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Wohnungsanzeige: Berlinerinnen bieten Zelt auf Balkon als WG-Zimmer an – mit einer Einschränkung

Es ist so absurd, dass es auch ein Scherz gewesen sein könnte: Statt eines Zimmers boten zwei Frauen in Berlin ihren Balkon zum Schlafen an. Inklusive Zelt. Aber ganz aufgeben wollen sie die Außenstelle nicht.

Screenshot einer WG-Anzeige

Die steigenden Mietpreise in Berlin treiben originelle Blüten: Für ihren Balkon in Mitte gaben zwei Frauen eine WG-Anzeige auf. Inzwischen ist der Status "aktuell vermietet".

Eins vorab: Der Wahrheitsgehalt dieser Anzeige lässt sich nicht mehr überprüfen. Die Art der Auschreibung klingt aber so, als hätten zwei junge Frauen in Berlin sich abends beim Weinchen überlegt, wie sie am geschmeidigsten ihre Lebenshaltungskosten reduzieren könnten. Ohne sich groß einzuschränken. Ohne sich zum Beispiel ein Zimmer zu teilen. Und da ist ihnen etwas ganz Schlaues eingefallen: Wir vermieten einfach den Balkon zum Preis eines günstigen WG-Zimmers. Wenn wir das geschickt machen, müssen wir nicht mal auf ihn verzichten.

Marie, 22, und Biana, 24, gaben bei dem Portal wg-gesucht.de eine Anzeige auf. Unter der Überschrift "Schlafplatz auf dem Balkon zu vermieten – rent a tent" inserierten sie ein Foto des Zeltes, das sie für ihren zukünftigen Mitbewohner bereits auf ihrem Balkon aufgeschlagen hatten – neben den Blumenkästen (es mag sich auch um privaten Hanfanbau handeln), mitten im angesagten Berlin-Mitte. 260 Euro pro Monat veranschlagten sie für die Möglichkeit, dort unterzukriechen.

"Zugang zu Bad und Küche hast du natürlich"

Damit der Mitbewohner der Außenstation in der Brückenstraße sich nicht ungerecht behandelt fühlt, wird ausdrücklich versichert, dass er oder sie auch Bad und Küche nutzen dürfen. Einen kleinen Pferdefuß hat das Angebot der beiden Mädels, von denen eine angibt, in der Ausbildung zu sein und die andere zu studieren, nämlich noch in petto: "Wir vermieten aufgrund von finanziellen Problemen einen Schlafplatz auf unserem Balkon! Falls es dich nicht stört, wenn wir uns ab und zu auf dem Balkon sonnen oder am Abend einen Drink dort zu uns nehmen, freuen wir uns, von dir zu hören :-)"

Damit sich mögliche Interessenten auch bei einem Regenguss gut untergebracht fühlen, geben die beiden noch die relevanten Werte ihres Zeltes an, Maße, Wassersäule und ein Fiberglasgestänge. Die zentrale Lage, die Nähe zu U- und S-Bahnstationen, preisen sie mit einer und vier Minuten an – bei einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 4,5 Kilometern pro Stunde. Anschließend folgt der Anzeigentext noch einmal auf Englisch, Berlin ist schließlich multikulti.

Balkonschläfer – geht das überhaupt?

Sollte die Anzeige echt gewesen sein – inzwischen lautet der Status "aktuell vermietet" und eine Kontaktaufnahme ist nicht mehr möglich – stellt sich vielleicht dem ein oder anderen die Frage, ob dieses Modell nicht auch die eigene Finanzkrise beheben könnte. Grundsätzlich ist es zwar nicht verboten, draußen auf dem Balkon zu übernachten. Ihn jedoch für einen ständigen Mitbewohner wie ein Zimmer anzupreisen, darauf würde sich wohl kein Vermieter einlassen – und der muss bei Untervermietung stets um Erlaubnis gebeten werden.

Sollte die Anzeige fake gewesen sein, hat sie vermutlich das Ziel, auf die steigenden Mietpreise in Berlin hinzuweisen. Seitdem insbesondere die zentralen östlichen Stadtteile renoviert, gentrifiziert oder gleich in Eigentumswohnungen umgewandelt worden sind, ist es schwierig geworden, dort eine Wohnung zu finden. Insbesondere Studierende und Auszubildende können die Mietpreise nicht mehr bezahlen.

Da kommt man schon mal auf verzweifelte Ideen.

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