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Uni in Böhmen: Endlich die Süddeutschen verstehen: "Bayern" ist jetzt ein eigenes Studienfach

Die bayerische Kultur ist weltbekannt – auch wenn die Kenntnisse häufig nicht über Sauerkraut, Dirndl und Oktoberfest hinausgehen. Wer Bayern wirklich verstehen lernen möchte, kann in Böhmen dazu nun einen eigenen Studiengang belegen: "Interdisciplinary Bayern Studies". 

frau im dirndl

Die bayerische Kultur ist speziell - gut, dass es jetzt einen Studiengang dafür gibt. 

Bayern hat der Welt so viel Großartiges geschenkt. Leberkas-Semmeln. Bier im 1-Liter-Krug. Schuhblattlern. Franz-Joseph-Strauß. Der Kultur dieses vor Selbstbewusstsein nur so strotzenden Bundeslandes wird künftig noch mehr Anerkennung zuteil, denn: Man kann sie nun auch offiziell studieren.

Der Studiengang nennt sich "Interdisciplinary Bayern Studies" oder kurz Bayristik und wird ab diesem Wintersemester an der Westböhmischen Universität im tschechischen Pilsen angeboten. Entstanden ist er in Zusammenarbeit mit der Uni Regensburg und aufgenommen wird nur, wer den Aufnahmetest bestanden hat. Nach vier Semestern Vollgas-Bayern-Lehre schließen die Studierenden mit einem Master ab.

Bayerische Firmenchefs als Gastdozenten

Der Inhalt des Studiums soll offenbar weit über das hinausgehen, was Lehrstühle für bayerische Landesgeschichte bisher lehren. "Wir bieten Vorlesungen und Seminare in Geschichte, Kunst, Geografie, Sprache, Verwaltung, Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaftslehre", zitiert der "Donaukurier" die zuständige Professorin Andrea Königsmarková. Die Lehrenden kommen wohl direkt aus der Praxis: Als Gastdozenten konnte die Pilsener Uni laut der Zeitung bereits mehrere bayerische Firmenchefs gewinnen. Unterrichtet wird vorwiegend auf Deutsch, deshalb müssen die - bisher ausnahmslos tschechischen - Studenten über das hohe Sprachlevel C1 verfügen.

Nun kann man sich grundsätzlich über die Sinnhaftigkeit eines solchen Studiengangs Gedanken machen. Dass er genau in Pilsen angeboten wird, ist aber durchaus verständlich: Für Tschechien ist Bayern der wichtigste Handelspartner unter den deutschen Bundesländern, Pilsen ist nicht weit von der Grenze entfernt. Die "Interdisciplinary Bayern Studies" sollen die Studierenden auf eine berufliche Tätigkeit im Freistaat vorbereiten. Tatsächlich ist ein Job in Bayern wohl für viele junge Tschechen attraktiv. "Viele pendeln täglich für die Arbeit aus Tschechien nach Deutschland, manche bleiben sogar direkt von Montag bis Freitag", sagte eine der Studentinnen dem Onlinemagazin "bento".

Böhmen und Bayern: "Wir trinken alle gerne Bier"

Sie erhoffe sich, in dem Studium nicht nur Bayern verstehen zu lernen, sondern ganz Deutschland. "Wenn ich zum Beispiel etwas über die bayerische Geschichte lerne, geht es ja immer auch um Deutschland an sich." Für die 28-Jährige macht die Studienwahl auch aus emotionaler Sicht Sinn: Böhmen fühlten sich den Bayern ohnehin sehr nah. "Wir sind uns sehr ähnlich", sagte sie "bento". “Wir haben den gleichen Humor und erzählen die gleichen Witze." Und: "Wir trinken außerdem alle gerne Bier und sind sogar stolz darauf."

Na dann: Prost! Und wir freuen uns auf einen Nordlicht-Studiengang "Schleswig-Holstein" in Dänemark und einen Ruhrpott-Studiengang "NRW" in den Niederlanden.

lko