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Meinung

Selbstliebe: Danke, Snoop Dogg! Oder: Warum wir uns öfter mal bei uns selbst bedanken sollten

Der Rapper bekommt einen Stern auf dem Walk of Fame und bedankt sich – bei sich selbst. Eine Einstellung, die wir uns zu Herzen nehmen sollten, findet unsere Autorin.

Snoop Dogg

Der Rapper Snoop Dogg mit seinem Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles

Picture Alliance

"Ich möchte mich bei mir bedanken: Dafür, dass ich immer an mich geglaubt habe, dafür, dass ich hart gearbeitet habe, dafür, nie frei gehabt zu haben, dafür, nie aufgegeben zu haben (...)." So bedankte sich der US-amerikanische Rapper Snoop Dogg bei einer Rede auf dem Walk of Fame in Los Angeles. Er erhielt dort am Montag einen Stern für seine Leistungen als Künstler. Und dankte in seiner Rede nur einem: sich selbst.

Ganz schön großkotzig. Klar, dass ein Hollywood-Star mit Millionen auf dem Konto gut und gern sich selbst danken kann, dachte ich im ersten Moment. Schaut man sich das Video der Verleihung an, scheinen auch die umstehenden Zuschauer überrascht von seiner Reaktion: Man hört Raunen und Lachen im Hintergrund, ein paar zustimmende Rufe. Doch unter dem Twitter-Feed wird nicht ausladender Hass verteilt, sondern hauptsächlich Zustimmung.

Und auch ich finde: Wir sollten uns viel öfter selbst danken! Wann hat man das letzte Mal zu sich gesagt: "Das hat du gut gemacht!"? Also ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, diesen Satz einfach nur zu mir gesagt zu haben – und nicht zu einem Freund oder einer Freundin, einem Kollegen oder einer Kollegin. Menschen leben von der Reaktion ihrer Umgebung auf ihr Handeln und auf ihre Leistungen, denn das hilft uns, unsere Arbeit einzuschätzen und motiviert uns im besten Falle. Oft arbeiten wir für ein Unternehmen, für einen Chef, für ein Projekt. Unsere Gesellschaft basiert auf Hierarchien, um geordnet zu funktionieren – das ist ok.

Schuld sind immer die Anderen

Aber allzu oft machen wir dabei andere für unsere Misserfolge und auch unsere Erfolge verantwortlich. Wäre mein Leben vielleicht besser, wenn meine Eltern mich doch in die Kinderoper geschleppt und mir klassische Musik nahegebracht hätten? Wenn man nicht die Scheidung hätte miterleben müssen? Und wo wären wir schließlich ohne die Unterstützung unserer Eltern, unserer Freunde oder der Chance, dieses neue Projekt umzusetzen?

Dankbar statt großspurig

Natürlich formen diese Aspekte aus Kindheit, Erziehung und Freunden unser Leben – aber der Grund, warum etwas scheitert oder funktioniert, sind am Ende nur wir selbst. Der griechische Philosoph Aristoteles soll gesagt haben: "Du kannst den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen." Klingt nach einem perfekten Spruch für Instagram – trifft deshalb aber nicht weniger zu. WIR legen den Grundstein für unseren Erfolg und dürfen uns dafür auch mal dankbar sein. Es geht hier nicht um großspuriges Beweihräuchern der eigenen Leistung in der morgendlichen Besprechung mit den Kollegen. Oder darum, seinem Date ständig von den drei Auslandssemestern und dem Abschluss aus Oxford zu erzählen. Und natürlich mag es leichter sein, mit viel Geld auf dem Konto und ohne die Sorgen des Alltags die eigene Leistung zu loben.

Eine Frage der Einstellung

Aber dankbar, glücklich und im besten Fall zufrieden zu sein, ist keine Frage des Erfolgs oder des Geldes – sondern der eigenen Einstellung. Und dazu gehört auch, die eigene Leistung anzuerkennen. Viel zu oft machen wir uns von unserem Umfeld abhängig, beschauen die tollen Leben der anderen in Social Media und gehen mit den eigenen Leistungen hart ins Gericht. Wir sind nie gut genug, schnell genug, toll genug.

Ich stelle mich da ganz vorne an. Und schaut man sich die wachsende Szene an Persönlichkeits- und Glückscoaches an, die ein zufriedenes und glückliches Leben versprechen, scheine ich nicht alleine zu sein. Achtsamkeit und Selbstliebe sind die neuen Schlagworte der Generation Y. Aber um bei den Lebensweisheiten zu bleiben: Vielleicht ist Einsicht der erste Weg zur Besserung. Und anstatt mich zu ärgern, dass das Geld nicht reicht für einen Glückscoach, nehme ich die Aufregung über einen großkotzigen Rapper als Anregung, einfach mal Danke zu sagen: Das hast du gut gemacht!