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Unpassende Degradierung: Hört endlich auf, "schwule beste Freunde" als Accessoire zu nutzen!

Menschen, deren Eigenschaften wir besonders betont tolerieren möchten, können durch diese Betonung beleidigt werden. Denn auch ein politisch korrektes Klischee bleibt trotzdem ein Klischee.

Von Refinery29-Autorin Maren Aline Merken

Hört endlich auf, "schwule beste Freunde" als Accessoire zu nutzen

"Wenn es in einem Gespräch mit einer anderen Frau zur Sprache kommt, dass einer meiner engen Freunde schwul ist, dann höre ich oft so etwas wie: "Oh mein Gott, ich wollte schon immer einen schwulen besten Freund haben". (Symbolfoto; Demonstration zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen)

Ich bin kein Fan von Stereotypen – nie gewesen. Schon als Kind wurde mir beigebracht, dass man nicht ein Geschlecht liebt, sondern einen Menschen. Nur weil jemand tolle Klamotten hat, ist er nicht besser als andere und nicht alle Streber tragen eine Brille. Meine Eltern haben seit jeher Wert darauf gelegt, dass ich nicht zu oberflächlich bin. Natürlich schleichen sich über die Jahre Denkweisen und Klischees ein, bei denen man sich selbst ertappt, plötzlich stockt und sich fragt, wie man eigentlich auf einen bestimmten Gedanken gekommen ist.

Wir alle wissen, dass es jede Menge Stereotype in unserem Alltag gibt, ob wir wollen oder nicht – und die meisten davon verstehe ich nicht. Zwei, die ich nie verstanden habe, sind 'die typisch lesbische Frau' und 'der typisch schwule Mann', zumindest so, wie ein Großteil der Gesellschaft sie beschreiben.

Es gibt leider noch immer genug Menschen, tendenziell Männer, die Schwule ekelhaft finden und Lesben geil. Denen in diesem Kontext Sprüche einfallen, wie: "Bah, der soll mich aber nicht anbaggern", oder: "Geil, kannst du mal mit 'ner Frau rummachen?". Über diese Sprüche pikieren sich zum Glück sehr viele Menschen und gerade das weibliche Geschlecht schreit plakativ: "Wie intolerant seid ihr denn, ihr Machos?".

"schwulerbesterfreund"

Da bleibt mir zu sagen: "Wer eine reine Weste hat, der werfe den ersten Stein." Auch auf Frauenseite hat sich ein Stereotyp still und heimlich ins Unterbewusstsein geschlichen und seinen Vormarsch in den Alltag angekündigt. Der schwule und beste Freund nämlich. In meinem Freundeskreis in Berlin, aber auch in meiner Heimat Düsseldorf, habe ich mehrere homosexuelle Männer im Freundeskreis. Mit vielen von ihnen bin ich eng befreundet und mit den meisten auch schon sehr lange. Mit einigen sogar schon so lange, dass ich zu Beginn unserer Freundschaft gar nichts von ihrer sexuellen Orientierung wusste. Und als ich es dann erfuhr, hat es nichts geändert, weil wir Freunde waren und sind. Einfach so.

Ich weiß aber um Reaktionen aus unserem Umfeld. Wenn es in einem Gespräch mit einer anderen Frau zur Sprache kommt, dass einer meiner engen Freunde schwul ist, dann höre ich oft so etwas wie: "Oh mein Gott, ich wollte schon immer einen schwulen besten Freund haben", oder: "Wie cool ist das denn?!". Ähm, eigentlich genauso cool, wie Heterofreunde zu haben. Tendenziell ist es mir nämlich ziemlich schnuppe, was meine Freunde in ihren Betten machen oder wen sie lieben. Dennoch weiß ich auch von betreffenden Männern, dass sie häufig mit solchen Äußerungen bedacht werden. Ich habe nie verstanden, wieso. Ja, es kann passieren, dass ich mich ungezwungen vor einem meiner Freunde umziehe vor der nächsten Party. Oder, dass wir Sekt trinken und shoppen gehen. Weil er ein langjähriger Freund ist und ich ihm vertraue oder er eben Mode interessant findet; nicht weil er auf Männer steht. Frauen, die so etwas sagen, sind tendenziell keine engen Freundinnen von mir, sondern maximal Kolleginnen, Partybekanntschaften oder Menschen, die ich nur um einhundert Ecken kenne. Für die ist der gute Freund ab dem Punkt nicht mehr Mann mit dem Namen "XY", sondern "schwulerbesterfreund". Als sei das ein Eigenbegriff, der die Identität der Person komplett aushebelte. Ab diesem Zeitpunkt wird die Person auch nur noch mit dieser Begrifflichkeit vorgestellt. Das ist mein "schwulerbesterfreund". Kann ich meinen  "schwulenbestenfreund" mitbringen? Ey, du bist homosexuell? – Ich muss dir unbedingt meinen "schwulenbestenfreund" vorstellen!

