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Was ein Mann sich fragt: Feministin, aber der Typ muss beim ersten Date zahlen – hä?

Eine Freundin unseres Autors bezeichnet sich selbst als Feministin, wünscht sich aber dennoch, dass der Mann beim ersten Date zahlt. Wie passt das zusammen? 

Ein Mann zahlt im Restaurant mit seiner Kreditkarte. Die Frau sitzt daneben und lächelt.

Der Mann zahlt beim Date. Für viele ist das selbstverständlich. Dabei ist es ein altmodisches Rollenbild. 

"Ich finde, beim ersten Date sollte der Typ das Essen, den Kinobesuch oder den Kaffee zahlen. Das gehört sich so. Das macht einen Gentleman aus. Außerdem sollte er mir seine Jacke anbieten, wenn es kalt ist und ich friere!" Diese Ansprüche an verriet mir neulich eine gute Freundin, als wir gemeinsam feiern waren. Eine Äußerung, die mich zum Nachdenken brachte, denn: Sie behauptet von sich, Feministin zu sein.

Passt das zusammen? Auf der einen Seite möchte sie also eine unabhängige, gleichberechtigte Frau sein, auf der anderen Seite soll der Mann das Essen beim ersten Date zahlen. Was genau hat das eine mit dem anderen zu tun? Sind das vielleicht zwei unterschiedliche Ansätze? Mal schauen.

Was bedeutet Feminismus? 

Um das zu beantworten, muss man zunächst klären, was überhaupt ist. Dazu braucht es laut Dagmar Filter, Leiterin des Zentrums GenderWissen an der Universität Hamburg, eine "gaaaanz lange Antwort". In ihrem Fachbereich wird zu Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender- und Queer-Studies geforscht und gelehrt. Filter differenziert ihre Antwort gleich zu Beginn: "Es fängt bereits damit an, dass es verschiedene Strömungen des Feminismus gibt. Ich bin beispielsweise eine Verfechterin des Differenzfeminismus – also: Männer und Frauen sind verschieden. Das hat die Natur so vorgesehen. Daran kann man nichts ändern. Was man allerdings ändern kann, ist die Akzeptanz des 'Anderen'", erläutert sie ihren Ansatz.

Die entgegengesetzte Strömung nennt sich Gleichheitsfeminismus. Darin geht die Wissenschaft davon aus, dass Mann und Frau eigentlich gleich sind, die Gesellschaft ihnen jedoch ein gewisses Rollenverhalten zuteilt. Im Extrem etwa: Frauen mögen Ballett, reiten, tragen rosafarbene Kleider und spielen mit Barbies. "Und weil es diese unterschiedlichen Standpunkte gibt, streiten sich die Feministinnen auch untereinander", erklärt die Spezialistin. Trotz dieses fundamentalen Unterschiedes lässt sich eins festhalten: Der Feminismus ist eine Bewegung, die sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinandersetzt. Wie diese genau aussieht, fällt je nach Forschungsansatz aber unterschiedlich aus.  

"Der Mann zahlt seinen Teil, die Frau ihren"

Kann eine Frau also verlangen, dass der Mann beim ersten Date zahlt, und trotzdem behaupten, eine Feministin zu sein? Dagmar Filter nennt diese Forderung "irgendwie schräg": "Von meinem feministischen Verständnis her bezahlt die Frau ihren Teil, der Mann seinen. Und am Ende guckt man, ob man sich zu einem zweiten Date verabreden möchte. Fertig." 

Das Bild, dass der Mann die Frau "erobert", indem er sie zum Essen einlädt, bedient ein altmodisches Rollenbild. Wahrscheinlich aus einer Zeit, als Frauen nur arbeiten durften, nachdem der Mann zugestimmt hatte oder ohnehin nur schwer eigenes Geld verdienen konnten. Über diesen rückständigen Ansatz beschweren sich Frauen oft. Geht es aber um Liebe oder Dating, erwarten manche nach wie vor das Verhalten eines "Gentleman": Jemanden, der einem in die Jacke hilft, das Essen zahlt oder die Tür aufhält. Für sie gibt offenbar weiterhin die Sehnsucht danach, erobert zu werden. Kein Problem, nur Feministinnen sollten sie sich vielleicht nicht nennen.


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