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Heftige Proteste im Netz: Letzter verbliebener Auftritt: Was passiert nun mit dem Hamburg-Konzert von R. Kelly?

Trotz der schweren Missbrauchsvorwürfe gegen R. Kelly waren 2019 zwei Deutschland-Auftritte des Sängers geplant. Das rief Proteste hervor. Eines wird ausfallen. Der Hallenbetreiber des verbleibenden Termins verweist auf den Vertrag mit dem Veranstalter.

R. Kelly

R. Kelly bei einem Auftritt im Jahr 2013 in Los Angeles

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Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Nur zwei Konzerte des stark umstrittenen R'n'B-Stars R. Kelly waren für 2019 überhaupt ankündigt. Und beide sollten in Deutschland stattfinden: Eines am 12. April in Ludwigsburg in Baden-Württemberg, das andere am 14. April in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg.

Kritiker wollen die Auftritte verhindern, unter anderem mit einer Online-Petition, die sie auf der Plattform "Change.org" ins Leben gerufen haben. "#RKELLYSTUMMSCHALTEN – Keine Bühne für Sexualverbrecher" heißt es dort. "Wir wollen, dass seine Konzerte in Hamburg und Ludwigsburg verhindert werden", schreiben die Initiatioren. Mehr als 38.500 Menschen hatten die Petition am Donnerstagmorgen bereits unterzeichnet. 

Das Konzert in Süddeutschland wird wohl tatsächlich nicht stattfinden. Der Auftritt wurde zunächst aus der MHP Arena in Ludwigsburg in den Glaspalast in Sindelfingen bei Stuttgart verlegt - offiziell aus Kapazitätsgründen, wie es hieß (mehr Informationen hier). Am neuen Ort wird das Konzert jedoch auch nicht stattfinden, wie auf der Homepage des Glaspalast zu lesen ist: „Ein entsprechender Vertrag zwischen Hallenbetreiber und Veranstalter wird nicht zustande kommen“, heißt es dort. Und weiter: "Die aktuell im Raum stehenden massiven Vorwürfe gegen den Sänger sind nicht mit den Interessen des Hallenbetreibers und der Stadt Sindelfingen zu vereinen."

Wird das Konzert in Hamburg stattfinden?

Ob der letzte verbliebene Termin in Hamburg wie angekündigt stattfinden wird, ist noch offen. 

Bislang ging das für die Sporthalle zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord davon aus, dass die Veranstaltung stattfindet: "Wir bestätigen Ihnen, dass die Sporthalle Hamburg einen Vertrag mit dem Veranstalter Thomas Bernard aus Schorndorf für ein Konzert mit dem Künstler R. Kelly geschlossen hat“, teilte die Pressestelle in der vergangenen Woche auf stern-Nachfrage mit. Als Hallenbetreiber habe man wenig Möglichkeiten: "Das Bezirksamt Hamburg-Nord ist vertraglich gebunden und sieht derzeit keine rechtliche Handhabe, den Vertrag einseitig zu kündigen", schrieb das Amt. Eine einseitige Kündigung von Seiten des Veranstalters könnte außerdem dazu führen, dass hohe Schadensersatzforderungen auf das Bezirksamt zukämen, die im ungünstigsten Fall der Steuerzahler zu tragen hätte. Abschließend heißt es in der Stellungnahme des Amtes: "Es obliegt dem deutschen Veranstalter die Wertung, ob es opportun erscheint, das Konzert wie geplant am 14. April stattfinden zu lassen.“ 

Der Veranstalter der Konzerte selbst konnte für Rückfragen – etwa zum Stand des Kartenvorverkaufs - nicht erreicht werden. Bei diversen Online-Vorverkaufsstellen wie etwa Eventim waren am Donnerstag ganz regulär Tickets ab einem Preis von rund 100 Euro zum Kauf erhältlich. 

Hintergrund: Seit mehr als 20 Jahren kursieren schwere Vorwürfe wegen Missbrauchs und Vergewaltigung gegen den Musiker R. Kelly. Eine Anklage wegen Kinderpornographie 2002 endete sechs Jahre später mit einem Freispruch. Nicht zuletzt durch die Doku-Serie "Surviving R. Kelly" flammte die Diskussion zuletzt wieder neu auf. Darin kommen etliche Frauen zu Wort, die der Musiker missbraucht und zum Schweigen gebracht haben soll. Teilweise waren sie zum Zeitpunkt des Geschehens minderjährig, auch Kellys Ex-Frau äußert sich. R. Kelly selbst bestreitet die Vorwürfe vehement. +++ Mehr Informationen zu den Vorwürfen und der Serie gibt es hier +++

Der Sänger R. Kelly

Quellen: Sporthalle, MHP Arena, "Change.org", Glaspalast


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