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Nachbarschaftskrieg: "SCHÄMEN SIE SICH NICHT?": Wie meine Wäsche meinen Nachbarn zur Weißglut trieb

Endlich in die erste eigene Wohnung eingezogen und schon geht der erste Nachbarschaftskrieg los. Und alles nur, weil unsere Autorin es doch tatsächlich gewagt hat, ihre Wäsche auf dem Balkon aufzuhängen. SCHOCKIEREND, wissen wir.

Nachbarschaftskrieg: Love your Neighbour

"Liebe deinen Nachbarn" – hätte unsere Autorin diese Cap besessen, hätte sie sie gemeinsam mit der Wäsche auf den Balkon gehängt

Unsplash

Kennst du deine Nachbarn? Stehst du in regelmäßigem Kontakt mit ihnen? Wenn du in einer Großstadt oder in einem Mehrfamilienhaus wohnst, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. Man trifft sich auf dem Weg zum Mülleimer, lächelt ein bisschen verlegen und steht noch drei Sekunden länger in der Tür, um sie dem anderen nicht direkt ins Gesicht zu schlagen. Aber ansonsten? 

Vor Kurzem las ich einen Artikel über eine junge Frau in Schottland, die wegen eines absinkenden Bodens in ihrem Badezimmer eine Firma bestellen musste, die den Schaden reparieren würde. Da ihr Vermieter zu diesem Zeitpunkt im Urlaub war, konnte keine ordentliche Entsorgung des entstehenden Mülls organisiert werden, weshalb der ein paar Tage im gemeinschaftlichen Garten verbrachte. Kann mal passieren, kann man nichts gegen machen, ist dann halt so. 

Aber da hatte sie die Rechnung ohne ihren Nachbarn gemacht, denn der hinterließ ihr eine wütende Notiz im Hausflur. Man habe Fotos von dem Müll gemacht und werde er nicht in Kürze entfernt, so würden die Bilder an die Stadtverwaltung weitergeleitet. Die 24-Jährige reagierte mit einem freundlichen Brief, der Nachbar schrieb eine weitere Notiz, die junge Frau einen längeren Brief und irgendwie endete das ganze in einem völlig absurden und ziemlich amüsanten Kleinkrieg, den sie auf ihrem Twitter-Account veröffentlichte.

Erinnerungen an meinen eigenen kleinen Nachbarschaftskrieg

Die ganze Geschichte erinnerte mich verdächtig an meine erste eigene Wohnung in Deutschland. Ich war damals aus dem Ausland nach Berlin gezogen und konnte es kaum erwarten, meine eigenen vier Wände zu beziehen. Kein WG-Zimmer, keine Untermiete, kein Kinderzimmer – alles meins. Das Haus war wunderschön, sehr alt und sehr beeindruckend. Dass ich dabei in einem knapp über 30 Quadratmeter großen Schuhkarton zwischen schicken Lofts wohnte, war mir ziemlich schnuppe. Mit das beste an der Wohnung: der Balkon. Er ging auf den Innenhof raus, war recht groß und perfekt zum in der Mittagssonne rumliegen und – zum Wäsche aufhängen! Das ist in einer Wohnung dieser Größe kein unwichtiger Faktor.

Doch ich wohnte noch kein Vierteljahr in meinem kleinen Heim, als mir beim Öffnen der Wohnungstür ein fein säuberlich gefalteter Zettel entgegenfiel. MENSCH, EIN ANONYMER LIEBESBRIEF, WIE ROMANTISCH, dachte ich – und wurde bitter enttäuscht. Denn stattdessen stand da: "Würden Sie bitte ihre Wäsche und Bettwäsche vom Balkon entfernen??!!! Niemand möchte das Elend sehen!!!!" Die Nachricht wurde am Computer geschrieben und natürlich – wie könnte es anders sein – ohne Unterschrift abgegeben.

Nachbarschaftskrieg: Diese Nachricht steckte in meiner Tür

War ja kurz besorgt, dass jemand meine T-Shirts als Elend beschreibt. Ich hielt mich immer für recht stilsicher.

Passiv-aggressive Kriegsführung: genau mein Ding!

