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Alternative zu Plastik? Die Mär vom nachhaltigen Bambusgeschirr

Bambusbecher
Vermeintlich nachhaltige Bambusbecher mit Silikonaufsatz für den Kaffee unterwegs sind im Trend. 
© Svetlana Ivanova / Getty Images
Produkte aus Bambus sind auf dem Vormarsch. Sie gelten als die umweltbewusstere Alternative zu Plastik. Aber halten die Produkte, was sie versprechen oder steckt dahinter mehr Schein als Sein?

Bambusgeschirr sieht nicht nur natürlich chic aus, ist robust und wiederverwendbar, es steht auch im Ruf besonders nachhaltig zu sein. Immer mehr Menschen greifen daher zum Bambusbecher für ihren Kaffee to go oder lassen ihre Kinder vom Bambustellerchen essen, im Glauben daran, der Umwelt etwas Gutes zu tun. Was viele aber nicht wissen: Nicht überall, wo Bambus drauf steht, ist auch nur Bambus drin.

Für den Bundesverband der Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst (BLC) ist der Hype um Bambusware nichts als Schmu. Zwar ist Bambus ein nachwachsender Rohstoff, biologisch abbaubar sind die Produkte aber laut BLC oftmals nicht. Viele Bambusartikel seien aus Melamin-Formaldehyd-Harzen und Bambusfasern als Füllstoff hergestellt. Damit ist das schicke Geschirr auch nicht mehr als ein synthetisches Kunststoffprodukt im Öko-Design und mitnichten biologisch abbaubar.

Schlimmer als reines Plastik

Aber nicht nur das macht den Experten Sorgen. Denn die vermeintlichen Umweltprodukte können auch gesundheitliche Risiken bergen. So hat das Bundesinstitut für Risikobewertung gemeinsam mit chemischen Untersuchungsämtern der Bundesländer Bambusprodukte unter die Lupe genommen und sich nicht nur genau angesehen, woraus sie gemacht sind, sondern auch, was das für Verbraucher heißt. 

Das Ergebnis ist für Bambusliebhaber kein schönes, denn im Zusammenspiel mit heißen Lebensmitteln können, so die Untersuchungsergebnisse, "zum Teil hohe Mengen an Melamin und Formaldehyd" freigesetzt werden und auf die Lebensmittel übergehen. Melamin und Formaldehyd stehen vor allem im Fokus, weil vermutet wird, dass die Stoffe Krebs verursachen können. Wer glaubt, so hoch wie bei herkömmlichen Plastikgeschirr kann diese Freisetzung nicht sein, täuscht sich. Das Gegenteil ist der Fall. Laut BLC liege diese beim Bambusgeschirr "zum Teil deutlich höher".  

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Vorsicht vorm Kaffee aus dem Bambusbecher

Die Lebensmittelchemiker warnen daher davor, Bambusprodukte zu nutzen, wenn heiße Speisen oder Getränke konsumiert werden wollen. Die Bambuswaren sollten keinen Temperaturen über 70 Grad Celsius ausgesetzt werden, "dürfen auf keinen Fall zum Erwärmen von Speisen in der Mikrowelle benutzt werden" und sollten auch nicht zu heiß gereinigt werden, damit die Oberflächen nicht beschädigt werden. Gerade bei Coffee-to-go-Bechern und bei Geschirr für Kinder sollen Verbraucher "erhöhte Achtsamkeit" walten lassen, so die Chemiker. Die Angaben zur sachgemäßen Verwendung seien unbedingt zu beachten.

Zwar gibt es durchaus auch "echte" Bambusprodukte aus Bambusholz zu kaufen. Doch viele der beworbenen "Naturprodukte" seien nichts anderes als Plastikgeschirr mit Bambusfasern. Dass in diesen Produkten Stoffe wie Melamin und Formaldehyd verarbeitet werden, werde laut BLC gern verschwiegen oder nur im Kleingedruckten ausgewiesen. Das Fazit der Lebensmittelchemiker fällt entsprechend desillusionierend aus. Die sogenannte Bambusware mit synthetischem Melaminharz stelle weder für die Umwelt noch für den Menschen eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Plastikgeschirr dar.

Quelle: BLC

tpo

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