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Reise-Tipps: Was du wissen musst, um als Deutscher in Marokko eine gute Zeit zu haben

Wer noch nie in einem arabischen Land war, macht sich vor seiner ersten Reise vielleicht ein bisschen Sorgen. Doch es reicht in Marokko, die Spielregeln der Einwohner zu kennen. Besonders wichtig ist das in den Altstädten.

Von John Baller, Marokko

Ein blaues Haus in Marrakesch

Wenn man ein paar Dinge beachtet, hat man eine super Zeit in Marokko und sieht etwa kleine Paradiese wie den Jardin Majorelle in Marrakesch. Wenn man sich so wie ich (links, Touri mit Rucksack) vorab nicht informiert, kann allerdings auch mal was schiefgehen.

Ein Wunder an der atlantischen Küste. Super freundliche Menschen. Billig noch dazu. So wird das Land im Norden Afrikas oft beworben und dementsprechend waren auch meine Erwartungen, als ich quer durch Marokko gereist bin. Meine Route ergab sich durch vier Städte, die ich sehen wollte und nun jedem weiterempfehlen kann: Marrakesch, Essaouira, Casablanca, Fes. Wer noch nie nach Marokko gereist ist, dem mögen diese Orte vielleicht nicht viel sagen, außer Humphrey Bogarts Stadt natürlich. Doch besonders in den Medinas von Marrakesch und Fes gelten spezielle Spielregeln, die man kennen sollte.

Stell dich darauf ein, dass du in Marokko sehr unfreundlich sein musst

Wenn man Orte wie Marrakesch oder Fes besucht, macht man das hauptsächlich, um die wunderschöne Medina, die Altstadt, zu erkunden. Das wissen auch diejenigen, die an uns Touristen Geld verdienen wollen. Und sie sind ausgefuchst. Du musst es deshalb auch sein, dann kannst du in Marokko eine tolle Zeit haben.

1. Lass dir von niemandem den Weg zeigen

Wenn man durch die engen Gassen der Altstädte schlendert, kann einem oft nicht einmal Google Maps den Weg zeigen. Steht man an einer sehr verästelten Kreuzung und guckt sich verwirrt um, passiert es ganz schnell, dass ein oder mehrere sehr freundliche Menschen auf einen zukommen. Sie fragen dich nach deinem Ziel und deuten dir an, ihnen einfach zu folgen. Wenn man dann dorthin geführt wird, wohin man möchte, kann man sich glücklich schätzen. Die Freude schwindet jedoch schnell, wenn deine tour guides erwartungsvoll die Hand aufhalten. Fängst du an zu diskutieren, weil du zum Beispiel gerade erst in Marokko angekommen bist und noch kein Geld wechseln konntest, oder du für diese scheinbare Gefälligkeit kein Geld ausgeben willst, kommt auf einmal ein Freund deines tour guides hinzu. Und dann noch einer. Und schließlich zwingen sie dich dazu, dein Geld in Dirham zu tauschen. So ist es zumindest mir ergangen. 

Protipp: Folge deinem Weg selbstbewusst und erwecke den Anschein, dass du keine Hilfe brauchst. Hast du dich verirrt, frag andere Touristen oder halte Ausschau nach Polizisten, die sollten dich nicht abzocken.

Die Medina von Fes

Fes von oben lässt einen ahnen, dass man sich in dieser Stadt schnell verlaufen kann

2. Handle, was das Zeug hält

Wenn es dir so geht wie mir, du Herstellern und Verkäufern beim Preis ihrer Waren vertraust, tut es mir leid, dass ich deine Welt auf den Kopf stellen muss. In Marrokko musst du handeln! Als Faustregel gilt: Versuche, am Ende 30 Prozent des zuerst genannten Preises zu zahlen. Das mag unmenschlich klingen. Aber wenn du dir auf einem Suk zum Beispiel eine schöne Ledertasche kaufen willst, Fès ist berühmt für seine Lederwaren, bring Zeit mit. Du musst dich darauf einstellen, dass du rund 30 Minuten damit verbringst, einen vernünftigen Preis herauszuhandeln. Damit du dich nicht geizig fühlst: Die arabischen Verkäufer sind sogar beleidigt, wenn du nicht handelst. 

