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Erfahrungsbericht: Sex mit dem Ex - ein Drama in zwei Akten

Das "Lass' uns Freunde bleiben" ist bei unserer Autorin zuerst krachend gescheitert. Als es dann endlich was werden konnte, kam eine angetrunkene Nacht dazwischen. Ist Sex mit dem Ex eine miese Idee? 

Sex mit dem Ex

Sex mit dem Ex ist nicht immer so fröhlich, wie diese Unterhose vermuten lässt (Symbolbild)

Getty Images

Wir liegen auf dem Holzboden in meinem Zimmer. Im Rücken kratzt ein Splitter, aber es ist mir egal. Der Wein hält meine Synapsen in einer schunkelnden Umarmung, während draußen erste Schneeflocken an kahlen Bäumen hängen bleiben. Nat King Cole singt über ein Mädchen namens Mona Lisa. 

Seit fast zwei Jahren sind wir kein Paar mehr, haben in unterschiedlichen Städten gewohnt und uns weitestgehend ignoriert. Er hat sich in die nächste Beziehung gestürzt und ich in andere Bekanntschaften, die alles werden durften, nur keine Beziehung. Mit dem "Lass' uns Freunde bleiben“ haben wir es versucht und sind zuerst krachend gescheitert. Hasserfüllte Telefonate und Sätze, die keiner mehr zurück nehmen konnte. Aber hinter den rissigen Egos standen immer noch wir, die sich auf irgendeinem Weg verbunden fühlen und sich deshalb nicht ganz loslassen wollen.

Ach weißt du noch, damals?

Als der Holzsplitter zwickt, habe ich noch meinen Wollpulli und die Jeans an, die wenig später in einer verstaubten Ecke des Raumes liegen werden. Wir reden über früher und über Menschen, die wir beiden kennen. Marit hat sich endlich von ihrem Freund getrennt, Julian wird nach Köln ziehen, weißt du noch, dieser eine Abend, als wir im Hotelzimmer Britney Spears gesungen haben? Irgendwann hören die Geschichten auf, wir werden still und die Musik wird lauter. Etwas verändert sich. Dann steht er auf und sagt, er sollte gehen.

Wir stehen im Türrahmen und umarmen uns etwas zu lang. Die Tür fällt wieder ins Schloss, während wir den langen Flur zurück in mein Zimmer stolpern. In wenigen Sekunden hat der Wollpulli seinen neuen Platz gefunden und unser Verstand hat resigniert. "Na gut, dann stürzt euch doch ins Unglück", sagt er. Aber das Unglück wartet geduldig auf der Ersatzbank, denn erst ist alles schön. Es kommt erst am nächsten Morgen ins Spiel, als wir nicht recht wissen, wie wir uns verhalten sollen und die Umarmung im Türrahmen die Sekunden abzieht, die sie uns gestern geschenkt hat. "Mein Fehler", sagt die Umarmung.

Sex mit dem Ex hat einen langen Schatten

In den kommenden Tagen schreiben wir uns verunsicherte WhatsApp-Nachrichten. Ich trinke Tee auf dem Sofa einer alten Schulfreundin, die strahlend neben mir sitzt. "Ich wusste immer, dass ihr zusammengehört", sagt sie. Ich schüttele vorsichtig den Kopf.

Es gab gute Gründe für unsere Trennung, das wissen wir beide. Und trotzdem schleichen sich Fragen in meinen Kopf, die sich weder im Tee, noch im Wein, ertränken lassen. Warum vermisse ich ihn jetzt? Was, wenn nun doch alles anders ist? Mein romantisches Ich ist schon wieder davon galoppiert und malt mit Pastellfarben eine gemeinsame Zukunft an die Zimmerwand. Aber die Striche und Züge passen nicht zu uns, das sind wir nicht mehr.

Wir sind kein Liebespaar mehr, wir wollten Freunde werden. Jetzt sind wir nichts mehr von beidem und dümpeln im Zwischenland herum. In einer Nacht haben wir uns die Leichtigkeit genommen, die sich gerade wieder aufgebaut hatte. Zwei Jahre lang haben wir Stück für Stück eine Gewissheit gewonnen, dass alles genau so richtig ist, dass die Trennung eine gute Entscheidung war. Jetzt fehlt uns der Mut und der Wille, einen zweiten Versuch zu wagen, aber es fehlt auch die Sicherheit, uns mit gutem Gewissen zu den Akten zu legen. Als ich ihm einige Monate später von meinem Freund erzähle, ist es merkwürdig. Wir lassen solche Themen bald sein. Und dann lassen wir fast alles sein. Vielleicht wird das wieder, vielleicht auch nicht. In jedem Fall war es das nicht wert.

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