aber traf er Dora Hand tödlich. 

Eine filmreife Geschichte, die alles hat: eine schillernde Hauptfigur, Eifersucht, Dramatik und ein tragisches Ende. Trotzdem blieb das Schicksal von Dora Hand weitestgehend unbekannt. Bis jetzt: Der Musiker Frank Turner widmet Frauen wie Dora Hand ein ganzes Album. Auf seiner neuen Platte "No Man's Land" erzählt er Geschichten von Frauen, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind.

Zwei Leidenschaften vereint: Geschichte und Songwriting

"Diese Geschichten hätten schon längst erzählt worden müssen", sagt Turner über sein Projekt. "Ich habe den Verdacht, dass sie bekannter wären, wenn es um Männer gehen würde." Jetzt will er die Aufgabe übernehmen, den im wahrsten Sinne des Wortes unbesungenen Heldinnen ein Denkmal zu setzen. 13 dieser Geschichten hat er auf dem Album, das Mitte August erscheinen soll, in Songform gepackt. Zwölf über Frauen, deren Werdegang er in Archiven und Büchern gefunden hat – und einen über seine eigene Mutter.

Im Vorfeld der Veröffentlichung bringt der Rockmusiker auf Spotify jede Woche eine Folge seines Podcasts heraus, in dem er die Geschichte hinter den Songs erzählt. Ursprünglich habe er nicht nur über Frauen singen wollen, so Turner, sondern einfach seine beiden großen Leidenschaften verbinden wollen: "Geschichte und Songwriting". Immer nur über sein eigenes Leben und seine Gefühle zu singen, habe ihm nicht mehr gereicht. Dann aber habe sich das Konzept im Laufe seiner Recherchen herauskristallisiert: "Niemand schreibt diese Songs im Moment. Deshalb wollte ich diese Geschichten der Welt erzählen." 

In der Band spielen nur Frauen

"No Man's Land" ist da nicht nur der an einen Kriegsfilm aus dem Jahr 2001 angelehnte Titel, sondern auch Programm. In der Band spielen ausschließlich weibliche Musikerinnen mit – bis auf Turner selbst natürlich. Das Album wird von Catherine Marks produziert, die im vergangenen Jahr in Großbritannien als "Produzentin des Jahres" ausgezeichnet wurde. 

Ganz neu ist das Thema der unbekannten Frauen mit spannenden Geschichten im Werk des Rockers, der in Bahrain geboren wurde, nicht. Auf seinem Album "Positive Songs For Negative People" sang Turner in dem Lied "Silent Key" schon über die Lehrerin Christa McAuliffe, die 1986 an Bord der Raumfähre Challenger war, das kurz nach dem Start zerbrach. Der Song taucht auch auf Frank Turners neuer Platte auf.

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