Gerberei in Fes

Eine der zwei Gerbereien von Fes, in denen aus Tierhäuten Leder wird: Um den schrecklichen Geruch ertragen zu können, halten sich Besucher Minze unter die Nase

3. Lass dich von den Deutschkenntnissen der Händler oder tour guides nicht um den Finger wickeln

Frag mich nicht, warum, aber fast jeder, der dich auf den Straßen der Medina anspricht, kann Deutsch. Das Repertoire kann von simplen Phrasen wie "Willkommen, mein Lieber" bis zu richtigem Gesprächsmaterial reichen. Jedoch benutzen die Verkäufer ihr Sprachtalent lediglich, um deine Sympathie zu gewinnen.

Protipp: Die Deutschen sind in Marokko dafür bekannt, mit Geld um sich zu werfen. Wenn du wegen deiner Nationalität keine Nachteile erfahren willst, behaupte einfach du seist aus einem osteuropäischen Land.

4. Iss dort, wo keine Touristen essen

Dies ist ein Reisetipp, der eigentlich für alle Länder gilt. Wenn du gutes marokkanisches Essen genießen willst, besuche keine Restaurants, die good Moroccan food versprechen. Das sind garantiert Touristen-Fallen. Und seien wir mal ehrlich, würdest du jemals ein Restaurant betreten, das auf Englisch seine gute deutsche Küche bewirbt? Probier lieber, außerhalb der Altstadt zu essen oder halte die Augen nach Streetfood-Ständen offen, in denen nur Marokkaner sitzen. Dann kannst du zum Beispiel herrlich frische, gebratene Sardinen genießen. 

Gebratene Sardinen auf Papier

Nach einer langen, dann aber erfolgreichen Streetfood-Suche in Marrakesch fand ich köstliche, frische Sardinen. Sie reichten für zwei Personen und kosteten insgesamt weniger als zwei Euro.

Diese Redensarten wirst du garantiert hören, wenn du durch die Straßen der Medinas ziehst

  • "No money, no honey" Wenn du doch mal jemandem vertraust und nach dem Weg fragst, wirst du bestimmt diese vier Wörter hören. Die Marokkaner wollen damit lustigerweise sagen, dass sie KEIN Geld wollen – und auch keinen Honig. Die Phrase, die Prostituierte geprägt haben sollen, bedeutet natürlich das Gegenteil. Aber das interessiert hier niemanden.
  • "Democratic prices" Ich habe immer noch nicht herausgefunden, was das ganz genau bedeuten soll. Aber ich habe eine Theorie: Marokko ist eine Monarchie, das Foto des Königs hängt in so gut wie jedem Geschäft. Das hat die Geschäftsleute des Landes vielleicht auf Idee gebracht, ihre Preise "demokratisch" klingen zu lassen, frei wählbar. Es bedeutet: Du kannst den Preis selbst bestimmen, musst dir aber natürlich darüber im Klaren sein, dass du dabei von dem Händler so manipuliert wirst, dass du letztlich genau die Summe zahlst, die er haben will.
  • "Museum is closed today." Wenn du denkst, du hättest alle Tricks durchschaut, fällt dir plötzlich auf, dass sämtliche Museen, die du besuchen willst, zufällig geschlossen haben. Stattdessen können die freundlichen Menschen, die dir das gesagt haben, aber etwas anderes empfehlen! Sie führen dich dorthin! Gehst du mit? NEIN! Mit absoluter Sicherheit hat das Museum geöffnet und dort, wo du sonst landen würdest, willst du nicht hin. 

Mach nicht den Fehler zu glauben, dass Marokkaner unfreundlich sind und nur dein Geld wollen

Ich weiß. Der ganze Artikel sagt etwas Anderes. Doch begegnet man den ausgebufften Abzockmethoden hauptsächlich in der Medina. Im neuen Teil von Städten wie Fes und Marrakesch geht es deutlich entspannter zu.

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