Es gibt Frauenmagazine, die titeln mit der Zeile: "Warum es toll ist, einen schwulen besten Freund zu haben". Sie listen dann die Vorteile auf, wie, dass er der perfekte Shoppingberater sei und man mit ihm durchfeiern, Popmusik hören und zu Prickelwasser Serien schauen könne. Ich bin mir einhundertprozentig sicher, dass das ausgemachter Blödsinn ist. Und wenn es der Fall wäre, dann hätte das nichts mit sexueller Vorliebe zu tun, sondern einzig mit der Persönlichkeit. Homosexuelle Menschen sind kein Lifestyle-Accessoire, und nichts, womit man sich schmückt. Sie sind Freunde wie jeder andere auch. Es ist schon ein Graus andauernd diese Wortkombination "schwulerbesterfreund" zu nutzen. Wieso nicht einfach "bester Freund"? Man sagt doch auch nicht: "Das hier ist mein heterosexueller bester Freund".

Vielleicht hat es auch mit dem Alter zu tun. Ich kann mich erinnern, dass ich mit Anfang 20 auch mal eine gute Bekanntschaft hatte, bei der dieser Ausdruck gefallen ist. Wenn wir uns sahen, haben wir ganz grausam grell gekreischt und sind uns regelmäßig übertrieben künstlich um den Hals gefallen. Unter anderem auch deshalb, weil diese Person ihre Rolle perfekt gespielt hat. Aber auch das lag mit Sicherheit an der individuellen Persönlichkeit und nicht an der sexuellen Orientierung.

#gaybestie

Spannend wird es ja vor allem, wenn im Freundeskreis eine lesbische Frau existiert. Die bekommt, im Gegensatz zum homosexuellen Mann (für den es einige meiner Ansicht nach degradierende Hashtags, wie #gaybestie oder #gaybestfriend gibt), eher den Stempel 'Mannsweib' verpasst. Da hat dann die eine oder andere Frau plötzlich Schiss, angebaggert zu werden – oft auch noch genau die, die regelmäßig im besoffenen Zustand mit ihrer besten Freundin rummacht. Auch sie wird in eine Schublade gesteckt, nur ist die leider häufig nicht so positiv besetzt, wie die Schwulerbesterfreund-Schublade. Als wäre ein Outing als homosexuelle Frau Anlass dazu, sie abzuschreiben oder maximal darüber auszufragen, wie denn der Sex mit einer anderen Frau eigentlich sei. Auch das Outing eines homosexuellen Mannes ist kein passender Anlass, rosa Konfetti zu werfen, ihm ein Glas Prosecco in die Hand zu drücken und schnell "Desperate Housewives" anzumachen. Wir müssen aufhören mit solchen Klischees und Stereotypen, weil sie dumm sind, unfair, degradierend und Menschen in unserem Umfeld auf etwas reduzieren, was nur einen Teil ihres Lebens ausmacht.

Sicher haben wir solche Klischees auch Serien wie "Sex and the City" zu verdanken, in denen Carry und ihr 'Bestie' Stanford Luftküsse austauschen, Outfits aussuchen und über Männer und deren bestes Stück lästern. Aber wann war "Sex and the City" noch mal neu und spannend? Genau! Gedreht wurde die Skandalserie von 1998 bis 2004. Da wussten wir alle noch ein bisschen weniger und waren ein bisschen jünger. Man hat gekichert, wenn Samantha laut "Schwanz" gesagt hat. Ich möchte hoffen, dass diese Zeiten endlich vorbei sind.

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