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Meinung

Klugscheißer-Alarm: Macht Sinn? Von wegen! Diese sprachlichen Fehler nerven am meisten

Jeder hat so kleine Dinge, die ihn in den Wahnsinn treiben. Für unsere Autorin sind das unter anderem Menschen, die das Wort "utopisch" falsch benutzen. Deswegen hat das nun ein Ende!

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Wie heißt es so schön? Deutsche Sprache, schwere Sprache. Während Französisch und Co. mit Sicherheit auch ihre Tücken haben, bin ich doch sehr froh, dass ich Deutsch nie als Fremdsprache lernen musste. Wahrscheinlich ist schon das Studium der verschiedenen Artikel – für deren Zuordnung es keine logische Regelung zu geben scheint – eine echte Zumutung. Und dann wären da ja noch die Deklinationen und bei Verben Zeiten mit so klangvollen Namen wie Plusquamperfekt. Erinnert sich noch irgendjemand daran, was man damit machen kann? Also ich nicht.

Klugscheißer

Sind Klugscheißer manchmal ein bisschen anstrengend? Ja. Haben sie meistens recht? Auch ja.

Getty Images

Was ich damit sagen will: Niemand ist perfekt. Keiner beherrscht die deutsche Sprache zu 100 Prozent. Jeder macht Fehler. Darüber bin ich mir im Klaren. Aber trotzdem gibt es ein paar Dinge, die sich über die Zeit im täglichen Sprachgebrauch eingenistet haben und sich einfach nicht mehr vertreiben lassen wollen – sehr zum Leidwesen derer, die sie als Fehler erkennen und entweder der ewige Klugscheißer sind oder tatenlos zusehen müssen, wie es sich der Fehlerteufel noch ein bisschen bequemer macht und darauf hoffen darf, bald einfach als "Umgangssprache" geduldet zu werden.

Deswegen klären wir hier jetzt ein für alle Mal meine Top 3.

Lieblingsfehler #1: utopisch

Beispiel: 
"Oh Gott, hoffentlich kommt mein Ex-Freund nicht auch zu der Party."
"Ach, mach dir keine Sorgen, das ist doch völlig utopisch, dass der das nach der Arbeit noch schafft."

Habt ihr in der Schule damals so wundervoll bedrückende Bücher wie "1984" von George Orwell oder "The Road" von Cormac McCarthy gelesen? Wir schon und zwar im Literaturmodul "Dystopien". Eine Dystopie, so lernten wir schnell, ist eine in der Zukunft spielende Erzählung ohne Happy End, die von einer – meist postapokalyptischen – Welt erzählt, in der sich die Dinge zum Negativen entwickelt haben. "1984" beispielsweise war George Orwells Vorstellung davon, wie es weitergehen könnte, wenn wir zulassen, dass der Staat uns permanent überwacht. Das Ganze lässt sich also als "ziemlich beschissene Zukunftsvision" zusammenfassen.

Das Gegenteil hiervon ist die Utopie – dann läuft alles perfekt sahnemäßig und super geil. Während der Duden die Utopie noch recht unspezifisch als "undurchführbar erscheinender Plan" (denn wann läuft denn schon mal alles perfekt?) oder "Idee ohne reale Grundlage" (perfekte Welt wär super, aber wie soll das gehen?) beschreibt, wird es bei "utopisch" schon konkreter: "Adjektiv – nur in der Vorstellung, Fantasie möglich; mit der Wirklichkeit nicht vereinbar, [noch] nicht durchführbar; fantastisch".

Die Idee, dass der Ex-Freund es nach der Arbeit noch zur Party schaffen könnte, ist also keinesfalls utopisch – außer vielleicht für ihn selbst, auch wenn es auch hier eine starke Übertreibung wäre. Es ist allerdings völlig utopisch, dass irgendwann alle das Wort utopisch korrekt verwenden.

Stattdessen benutzen: unrealistisch, unwahrscheinlich

Lieblingsfehler #2: scheinbar

Beispiel:
"Das Hemd kenne ich! Ist mein Ex-Freund etwa auch auf dieser Party?"
"Scheinbar schon."

Ich will überhaupt nicht lügen, diesen Fehler habe ich auch bis vor einem Jahr noch sehr regelmäßig gemacht. Aber tatsächlich gibt es einen riesigen Unterschied zwischen dem, was "scheinbar" tatsächlich bedeutet und dem, was du glaubst, was es bedeutet: Der Duden beschreibt "scheinbar" als "aufgrund einer Täuschung wirklich" alias nicht wirklich. 

Etwas, das nur scheinbar wahr oder vorhanden ist, ist es in Wirklichkeit nämlich nicht. Der Magier sägt seine Assistentin also nur scheinbar in zwei Teile – wollen wir zumindest hoffen. Meine persönliche Eselsbrücke: Der Schein der Lampen in einer Bar ist eher schwach, sprich, es ist eher dunkel, also ist das Lämpchen nicht an und das Lämpchen leuchtet bei der richtigen Antwort grün, also ist scheinbar falsch. Verstehe aber auch, wenn dir das zu kompliziert ist.

Stattdessen benutzen: anscheinend, offenbar

Lieblingsfehler #3: Sinn machen

Beispiel:

"Wie hat mein Ex-Freund es nur doch zur Party geschafft?"
"Wahrscheinlich hatte er früher Feierabend und ist mit dem Taxi gefahren."
"Ja, das macht Sinn."

Mein Bruder wird so stolz sein, dass ich seine Weisheit hier nun mit der Welt teile. Immerhin hat er Jahre meines Lebens damit verbracht, uns allen diesen Fehler auszutreiben. Kurz gesagt: Dinge machen keinen Sinn – sie ergeben ihn. Im Beispiel kann man es daran erkennen, dass verschiedene Faktoren zusammengerechnet werden, um am Ende ein Ergebnis zu bekommen: den Sinn. Anders formuliert: Die Fakten haben den Sinn ja nicht neu gemacht, sondern ergeben, dass die Aussage sinnvoll oder plausibel ist. (Vermutlich hat sich der Fehler durch die falsche Übersetzung von to make sense eingeschlichen.)

Ergibt Sinn, oder?

Stattdessen benutzen: Sinn ergeben