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Interview

"xouxou Berlin": "Not macht erfinderisch": Wie Yara Jentzsch Dib aus Versehen ein Must-Have-Teil erfand

Wo man auch hinschaut, baumeln sie über die Schultern junger Trendsetter: Die Handyketten von "xouxou Berlin" sind seit diesem Sommer einfach nicht mehr wegzudenken. Dabei war ihre Erfindung im Grunde ein Versehen.

Yara Jentzsch Dib von XouXou Berlin

Ihre Erfindung ist inzwischen nicht mehr wegzudenken: Yara Jentzsch Dib ist die Gründerin des Labels "xouxou Berlin" 

Sie schlugen in diesem Sommer wie eine Bombe in die Accessoire-Welt ein: Handyketten. Was einige Monate zuvor noch nie jemand gesehen hatte, wurde gefühlt über Nacht zum absoluten Must-Have-Teil. Kein Festival, kein Konzert, kein lauer Sommerabend ohne die Handyketten von "xouxou Berlin".

Wer jetzt meint, dass dahinter die Kreativkonferenz irgendeines großen Konzerns steht, der könnte falscher nicht liegen. Denn die Erfinderin der so einfachen und doch so brillanten Handyhülle mit dem gewissen Extra, Yara Jentzsch Dib, kam quasi aus Versehen zu ihrem Erfolg. NEON hat bei der zweifachen Mama aus Berlin nachgefragt.

NEON: Wie kam es zu der Idee für die Handyketten?

Yara Jentzsch Dib: Die Idee zu xouxou entstand, als ich gerade das erste Mal Mama geworden war: Ich habe ständig mein Handy vergessen oder liegen gelassen. Ich hatte das Bedürfnis, meine Hände für mein Baby frei zu haben und mir gleichzeitig keine Gedanken mehr um das Handy machen zu müssen. Not macht erfinderisch – also habe ich einfach das bekannte Schlüsselbandprinzip auf das Handy übertragen.

Hättest du mit dem riesigen Erfolg gerechnet?

Überhaupt nicht! Ich habe das ja eigentlich nur für den Eigengebrauch gemacht. Aber ich glaube, es ist wie man sagt, manchmal sind die einfachen Ideen die besten und wir haben wirklich einen Nerv getroffen.

Yara Jentzsch Dib mit Sohn Pan

Yara Jentzsch Dib mit ihrem kleinen Sohn Pan

Wie lange hat es gedauert, bis aus der Idee Wirklichkeit und daraus ein Unternehmen wurde?

Von der Idee zur Umsetzung des ersten "Prototypen" dauerte es keine zehn Minuten, das war eindeutig der schnellste Schritt. Ich habe einfach die Materialien genutzt, die ich für mein Hobby Makramee zu Hause hatte. Die fertige Handykette habe ich getragen und stellte fest, dass mich nicht nur meine Freunde, sondern auch immer mehr Fremde auf der Straße darauf ansprachen. Da war schnell klar, es gibt einen Markt und dieses Produkt ist noch völlig unbekannt – ich wusste selbst erstmal nicht, wie ich es nennen sollte.

Bis heute wird das Wort "Handykette" von der automatischen Rechtschreibprüfung rot angestrichen, es ist also quasi eine Wortneuschöpfung. Mit den ersten Verkäufen wuchs peu a peu die Nachfrage und mit ihr auch xouxou. Ich passte mich der Nachfrage an, musste mich aber spätestens im Frühling besser und breiter aufstellen. Das war ein großer Schritt in Richtung Professionalisierung, beginnend mit der Produktion bis hin zum Fullfillment – ab da waren wir dann definitiv ein kleines Unternehmen.

Ursprünglich habe ich alles gemeinsam mit meinem Freund gemacht, der ist dann aber vollends mit ins Boot gestiegen als ich alles fast abgebrochen habe. Er hat mich immer bekräftigt, weiterzumachen. So sind wir organisch und ziemlich old school gewachsen. Ohne Investment, Förderung oder Kredit. Dafür stetig und aus eigener Kraft mit einer großen Portion Bauchgefühl. Auch unser Netzwerk hat dazu einen großen Teil beigetragen! Unsere Freunde haben xouxou früh und viel getragen, auf Instagram teilen unsere Kunden ihre Momente mit xouxou gerne – sie sind alle unsere Markenbotschafter.

Ist es seltsam, jetzt so viele Frauen mit deiner Erfindung zu sehen?

Es ist großartig! Ich freu mich jedes Mal so sehr und würde am liebsten immer "Hallo!" sagen, als würde man sich schon kennen!

Kannst du schon von den Handyketten leben?

Ja und das ist richtig toll.

Hast du Tipps für junge Erfinder und Erfinderinnen, die zwar eine gute Idee, aber keine Erfahrung mit der Umsetzung haben?

Wenn ich von mir selbst ausgehe, würde ich sagen, dass man nicht zu viel nachdenken sollte. Die besten Ideen sind die einfachsten und das gilt auch für Erfindungen. Ich glaube es war noch nie so einfach sich zu vernetzen, um sich bei einer Umsetzung unterstützen zu lassen. Du kannst nicht programmieren, basteln, stricken, werken, knoten, malen, zeichnen, restaurieren, schneidern, filmen etc.? Hol dir Unterstützung, von jemandem, der es kann. Es gibt Webseiten, Tutorials, DIY-Videos! Es gibt irgendwo auf der Welt einen Experten, der nur darauf wartet, dir zu antworten.

Ich glaube, sich zu vernetzen ist das Wichtigste! Du hast kein Budget? Mach etwas auf Tauschbasis. Mach Schluss mit Ausreden und trau dich, groß zu denken. Das kann natürlich auch einschüchternd oder zu abstrakt sein. Wenn dem so ist, fang lieber klein an. Aber fang an!

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