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Facebook-Post: "Versager. Faul." – Wieso dieses Geschirr eine wichtige Botschaft über Depressionen enthält

Brittany Ernsperger teilte auf Facebook ein Bild ihres frisch abgewaschenen Geschirrs – und machte es zum eindrucksvollen Sinnbild für ihren Kampf gegen Depressionen und Angstzustände.

Brittany Ernsperger auf Facebook

Für Brittany Ernsperger wird dieser Stapel Geschirr zum Sinnbild für ihre Depressionen

Auf den ersten Blick sieht der Post von Brittany Ernsperger unspektakulär aus. Wieso hat die junge Mutter ein Bild ihres abgewaschenen Geschirrs geteilt? Tatsächlich ist es ein Dokument ihres täglichen Kampfes mit Depressionen. Die Mutter von vier Töchtern schreibt zu dem Bild: "So sehen Depressionen aus." Damit meine sie nicht das saubere Geschirr, sondern die Tatsache, dass sie zwei Wochen gebraucht habe, um es abzuwaschen.

"Vor drei Tagen saß ich auf dem Küchenboden, habe das Geschirr angestarrt und geweint. Ich wusste, dass ich es würde abwaschen müssen. Ich wollte es unbedingt abwaschen. Aber die Depressionen haben mich immer wieder runtergezogen." Immer wieder sei sie an dem Haufen vorbeigelaufen und sei immer wieder daran erinnert worden, dass sie die Aufgabe immer noch nicht erledigt hatte. Was die Depressionen nur schlimmer gemacht habe.

This is what depression looks like. No. Not the clean dishes. But that there were that many dishes in the first place;...

Gepostet von Brittany Ernsperger am Samstag, 30. Juni 2018

"Wertlos. Versager. Stück Scheiße. Inkompetent. Dumm. Faul. All diese Dinge wandern den ganzen Tag durch den Kopf einer depressiven Person. Und wenn dann noch Angst dazu kommt, fängt der Spaß erst richtig an. Angst, dass dein Mann dich verlassen wird, weil er dich für faul hält. Angst, Menschen in dein Haus zu lassen, weil sie denken könnten, dass du schmutzig bist. Schuldgefühle, weil du kein Geschirr mehr hast, mit dem du deinen Kindern Abendessen servieren könntest, weshalb es zum dritten Mal in Folge Pizza gibt."

Depressionen machen dich nicht schwach – im Gegenteil

Mit ihrem Post wolle sie kein Mitleid erhaschen, sondern anderen Betroffenen sagen, dass sie ihren Schmerz versteht. "Du bist nicht schwach. Du bist schon so lange stark, dass dein Körper mal eine kurze Pause braucht. Es ist mir völlig egal, ob das einzige, was du heute bislang gemacht hast, Deo auftragen war. Ich bin stolz auf dich! Das hast du gut gemacht! Ich stehe hinter dir. Ich bin auf deiner Seite."

Brittanys Beitrag stieß auf riesige Resonanz. Über 200.000 Mal wurde er geteilt, tausende Menschen kommentierten – mit Zuspruch und eigenen Leidensgeschichten. Brittany will die Aufmerksamkeit für den Post nutzen, um andere, die Ähnliches durchmachen, zu unterstützen: "Wenn ihr euch auch so fühlt, schickt mir eine Freundschaftsanfrage. Ich werde mein Bestes geben, um euch zu helfen oder jemanden zu finden, der das kann. Zusammen schaffen wir das."

Depressionen
jgs
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