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"Global Warming Hiatus": Forscher lösen Wetter-Rätsel: Als der Klimawandel scheinbar zum Stillstand kam

15 Jahre lang stiegen die globalen Temperaturen nicht so, wie Klimamodelle vermuten ließen. Die Daten beflügelten die Thesen von Klimaskeptikern. Was war passiert?

Wissenschaftler fahren in einem Boot zur Kongsfjord-Gletscherfront in der Nähe der Forschungsstation Kings Bay auf Spitzbergen.

Gletscherfront auf Spitzbergen: Das Eis des Arktischen Ozeans wird vom Klimawandel bedroht

Das Phänomen hat einen eigenen Namen: "Global Warming Hiatus" - die "Auszeit des Klimawandels". Gemeint ist damit: In den Jahren von 1998 bis 2012 stiegen die Temperaturen an der Erdoberfläche je nach Messreihe gar nicht oder kaum an. Manche Politiker, aber auch Wissenschaftler deuteten dies als ein Versagen der Klimamodelle - das Ausmaß des Klimawandels sei überschätzt worden, behaupteten sie. Einige leugneten sogar, dass es einen Klimawandel überhaupt gebe oder zumindest, dass er vom Menschen verursacht worden sei. Was aber hatte es mit der scheinbaren Pause auf sich?

Forscher um Iselin Medhaug von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in der Schweiz sind dieser Frage nachgegangen und haben ihr Ergebnis im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Sie glauben: Die Daten bedeuten nicht, dass es keinen Klimawandel gibt. Dem steht auch der Trend der vergangenen drei Jahre entgegen: 2016 war das dritte Jahr in Folge, das den globalen Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gebrochen hat.

Schuld am "Global Warming Hiatus" sei vielmehr, dass in den Klimamodellen verschiedene Daten verwendet oder unterschiedliche Zeiträume betrachtet wurden. So wurden bei der Aufbereitung der Messdaten die Lufttemperaturen und die Oberflächentemperaturen der Ozeane zusammengenommen, während die Modelle in der Regel nur die Lufttemperaturen berücksichtigten. Auch weitere Klimafaktoren seien meist nicht einkalkuliert worden, berichten die Forscher. Dazu zählen etwa der Feinstaub aus Vulkanausbrüchen oder die Sonnenaktivität.

Wichtige Klimafaktoren wurden nicht berücksichtigt

"Wenn die Effekte kurzzeitiger Temperaturschwankungen, wie der El Niño Southern Oscillation, vulkanischer Aerosole und Sonnenvariabilität herausgenommen werden, ist das von Menschen erzeugte Signal globaler Erwärmung nicht wesentlich zurückgegangen", lautet das Fazit der Forscher. 1997/1998 war das Klimaphänomen "El Niño" an der südamerikanischen Pazifikküste besonders ausgeprägt gewesen und hatte zu den weltweiten Temperaturrekorden 1998 beigetragen. Dass dem keine weiteren Rekorde folgten, sei vor allem mit den natürlichen Klimaschwankungen erklärbar.

"Einige Daten, Tools und Methoden, die bei der Betrachtung eines längerfristigen Klimawandels gut genug waren, erwiesen sich als problematisch, als sie auf das Problem der kurzfristigen Trends angewendet wurden", schreiben die Forscher James Risbey (Wissenschaftsorganisation CSIRO, Hobart) und Stephan Lewandowsky (University of Western Australia, Crawley) in einem Kommentar zu der Studie. Wie real der Klimawandel ist, zeigen Veröffentlichungen der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf im März über Temperaturrekorde in der Arktis: Auf dem Höhepunkt des Winters und der eigentlichen Gefrierperiode habe es Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt gegeben.

Klimaskeptiker streuen Zweifel an der Existenz des Klimawandels

Die globale Mitteltemperatur der Erdoberfläche, auf die sich viele Studien beziehen, sei kein geeigneter Parameter, um die Klimaerwärmung zu beurteilen, sagt auch Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar). "Mehr als 90 Prozent der Wärme, die durch den Anstieg der Treibhausgase während der vergangenen 40 Jahre im System verblieben ist, sind von den Ozeanen aufgenommen worden. Betrachtet man den Wärmeinhalt des Weltozeans, dann gibt es die "Atempause" so gut wie nicht." Und: "Ein Klimaforscher wundert sich nicht darüber, dass die Erderwärmung mal schneller und mal weniger schnell verläuft."

Klimaforscher Stefan Rahmstorf weist darauf hin, dass die Debatte um die kurzfristigen Schwankungen nicht aus der Wissenschaft, sondern aus dem Kreis der "Klimaskeptiker" kam, denen es darum gehe, öffentlich Zweifel an der Klimaerwärmung zu wecken. "Ich hoffe, aus dieser Episode lernen Wissenschaftler, Medien und Öffentlichkeit, von Interessengruppen lancierte Klimaskeptiker-Thesen künftig kritischer zu hinterfragen."

Christian Franzke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Dynamik und Variabilität des Klimasystems an der Universität Hamburg, hält die Debatte um die vermeintliche Pause des Klimawandels für "wichtig", da "Klimawandelskeptiker den Hiatus benutzen, um die Existenz des Klimawandels zu bestreiten und auch die Glaubwürdigkeit der Klimaforscher zu zerstören."

ikr / DPA
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