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Generation Beziehungsunfähig?!: Knieschoner fürs Herz: Wieso unser Mut die Angst überwiegen sollte

Einen Helm beim Fahrradfahren, einen Airbag fürs Auto und einen Topflappen für den Herd – wir schützen uns überall, wieso dann nicht auch Knieschoner fürs Herz? Unsere Autorin erklärt, wieso wir in Sachen Liebe mehr Mut zeigen müssen.

Von NEON-Community-Mitglied Rosa

Generation Beziehungsunfähig?!

Unsere Autorin erklärt, wieso es völlig normal ist, sein Herz schützen zu wollen – zum Beispiel mit Knieschonern (Symbolbild)

Getty Images

Ich finde, jemanden wirklich kennenzulernen, kann furchtbar anstrengend sein. Das bringt, jedenfalls bei mir, alle Unsicherheiten zu Tage. Denn jemanden wirklich kennenzulernen, bedeutet auch, sich zu öffnen und zu zeigen. Genau so, wie man ist. Und dazu gehören nicht nur die positiven Eigenschaften. Dabei mag man sich doch, gerade am Anfang, nur von seiner besten Seite zeigen. Manchmal habe ich dann Angst nicht zu genügen und frage mich, wann der andere merkt, dass ich ein totales Chaos bin.

"Generation Beziehungsunfähig" – aber ist das nicht total normal?

Nach meiner Trennung im letzten Jahr musste ich mir erst mal Zeit geben, um das ganze irgendwie sacken zulassen. Denn das Schlussmachen hat in mir ein Gefühl von nicht gut genug sein hinterlassen. Insgeheim weiß ich natürlich, dass es mir am Ende gut getan hat. Aber bitte, wer will schon, dass mit einem selbst Schluss gemacht wird?!

Man sagt, wenn man vom Pferd fällt, dann soll man sofort wieder aufsteigen. Ich glaube, in der Liebe ist das gar nicht so leicht. Runterfallen und hinfallen tut da einfach ganz besonders weh. Anstatt wieder aufzusteigen, gibt es jedoch andere Möglichkeiten. Eeasy-peasy kann man sich locker und unverbindlich mit Leuten treffen, zur Not auch gleich mit mehreren. Wenn dann dort mal einer abhanden kommt, ist das nicht so schlimm, vielleicht fällt einem nicht einmal auf, es tut also gar nicht weh. Ruckzuck ploppt dann aber auch der Stempel "Generation Beziehungsunfähig" auf. Aber ist das nicht eigentlich total normal?

Mein Auto hat einen Airbag, der mich bei Unfällen schützt. Fürs Fahrrad habe ich einen Helm (den ich natürlich nie trage). Wenn ich etwas aus dem Backofen hole, dann nicht mit bloßen Händen. Die Straße sollten wir nur bei grün überqueren. Lebensmittel, auf denen sich bereits ein grüner Flaum bildet, isst man nicht. Wer nicht schwimmen kann, der wird nicht vom Zehn-Meter-Brett springen. Und ein Footballspieler wird nicht ohne Ausrüstung aufs Feld geschickt.

In allen anderen Bereichen unseres Lebens sind wir vorsichtig, schützen uns vor Verletzungen und Gefahren. Das wird uns von klein auf beigebracht. Es ist dann doch also auch völlig normal, dass ich mein Herz schützen will. Würde es einen Helm fürs Herz geben, würde ich ihn mir mit Sicherheit zulegen (und diesmal auch tragen). Oder besser noch: Knieschoner! Kann nicht wenigstens jemand Knieschoner fürs Herz erfinden?

"Mutig sein kann ich – ich muss mich nur ab und zu daran erinnern" 

Das Blöde an der Sache ist nur, ohne sich auf jemanden wirklich einzulassen und somit auch in Kauf zu nehmen, dass man verletzt wird, gibt es auch den ganzen anderen Spaß nicht. Zum Beispiel sich jemandem nahe zu fühlen. Um das zu spüren, muss man mutig sein. Mutig sein kann ich! Ich muss mich nur ab und zu daran erinnern, weil manchmal die Vorstellung von "Easy-peasy locker und eicht" verlockender erscheint. Ganz besonders dann, wenn man das Gefühl hat, dass alles etwas enger und näher wird.

Am Wochenende war ich in Amsterdam. Ich hatte von einer Schaukel auf einem Hochhaus gelesen, da habe ich mir natürlich sofort ein Ticket gebucht. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich schaukeln liebe. Allerdings habe ich auch ein klitzekleines bisschen Höhenangst. So wurde mir, ungefähr zwei Sekunden nachdem ich das Ticket gebucht hatte, schlecht vor Angst.

Ich wollte es aber dennoch unbedingt machen. Normalerweise versuche ich dann einfach, nicht mehr an die Dinge, die mir Angst machen, zu denken. Später dann, in der Sekunde, in der die Schaukel nach oben ging, ist mir das Herz trotzdem in die Hose gerutscht. Am Ende aber hatte ich Spaß (und ziemlich tiefe Abdrücke meiner Fingernägeln in meinen Handflächen) und war wirklich stolz auf mich. Ok, ich muss aber auch zugeben, dass meine Erleichterung, als die Schaukel nach unten ging, den Spaßfaktor eindeutig überwog.

"Rauf auf die Liebesschaukel, nicht drüber nachdenken"

So mache ich das jetzt auch einfach in Liebesdingen: Rauf auf die Liebesschaukel, nicht drüber nachdenken, sich drauf einlassen und den ganzen Spaß mitnehmen. Denn wäre es nicht viel zu schade, das Feld der Liebe ausgerüstet wie ein Footballspieler zu betreten, nur um sich nicht zu verletzen? Und mal ganz im Ernst: Die ganze Zeit in so einer Rüstung, das muss doch auf Dauer auch wahnsinnig ungemütlich sein. Viel besser wäre da doch etwas kleineres, nur für den Fall der Fälle. Zum Beispiel ein Paar Knieschoner.

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