Ich weiß ja nicht, wie das bei euch so ist, aber da fing bei mir mal ganz kurz das Blut an zu kochen. Hätte ich jetzt Massen an blutgetränkter Schlachterarbeitskleidung auf dem Balkon ausgelüftet oder Bettwäsche mit riesigen Penissen drauf, hätte ich das Ganze noch irgendwie verstehen können. Aber die paar T-Shirts tun ja wohl niemandem weh. Während eine Freundin, die mich zu diesem Zeitpunkt gerade besuchte, am Morgen mit zwei erhobenen Mittelfingern auf dem Balkon stand und plante, Nutella in unsere Unterwäsche zu schmieren, entschied ich mich für die weniger kratzbürstige, aber dafür effektivere Variante. Ich verfasste eine Antwort, die ich auf den erhaltenen Zettel schrieb und an die Innenseite der Haustür pinnte: "Vielen Dank für Ihre Nachricht. Es tut mir Leid, dass ich Ihr empfindliches Auge mit meiner Wäsche belästige. Spenden für einen Wäschetrockner können gerne in meinem Briefkasten hinterlegt werden. Bis dahin werde ich weiterhin meine private Wäsche auf meinem privaten Balkon aufhängen." Freundlich und dennoch passiv-aggressiv, was das Zeug hält – genau mein Ding.

Keine 24 Stunden später war mein Zettel – SURPRISE, SURPRISE – verschwunden. In den nächsten Monaten wurde es kälter, weshalb ich meine Wäsche nicht mehr wirklich auf dem Balkon trocknen konnte und da leider, leider keine Spenden in meinem Briefkasten aufgetaucht waren, musste ich wohl oder übel meine winzige Wohnung zustellen. Aber gut, wie mein Opa jetzt sagen würde: Schwund ist bei jeder Sache. Doch kaum trafen die ersten Sonnenstrahlen auf unseren Innenhof, beförderte ich den sperrigen Wäscheständer wieder nach draußen – UND bekam prompt wieder Post. Inzwischen schien die Lunte ein wenig kürzer zu sein, weshalb die Nachricht komplett in Großbuchstaben geschrieben war: "SCHÄMEN SIE SICH NICHT??????? WIE SIEHT IHR BALKON AUS!!!! ?????? ES IST KEIN KELLER (LEITER, WÄSCHETROCKNUNG)". Fair enough, meine kleine grüne Leiter wäre im Keller wahrscheinlich besser aufgehoben gewesen. Einziger Haken: In unserem Haus gab es keinen Keller. Und keinen Dachboden. Was das ganze Argument irgendwie sinnlos machte.

Nachbarschaftskrieg: Diese Nachricht steckte in meiner Tür

Man hätte ja hoffen können, dass sich die Nachbarn nach einigen Monaten beruhigen, aber: Pustekuchen! (Übrigens, lieber Ex-Nachbar, falls Sie das lesen sollten: Nein, ich schäme mich nicht. Mein Balkon sieht aus wie ein Balkon. Und vielen Dank für die Beratung in Immobilienfragen, war da schon kurz verwirrt.)

Vielleicht hat ihn das Karma ja erwischt

Ich habe mich damals dazu entschieden, nicht mehr auf diese Nachricht zu antworten. Der anonyme Nachrichtenschreiber war ja ganz offensichtlich nicht in der Stimmung, mit sich diskutieren zu lassen. Und ganz ehrlich? Ich sah auch nicht wirklich ein, wieso ich mich dafür rechtfertigen sollte. Und außerdem wollte ich ohnehin ein paar Monate später ausziehen. 

Als der Hausmeister zur Wohnungsabnahme kam, war ich dann aber doch neugierig und fragte, ob er eine Idee hätte, wer solche Nachrichten schreiben würde. Er verdrehte die Augen, seufzte, dass er da eine ziemlich genaue Vorstellung hätte und deutete auf einen Balkon zwei Stockwerke über mir und – und jetzt kommt's – LEICHT UM DIE ECKE! DER TYP MUSSTE SICH ORDENTLICH DEN HALS VERRENKEN, UM MEINEN BALKON ÜBERHAUPT SEHEN ZU KÖNNEN. Manche Menschen, ey … Bleibt nur zu hoffen, dass er sich dabei den einen oder anderen Nerv eingeklemmt hat. Karma und so.

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