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Kommentar

Offener Brief: DJ Khaled, du willst deine Frau nicht befriedigen? Du hast doch den Schuss nicht gehört!

Seit dem Wochenende wird ein Radio-Interview mit DJ Khaled von 2015 heiß diskutiert. Darin sagt er, dass er seine Freundin niemals oral befriedige, das von ihr im Gegenzug aber durchaus erwarte. Finden wir nicht okay. Ein offener Brief.

DJ Khaled

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Seit dem Wochenende ist eines wieder in aller Munde (wer weiter liest, wird gleich feststellen, wieso dieser Ausdruck hier besonders passend ist): Ein Interview, das Khaled 2015 in einer Radio-Morning-Show gab. Im Gespräch mit den Moderatoren von "The Breakfast Club" erzählte der inzwischen 42-Jährige, wie die Dinge bei ihm zu Hause so ablaufen. Auch im Bett. Dort wolle er zwar, dass seine Freundin ihn oral befriedige, habe den Gefallen selbst aber noch nie (niemals, kein Mist!) erwidert. (Ich möchte hiermit auf das Wortspiel von oben verweisen. Gut, nä?)

Aber bevor wir in einen ausgewachsenen Schreikrampf gegen das Patriarchat ausbrechen, ein wenig Hintergrundwissen: DJ Khaled ist der leicht übergewichtige Typ, der auf einigen recht bekannten Songs in regelmäßigen Abständen seinen Namen ins Mikro brüllt. "Wild Thoughts" von Rihanna zum Beispiel, oder "All I do is win" mit Snoop Dogg, Ludacris und Konsorten.

 Er ist seit elf Jahren mit seiner Freundin Nicole Tuck zusammen – das Paar hat einen gemeinsamen Sohn. Und anscheinend ein recht unausgeglichenes Sexleben. Und weil das alles so absolut abstrus ist, kann ich es nicht einfach so stehen lassen …

 

Aus gegebenem Anlass:

Lieber DJ Khaled,

im Song "Wild Thoughts", den du mitgeschrieben und produziert hast, heißt es: "I don't know if you could take it. Know you wanna see me nakey, nakey, naked." Erstens: Ich kann da jetzt nur für mich persönlich sprechen, aber nein, ich möchte dich absolut nicht nakey, nakey, naked sehen. Und zweitens: Nachdem ich mir das Radiointerview angehört habe, in dem du von deinen Gewohnheiten im ehelichen Bett berichtest, bekomme ich irgendwie das dumpfe Gefühl, dass das einzige, was es da zu "taken" gibt, deine grandiose Faulheit ist. Mal abgesehen davon, dass ich es ohnehin äußerst unangebracht finde, sowas in aller Öffentlichkeit zu besprechen, hast du ja wohl den Schuss nicht gehört.

Du sagst, es sei dir nicht möglich, deine Freundin oral zu befriedigen. Eine richtige Begründung dafür gibt es nicht, nur ein einfaches: "Sowas mache ich nicht". Juti. Manche Leute finden manche Dinge eklig, wenn deine Freundin kein Problem damit hat – und das scheint sie nicht zu haben, sonst wärt ihr wahrscheinlich nicht so lange zusammen –, dann ist das eure Sache. Do your thing. Kann ich mit leben. Womit ich ga-ran-tiert und absolut nicht leben kann, ist die Doppelmoral. Denn du scheinst es für dringend notwendig zu halten, dass deine Freundin dir diese Ehre erweist. Auf die Frage, ob es in Ordnung sei, wenn sie auch nicht wolle, antwortest du: "Nein, das ist nicht in Ordnung. Ich bin der Don, der King."

Ganz ehrlich? Du klingst wie ein verwöhnter kleiner Junge, dem seine Mutter zu lange abends noch eine heiße Milch ans Bett gebracht hat. "Hier Schatz", hat sie dann immer gesagt, "für meinen kleinen Prinzen." Und du hast dir den kleinen Bauch gerieben und für dich entschieden, dass Frauen dein Leben lang nur dazu da sein werden, für dich zu sorgen. Anders kann diese Aussage nicht erklärt werden: "Es gibt einfach andere Regeln für Männer. Es gibt Dinge, die Frauen vielleicht machen oder nicht machen wollen, aber es muss trotzdem gemacht werden. Ich kann aber nicht machen, was ihr von mir wollt. Das kann ich einfach nicht." Entschuldige mich bitte, während ich kurz eine Wand trete und ausgiebig in ein Kissen brülle. Das kann doch unmöglich dein Ernst sein? 

Du bist doch eigentlich auf dem richtigen Trichter, wenn du sagst: "Ich glaube, die Frau sollte ihren Mann ehren und der Mann seine Königin". YAY! GEGENSEITIGER RESPEKT! Aber dann geht's schon wieder los: "Meine Art, ihr Respekt zu zollen, ist sie zu fragen, wie das Essen war. Oder ob sie das Haus mag, in dem sie lebt, oder all die Klamotten, die sie bekommt. Ich kümmere mich um deine Familie, um meine Familie, sowas."

Khaled, deine Freundin ist deine Business Managerin. Sie kümmert sich um alles Finanzielle, macht, dass du nicht einfach nur irgendein Typ bist, der in Musikvideos hinten rumsteht und ab und zu LET'S GO brüllt, sondern damit jede Menge Holz verdienst. Sie hat studiert, hatte eine erfolgreiche eigene Karriere. Und so wird ihr gedankt? Ich glaube, wir wissen beide, dass einer Königin mehr Ehre gebührt. Und ab und zu muss eben auch ein König mal essen, was auf den Tisch kommt.

 

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