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Biochemie der Liebe: Die Mär vom Single-Gen

Warum sind manche Menschen allein und andere führen gelungene Beziehungen? Einer Studie zufolge könnte ein Gen darauf einen Einfluss haben. Doch was ist dran am angeblichen Single-Gen?

Von Lea Wolz

Schon wieder schiefgegangen? Es liegt halt in den Genen? Ganz so einfach ist das nicht.

Schon wieder schiefgegangen? Es liegt halt in den Genen? Ganz so einfach ist das nicht.

"Single sein liegt in den Genen", "Forscher entdecken das Single-Gen", "Das Liebesglück liegt in den Genen" - so war es in den vergangenen Tagen überspitzt mancherorts zu lesen. Die Artikel bezogen sich auf eine Studie, in der chinesische Forscher einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Genvariante und dem Beziehungsstatus entdeckt haben wollen.

Das klingt verführerisch einfach. Lässt sich so doch eine Pleite nach der nächsten in Liebesdingen ganz schnell erklären - und auf das Erbgut abschieben. Doch was ist dran am Single-Gen? Und hält die Studie, was sie verspricht?

Zunächst einmal: 5-HTA1 heißt das Gen, das die Wissenschaftler dafür betrachteten. Wer eine Variante davon trägt, war demnach seltener zu dem Zeitpunkt der Befragung in einer Beziehung: Bei den untersuchten Frauen und Männern, bei denen an einer bestimmten Stelle des Gens der Baustein Cytosin saß, waren es 50 Prozent. War im Erbgut an diesen Stellen stattdessen der Baustein Guanin vorhanden, sank die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung zu leben, auf etwa 40 Prozent.

Ein geringer Unterschied, doch den Forschern zufolge ist er statistisch signifikant, heißt aussagekräftig. Auch nachdem andere Einflussfaktoren - etwa der gesellschaftliche und wirtschaftliche Status, religiöse Einstellungen oder das äußere Erscheinungsbild - herausgerechnet worden waren, sei der Zusammenhang nachweisbar, schreiben sie.

"Es gibt nicht das eine Single-Gen"

Bereits aus früheren Studien sei bekannt, dass Träger der Guanin-Variante sich in engen Beziehungen weniger wohl fühlen, schreiben die Wissenschaftler. Zudem würden sie häufiger neurotische Persönlichkeiten und psychiatrische Störungen wie etwa Depressionen entwickeln. Auch das könne zu weniger Dating-Optionen oder missglückten Beziehungen beitragen.

Funktionieren soll das alles über den Botenstoff Serotonin. Verliebte haben einen niedrigen Serotoninspiegel, die Guanin-Variante des Gens kurbelt allerdings die Produktion des Botenstoffes an - und wirkt so als Liebeszügler. Es sei daher durchaus möglich, dass eine Variation des 5-HTA1-Gens sich darauf auswirke, ob ein junger Mensch in einer Beziehung sei oder nicht, formulieren die Forscher vorsichtig.

Die Vorsicht ist begründet, denn mitnichten wurde mit der Studie der eine Grund gefunden, warum manche Menschen Beziehungschaoten sind und andere nicht. "Es gibt ganz sicher nicht das eine Gen, das uns zum Single macht", sagt der Humangenetiker Jörg Epplen von der Ruhr-Universität Bochum. "Wenn alleine um die 250 Gene zusammenspielen, um die Körpergröße eines Menschen zu bestimmen, lässt sich so etwas Komplexes wie unser Beziehungsverhalten nicht an einem einzigen Gen festmachen."

"Das Papier ist Schrott", urteilt der Statistiker Walter Krämer von der Uni Dortmund. "Wirklich aufregend wäre das Ganze nur, wenn man zwei Gruppen untersucht hätte, die sich in jeder Hinsicht gleichen, wobei die eine die Genvariante hat und die andere nicht." Erst dann ließen sich solide Schlüsse ziehen. "Davon kann aber hier keine Rede sein", sagt Krämer. Auch wenn Einflussfaktoren wie Bildung, Einkommen und Beruf der Eltern berücksichtigt worden seien, hätten die Forscher garantiert diverse andere wichtige Variable vergessen. "Wo bleibt etwa das Studienfach oder das Alter? Vielleicht studieren die mit dem positiven Gen zufällig bevorzugt Design oder Literaturwissenschaften, da flirtet man halt gern", sagt der Statistiker. "Oder die mit dem positiven Gen sind zufällig im Durchschnitt älter und hatten deswegen mehr Zeit, einen Freund oder eine Freundin zu finden?"

Eine Untersuchung mit etlichen Schwächen

Um ihre Hypothese zu untersuchen, stellten die Forscher knapp 600 chinesischen Studenten die simple Frage, ob sie sich zum jetzigen Zeitpunkt in einer Liebesbeziehung befinden. Daneben nahmen sie Haarproben und ermittelten, welche Genvariante bei den Studenten und Studentinnen vorhanden war. Dauer und Zufriedenheit der Beziehung etwa wurden nicht erfragt. Die Größe der jeweiligen Gruppen ist überschaubar: 182 der Cytosin-Träger waren in einer Beziehung, 179 waren Single. Bei den Trägern der Guanin-Variante waren 85 in einer Beziehung und 133 Single.

"Die Teilnehmerzahl ist nicht besonders groß, sehr speziell ausgewählt und eine Vergleichsgruppe fehlt ", kritisiert auch Humangenetiker Epplen. "Vielleicht gibt es ein Gen, das einen größeren Effekt auf den Beziehungsstatus hat als andere, aber wissenschaftlich bewiesen ist das durch diese Studie nicht."

Auch die Wissenschaftler weisen auf die Schwächen ihrer Untersuchung hin. Ihre Ergebnisse würden sich auf junge Studenten beziehen, ob sie etwa auf gleichaltrige Arbeiter übertragbar wären, sei unklar. "Unter bestimmten Umständen, könnte der genetische Beitrag zur Beziehungsfähigkeit von anderen Faktoren überdeckt werden."

Von einem angeblichen Single-Gen sollte sich daher niemand abschrecken lassen. Auch wenn die Studie mehr Fragen aufwirft als sie letztlich beantwortet, eines ist sicher: Das Liebesglück liegt bestimmt nicht allein in den Genen.

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