HOME

Heimatliebe: Wie Düsseldorf vom Schickimicki-Kaff zu einer richtig geilen Stadt wurde

Früher war Düsseldorf eine Gernegroßstadt, die sich als internationale Metropole missverstand. Unser Autor wuchs dort auf, bevor es ihn vor zehn Jahren nach Hamburg zog. Aus der Ferne beobachtet er nun die beeindruckende Entwicklung seiner Stadt.

Düsseldorf Rheinpromenade

Düsseldorf von seiner besten Seite: Im Sommer geht es auf den Wiesen rund um die Rheinpromenade mediterran zu

"Wer wohnt schon in Düsseldorf?", hat Herbert Grönemeyer in seinem Hit "Bochum" schon vor über 30 Jahren gesungen. Das frage ich mich als Weggezogener, der inzwischen seit zehn Jahren in Hamburg lebt, manchmal auch. Nicht weil ich meine Heimatstadt nicht lieben und sie seit jeher gegen alle Hasser wie ein stolzer Sohn verteidigen würde. Sondern weil sich Düsseldorf speziell im letzten Jahrzehnt so stark verändert hat, dass es Zeit ist, mit ein paar angestaubten Klischees aufzuräumen.

Als Teenager in den 90er-Jahren wuchs ich auf in einem Düsseldorf, das uncooler kaum sein konnte. Ein mittelgroß geratenes Städtchen mit Minderwertigkeitskomplexen und Geltungsdrang, das zwar rückläufige Einwohnerzahlen verzeichnete, sich aber als internationale Metropole missverstand. Die Legenden, die man sich bis heute über Düsseldorf erzählt, sind Geschichten von Geld und Glamour, von Wirtschaft und Werbeagenturen, von Messestadt und pelztragenden Mädchen. Auch Grönemeyer sang über seine Heimat Bochum: "Du bist keine Weltstadt" – und suggerierte mit dem darauffolgenden Düsseldorf-Vergleich, dass die Rheinmetropole eben das sei: eine Weltstadt.

Düsseldorf kann auch spektakulär hässlich sein

Das war damals schon Quatsch, und ist es heute natürlich immer noch. Düsseldorf ist längst nicht so mondän, wie behauptet wird. Die Königsallee ist keinen Kilometer lang und viel weiter darüber hinaus verläuft der Schickimicki-Radius auch gar nicht. Stattdessen kann die Stadt sogar spektakulär hässlich sein, je mehr man sich ihren Rändern nähert: Nachkriegsbauten, Industriegebiete, und verstaubte, verrauchte, verbrauchte Gaststätten. Heruntergekommenes Hinterland wie in einem Bruce-Springsteen-Song, ganz anders als das Düsseldorf aus dem Modekatalog.

Das ist die Gegend, in der ich groß geworden bin. Hier auszubrechen war mit Anfang 20 alternativlos. In der Ferne musste ich dann feststellen: Es ändert nichts am grundsätzlichen Gefühl. Der Düsseldorfer liebt seine Stadt – egal, auf welchem Breitengrad er sich gerade befindet. Heute kann ich längst nachvollziehen, warum der berühmteste Sohn der Stadt, der Dichter Heinrich Heine, so gerne zitiert wird: "Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zumute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müßte ich gleich nach Hause gehn."

Nur gibt es nichts Langweiligeres als Texte von Autoren, die im Nostalgiewahn ihre Heimat zum Mittelpunkt der Welt verklären. Wo bleibt der Mehrwert, wenn ich den Lesern meine Stadt empfehle, nur weil ich im alten Lichtburg-Kino auf der Kö zum ersten Mal geknutscht habe oder weil ich noch im alten Rheinstadion mit den Fortuna-Fans im legendären Block 36 stand? Zum Glück muss ich solche Anekdoten nicht bemühen, sondern kann auch auf objektive Argumente zurückgreifen. Seit meinem Weggang im Jahr 2007 ist Düsseldorf – so abgedroschen es klingt – plötzlich ständig in Bewegung.

Im Sommer geht es auf den Wiesen rund um die Rheinpromenade mediterran zu, bei gutem Wetter werden die Gassen der Altstadt ruckzuck zur längsten Freilufttheke der Welt. Im Winter kommen nicht nur die Holländer in riesigen Reisebusgruppen, um sich an der Eisbahn am Ende der Königsallee ein kleines bisschen wie am Rockefeller Center in Manhattan zu fühlen. Alternative Stadtteile wie Bilk und Flingern boomen, wie ich es mir zu meiner Zeit schon gerne gewünscht hätte. Und die Szene rund um die Kunstakademie ist tatsächlich von jener internationalen Relevanz, nach der sich die Stadt in der Vergangenheit manchmal ein bisschen zu verzweifelt gesehnt hat.

Im Vergleich zu anderen Großstädten der Republik gibt Düsseldorf inzwischen ein gutes Vorbild ab: optisch, kulturell, wirtschaftlich. Seit 2007 ist die Stadt schuldenfrei, womit sie nicht nur in Nordrhein-Westfalen eine Ausnahmestellung einnimmt. Außerdem wird ein ambitioniertes Bauprojekt wie die "Wehrhahn-Linie" hier planmäßig neun Jahre nach dem ersten Spatenstich fertig: Eine ganze U-Bahn-Stammstrecke inklusive ihrer Bahnhöfe einmal quer unter die Innenstadt verlegt, ohne in Verzug zu geraten – in Zeiten von BER und Stuttgart 21 ist das eine bemerkenswerte Leistung.

Die Grenze zwischen Rheinland und Ruhrgebiet

Aber das ist alles bloß Prestige, über das vielleicht an den unzähligen Theken der Altstadt diskutiert wird. Worauf es wirklich ankommt, sind die Menschen, die dort diskutieren - und die sind in Düsseldorf über jeden Zweifel erhaben. Denn viel verbreiteter als der sprichwörtliche Schnösel ist hier die gemütliche Plaudertasche. An der Grenze zwischen Düsseldorf und Duisburg verläuft die Grenze zwischen Rheinland und Ruhrgebiet – und der Düsseldorfer vereint das Beste beider Mentalitäten. Er ist geradeaus wie die Leute im Pott, dabei aber deutlich besser gelaunt (vgl.: Frohnatur, rheinische).

"Ich habe ja selber an mir den Feldversuch durchgenommen, als ich ohne große Erwartungen nach Düsseldorf kam", hat SPD-Oberbürgermeister Thomas Geisel, gebürtig aus Baden-Württemberg, einmal gesagt. "Da habe ich festgestellt, das ist wirklich – entschuldigen Sie, wenn ich das so sage – eine geile Stadt." Er freue sich, wenn immer mehr Leute dies spüren.

"Lange Rede kurz", wie der Rheinländer sagt, zurück auf Anfang: Wer wohnt schon in Düsseldorf? Rein statistisch rund 630.000 Menschen, Tendenz stark steigend. Ich gehöre schon lange nicht mehr dazu. Aber es gibt keinen Ort auf dieser Welt, an den ich lieber zurückkehre. Weil es ein großes Glück ist, wenn die Heimatstadt so spannend ist. Oder um einen anderen Grönemeyer-Song zu zitieren: In Düsseldorf bleibt alles anders.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.