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Meinung

Angebliche Schwangerschaft: Der Baby-Aprilscherz von Justin Bieber und Hailey Baldwin war unsensibel und verletzend

Auf Instagram verkündeten Justin Bieber und seine Frau Hailey Baldwin ihre Schwangerschaft, um dann aufzulösen: Es war nur ein Aprilscherz. Vielen Frauen und auch Männern ist bei dem Thema allerdings gar nicht zum Lachen zumute.

Post von Justin Bieber: Hailey Baldwin beim Arzt

Hailey Baldwin bei der Schwangerschaftsuntersuchung? In Wirklichkeit nur ein wenig durchdachter Aprilscherz von ihr und ihrem Mann Justin Bieber.

Unter den Beliebern herrschte am 1. April Ausnahmezustand. Ihr Messias Justin Bieber hatte auf seinem Instagram-Account kommentarlos ein Ultraschallbild veröffentlicht, der Post hat mittlerweile über 5 Millionen Likes. In den Kommentaren drehten die Fans frei, auch Promis wie Kris Jenner meldeten sich: Justin Bieber und Hailey Baldwin, erst seit November 2018 mit dem Popstar verheiratet, bekommen ein Kind!

Bieber heizte die Gerüchte mit einem weiteren Foto, das seine Frau bei einer Untersuchung beim Frauenarzt zeigt, noch weiter an. Erst am Ende des Tages löste er auf: Das Ganze war ein Aprilscherz. Einer mit einer riesigen Reichweite, von begrenzter Kreativität – und einer, der die Gefühle vieler Menschen verletzt.

Schwangerschaften sind kein Thema für Aprilscherze

Schwangerschaften sind nämlich ein viel zu sensibles Thema, um es für Scherze und Publicity zu missbrauchen. Das ist nicht immer klar, denn zu sehen ist oft nur die heile Welt: Schwangerschaftsshootings mit Kugelbäuchen auf Instagram, Babyshower-Partys, süße Fotos von Säuglingen in herzigen Stramplern.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Etwa jedes siebte Paar in Deutschland kann keine Kinder bekommen. Experten schätzen, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Schwangerschaften schon in den ersten drei Monaten enden. Früher wussten die meisten Frauen in einem solchen Fall gar nicht, dass sie überhaupt schwanger waren – mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten wird ihnen ihr Verlust schmerzlich bewusst. Insgesamt kommt es bei etwa 15 Prozent aller Schwangerschaften zu einer Fehlgeburt.

Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit – der wunde Punkt bleibt

Wahrscheinlich kennen die meisten jemanden, der unfreiwillig keinen Nachwuchs hat oder schon ein Kind verloren hat – ob Mann oder Frau. Oft weiß man es gar nicht, denn über diese Schattenseiten wird selten geredet. Zu groß ist die Scham, zu groß oft auch das Leid, das dahinter steckt. Viele können es verstecken oder überspielen. Oft hilft auch die Zeit. Aber der wunde Punkt bleibt, die Verletzung bricht immer wieder auf.

Wie sich das anfühlt, können Menschen, die etwas Ähnliches nicht erlebt haben, wohl kaum verstehen. Jede Schwangerschaft im Umfeld, jeder Kinderwagen, jeder Spielplatz bedeutet einen Stich ins Herz. Wie muss sich jemand, der eine solch traumatische Erfahrung gemacht hat, dann fühlen, wenn andere das Thema derart auf die leichte Schulter nehmen, dass sie darüber öffentlichkeitswirksame Witze machen?

Die meisten von uns sind kleine Justin Biebers

Darüber hätten sich Justin Bieber und Hailey Baldwin einmal Gedanken machen sollen, bevor sie versuchten, ihre Fans hereinzulegen. Ob man den Scherz nun für kreativ hält oder nicht, wie man überhaupt zu Aprilscherzen steht, sei dahingestellt – etwas Fingerspitzengefühl kann man auch von einem weltberühmten Popstar erwarten. Beziehungsweise erst recht von dem: Mit 107 Millionen Instagram-Followern geht nämlich auch etwas Verantwortung einher. Bieber trieb den vermeintlichen Witz sogar noch auf die Spitze, indem er nach dem ersten Bild, hinter dem viele schon einen Aprilscherz vermutet hatten, noch ein zweites postete, mit der Caption: "Falls ihr dachtet, es sei ein Aprilscherz". Aufgelöst wurde die Aktion dann mit einem Ultraschallbild eines Hundewelpen – wie unsensibel geht es eigentlich?

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Wait omg is that a,,, APRIL FOOLS

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Allzu sehr sollten wir uns dennoch nicht über Justin Biebers Fauxpas aufregen. Im Alltag nämlich sind viele von uns kleine Biebers. Die Fragen, warum jemand keine Kinder hat, warum jemand Single ist, warum jemand seine Eltern nicht besucht, mögen harmlos gemeint sein – und sicher hat auch Justin Bieber bei seinem Aprilscherz nichts Böses im Sinn gehabt. Aber in vielen Situationen und bei Menschen, die man nicht gut kennt, sind sie einfach daneben. Im besten Fall sind sie unhöflich, im schlimmsten Fall tun sie sehr weh. Oft gibt es eine Geschichte dahinter. Daran sollte sich nicht nur Justin Bieber öfter erinnern. 

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