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Graphic Novel "Der Dschungel": Erst die Arbeit und dann – nichts mehr

In einem Land vor unserer Zeit, das wäre ein passender Titel für Upton Sinclairs "The Jungle", so surreal fühlt sich die Arbeitswelt von vor 120 Jahren an. Dank Illustratorin Kristina Gehrmann sehen wir jedoch die Aktualität.

Zeichnung der stinkenden Arbeiter aus den Schlachthöfen

Die erste Begegnung mit den Arbeitern aus den Schlachthöfen von Chicago: Sie kommen aus der Düngerfabrik, dem letzten Glied der Fleisch-Verwertungskette, und verbreiten entsetzlichen Gestank. Jurgis Rudkus (vorne) ahnt noch nicht, dass auch er bald dort unterkommen wird. Für einen Hungerlohn.

Die Not in deinem Land zwingt dich, deine Heimat zu verlassen. Deine Familie ist dort nicht mehr sicher, entweder weil Krieg herrscht, oder weil du kein Geld verdienen kannst und sie verhungert. Beides bedeutet am Ende den Tod. Du versilberst das letzte Hab und Gut, investierst es in eine Reise ins Ungewisse und hoffst auf eine bessere Zukunft. So ergeht es heute noch vielen Menschen, so ging es auch Jurgis Rudkus vor etwa 120 Jahren, der sich aus Litauen in die USA aufmachte und dessen Geschichte Upton Sinclair 1906 veröffentlichte. Der Autor von mehr als 100 sozialkritischen Werken war selbst unter ärmsten Verhältnissen und mit einem Alkoholiker-Vater aufgewachsen, bevor er bei seinen Großeltern in New York erfuhr, dass es auch eine andere Welt gibt, die der Reichen und Schönen. "The Jungle" machte ihn mit einem Schlag im ganzen Land bekannt – als Nestbeschmutzer.

Hochzeit, Hauskauf und Abzocke ohne Ende

Illustration des Hochzeitspaares vor der Wirtschaft

Traditionen wahren, die in Verschuldung münden: Jurgis Rudkus (r.) und seine frisch angetraute Frau Ona (2. v. r.) heiraten in Chicago nach litauischer Tradition mit einem großen Festmahl, das sie lange abzahlen müssen

Gutgläubig und optimistisch lässt sich Familie Rudkus auf das ein, was Chicago Einwanderern 1899 nahelegt: Jobs in den riesigen Schlachthöfen der Stadt. Effizientes Arbeiten hat dort den Gipfel der Industrialisierung erreicht – und die grausamste Form von Entfremdung von Arbeit. Junge Vorarbeiter bestimmen das Tempo, wer nicht mithalten kann, wird gefeuert. Arbeitsunfälle führen zu Entlassungen, Lohndumping dazu, dass die meisten die Kosten für Unterkunft, Essen und Haushalt ihrer Familie trotzdem nicht bezahlen können. Es reicht hinten und vorne nicht, die Alten müssen mit ran und die Kinder auch. Die Fabrikbesitzer zahlen Hungerlöhne, die Arbeiter können meist weder lesen noch schreiben und werden übers Ohr gehauen: Protagonist Jurgis sowohl bei seiner Hochzeit als auch beim Hauskauf. Und das, obwohl seine Frau Ona gut rechnen kann – aber eben nie mit der Abgebrühtheit der Unternehmer.

Jurgis rettet erst sein Eintritt in die Gewerkschaft, doch für sein privates Glück ist es da zu spät.

Die "erträgliche" Fassung für das 21. Jahrhundert

Kristina Gehrmann, die Illustratorin der 2018-Variante des "Dschungels" von Chicago, erspart dem Leser die volle Härte des Leidens von Sinclairs Helden. Sie verschweigt den Tod von dessen Frau Ona im Kindsbett sowie den Tod des Kindes. Das Leben des litauischen Einwanderers ist auch ohne die Wucht der Wahrheit so eindrücklich, dass der Leser das Buch nicht aus der Hand legen kann, bevor er die 384 Seiten schwarzweißer Beinahe-Historie aus der Hand gelegt hat. Sinclair hat Rudkus' Leben vor mehr als 100 Jahren erzählt, Gehrmann verleiht der Sozialkritik des Autors den richtigen Fotofilter, um seine Hauptfigur 2018 wieder sichtbar zu machen. Die Realität des 19. Jahrhunderts wäre heute sonst kaum zu verdauen.

Auch wenn es manches davon immer noch gibt.

Comic-Strip zur Gleichberechtigung

Das Gender-Gap, die Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen, hat eine lange Tradition ...

Die Illustratorin

Kristina Gehrmann, 28, lebt als Illustratorin in Hamburg und hat ein Faible für historische Stoffe. Ihre erste Comicveröffentlichung, die Graphic-Novel-Trilogie "Im Eisland", handelt vom Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition und geht der Frage nach, wie und warum diese in einer Tragödie endete. Der erste Band wurde 2016 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Sachbuch ausgezeichnet.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.